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Eine Welle von Verkäufen hat die globalen Märkte erfasst. Tech-Giganten verlieren Milliarden, Aktienindizes stürzen ab und Bitcoin fällt stark. Viele machen die US-Wahlen dafür verantwortlich, doch die eigentlichen Ursachen der Panik liegen viel tiefer.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
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Technologieunternehmen traf es besonders hart. Die Nvidia-Aktie verlor 9 %, AMD und Micron Technology brachen jeweils um 17 % ein, und Tesla verlor 10,8 %. Die gemeinsame Marktkapitalisierung der sieben größten US-Technologieunternehmen, bekannt als die „Magnificent Seven“, sank um mehr als 1 Billion Dollar.
Auch Unternehmen, die am Aufbau und Betrieb der Infrastruktur für künstliche Intelligenz beteiligt sind, gerieten stark unter Druck. Die Nebius-Aktie fiel um 15 %, CoreWeave gab um 10 % nach, während die Rechenzentrumsbetreiber Applied Digital, Cipher Digital und IREN jeweils mehr als 14 % verloren. Der Nasdaq Composite rutschte in den Korrekturbereich und lag fast 12 % unter seinem am 6. Oktober erreichten Rekordhoch.
Am Freitag, dem 6. November, griff der Ausverkauf auf die asiatischen Märkte über. Japans Nikkei 225 fiel um fast 6 % und rutschte damit in den Bärenmarktbereich. Südkoreas Kospi brach im frühen Handel um mehr als 8 % ein, woraufhin die Börse den Handel für 20 Minuten aussetzte. Bis zum Handelsschluss schrumpften die Verluste auf rund 6 %. Taiwans Taiex beendete die Sitzung mit einem Minus von 4,5 %, nachdem er im Tagesverlauf ebenfalls mehr als 8 % verloren hatte.
Asiatische Chiphersteller und Produzenten von KI-Ausrüstung verzeichneten einige der stärksten Verluste. Südkoreas Samsung Electronics und SK Hynix gaben um rund 6 % beziehungsweise 9 % nach. Taiwans TSMC schloss 4,7 % im Minus, während Japans SoftBank Group und Kioxia jeweils rund 11 % verloren.
Die europäischen Märkte haben sich bislang besser gehalten als ihre Pendants in den USA und Asien. Am Morgