Pavlo Kot

Kann Bitcoin noch zum Millionär machen?

Kann Bitcoin noch zum Millionär machen?
Kann Bitcoin Anleger noch zu Millionären machen?

​Die Bitcoin-Community weist darauf hin, dass bereits 0,1 BTC ausreichen, um in bestimmten Landeswährungen Millionär zu sein. In US-Dollar ist dieser Betrag jedoch deutlich bescheidener. Kann Bitcoin einen Anleger heute noch zum Dollar-Millionär machen, wie es frühen Käufern von Kryptowährungen gelang?

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Bei einem Bitcoin-Kurs von rund 80.000 $ ist ein Zehntel eines Coins etwa 8.000 $ wert. In manchen Ländern reicht das bereits für einen Kontostand mit sieben Stellen in der Landeswährung, sagt aber wenig über den tatsächlichen Wohlstand aus: Derselbe nominale Betrag hat in Yen und US-Dollar eine völlig unterschiedliche Kaufkraft.

Die Anzahl der Nullen auf einem Konto sagt zudem wenig darüber aus, wie viel Vermögen Bitcoin bei seiner heutigen Marktkapitalisierung schaffen kann. Ein Vergleich mit der Vergangenheit ist besonders aufschlussreich: Noch vor zehn Jahren konnte eine vergleichsweise kleine Anlage auf einen siebenstelligen Betrag in US-Dollar anwachsen. Dasselbe Ergebnis ist heute jedoch erheblich schwieriger zu erreichen.

Von 10.000 $ auf 1 Mio. $

Am 29. Oktober 2016 wurde Bitcoin zu etwa 714 $ gehandelt. Ein Anleger, der damals 10.000 $ in die Kryptowährung investiert hätte, hätte ungefähr 14 BTC erworben. 

Hätte der Anleger diese Coins in den folgenden zehn Jahren gehalten, ohne sie zu verkaufen, wäre die Position heute etwa 1,12 Mio. $ wert. Anders gesagt: Eine nach heutigen Maßstäben vergleichsweise bescheidene Anlage hätte tatsächlich ein siebenstelliges Vermögen hervorbringen können.

Diese einfache Rechnung lässt jedoch einen wichtigen Teil der Geschichte außer Acht. In diesen zehn Jahren hätte der Anleger mehrere große Bärenmärkte, starke Rückgänge um Dutzende Prozent und Phasen durchstehen müssen, in denen der Kurs der führenden Kryptowährung einen Großteil ihrer vorherigen Gewinne wieder zunichtemachte. Historisch gesehen verzeichnete Bitcoin wiederholt Kursverluste von mehr als 70 %, in den frühen Marktzyklen sogar noch stärkere Rückgänge.

Außerdem hätte nicht jeder Anleger die Position während des gesamten Zeitraums gehalten. Eine Verfünffachung, Verzehnfachung oder Verzwanzigfachung hätte bereits als ausreichender Grund für eine Gewinnmitnahme erscheinen können – lange bevor die Anlage ihren späteren Wert von 1,12 Mio. $ erreicht hätte.

Der entscheidende Unterschied zwischen 2016 und 2026 ist die Größe des Vermögenswerts selbst. Damals lag Bitcoins Marktkapitalisierung bei etwa 11 Mrd. $, heute bei rund 1,6 Bio. $. Deshalb ist es inzwischen deutlich schwieriger, das frühere Wachstum zu wiederholen.

Damit eine heutige Anlage von 10.000 $ auf 1 Mio. $ anwächst, müsste sich ihr Wert etwa verhundertfachen. Bei den aktuellen Kursen müsste Bitcoin dafür ungefähr 8 Mio. $ pro Coin erreichen.

Was wäre heute nötig?

Je kleiner die Anfangsinvestition, desto höher müsste der BTC-Kurs steigen. Um aus 1.000 $ 1 Mio. $ zu machen, müsste Bitcoin etwa 80 Mio. $ erreichen; bei einer Anlage von 50.000 $ wäre ein Kurs von rund 1,6 Mio. $ erforderlich. Eine Investition von 100.000 $ würde bei einem BTC-Kurs von ungefähr 800.000 $ die Million erreichen.

Vor diesem Hintergrund ist der im ursprünglichen Tweet erwähnte Betrag von 0,1 BTC besonders aufschlussreich. Heute ist diese Menge rund 8.000 $ wert.

Selbst wenn Bitcoin irgendwann 1 Mio. $ erreicht, wäre ein solcher Bestand nur 100.000 $ wert. Damit ein Zehntel eines Coins 1 Mio. $ wert ist, müsste BTC 10 Mio. $ erreichen.

Die Herausforderung liegt jedoch nicht allein im nominalen Kurs. Bei 1 Mio. $ pro BTC käme Bitcoins Marktkapitalisierung auf nahezu 20 Bio. $, während ein Kurs von 10 Mio. $ eine Bewertung von etwa 200 Bio. $ bedeuten würde. Ein Szenario, das vor zehn Jahren bei einem vergleichsweise kleinen Markt Wachstum erforderte, würde heute Kapitalzuflüsse in einer völlig anderen Größenordnung voraussetzen.

Eines der bekanntesten bullischen Szenarien von ARK Invest sieht Bitcoin bis 2030 bei rund 1,5 Mio. $. Sollte ein solches Szenario tatsächlich eintreten, wäre ein heutiger Bestand von 0,1 BTC etwa 150.000 $ wert.

Das bedeutet nicht, dass Bitcoins Wachstumspotenzial unerheblich wäre. Im Gegenteil: Ein Anstieg von 80.000 $ auf 1 Mio. $ entspräche einer mehr als zwölfmaligen Wertsteigerung. Wer jedoch mit einem kleinen Betrag startet, würde selbst mit einer solchen Rendite nicht mehr denselben Effekt erzielen wie frühe Käufer, deren Anlage das Zehn- oder Hundertfache ihres ursprünglichen Einsatzes erreichte.

Durch Zeit statt explosives Wachstum zum Millionär werden

Es gibt noch ein anderes mathematisches Szenario: Ein siebenstelliges Vermögen lässt sich durch langfristigen Vermögensaufbau erzielen, statt auf eine einmalige außergewöhnliche Kurssteigerung zu setzen.

So legt VanEck in einem seiner langfristigen Modelle ein Szenario mit einer durchschnittlichen jährlichen Bitcoin-Rendite von etwa 15 % zugrunde. Überträgt man diese Rate rein rechnerisch auf regelmäßige Anlagen, könnten monatliche Einzahlungen von 500 $ über 25 Jahre ein Portfolio im Wert von mehr als 1 Mio. $ ergeben. Die gesamten eigenen Einzahlungen beliefen sich dabei auf etwa 150.000 $.

Diese Berechnung ist jedoch nicht als Prognose zu verstehen. Bitcoin steigt nicht jedes Jahr gleichmäßig um 15 %: Auf starke Kursgewinne in manchen Jahren folgen in anderen teils erhebliche Rückgänge.

Historisch mussten Anleger Kursverluste von 50–70 % oder mehr verkraften. Langfristige Ergebnisse hängen daher nicht nur von der durchschnittlichen Rendite ab, sondern auch davon, ob Anleger vermeiden können, ihre Position im denkbar ungünstigsten Moment aufzugeben.

Eine weitere Herausforderung ist der mit der Zeit sinkende Geldwert. Bei einer angenommenen durchschnittlichen jährlichen Inflation von 2,5 % entsprächen 1 Mio. $ in 20 Jahren einer heutigen Kaufkraft von etwa 610.000 $. Nach 25 Jahren wären es nur noch rund 540.000 $.

Der Meilenstein von einer Million sagt daher allein nichts über den tatsächlichen Wert des angesammelten Vermögens aus.

Bitcoin kann Anlegern durchaus dabei helfen, ein Vermögen von 1 Mio. $ aufzubauen – wie es in den vergangenen zehn Jahren bereits geschehen ist. Heute erfordert dieses Ziel jedoch entweder deutlich mehr Anfangskapital, einen langen Zeitraum des Vermögensaufbaus oder einen Kursanstieg auf ein Niveau, das eine Marktkapitalisierung von vielen Billionen Dollar bedeuten würde.

Entscheidend ist also weniger, ob BTC erneut um ein Vielfaches steigen kann. Viel wichtiger ist, wie viel Vermögen ein solcher Anstieg ausgehend von einer bestimmten Anfangsinvestition schaffen würde und welche Kaufkraft das daraus entstehende Kapital letztlich behielte.

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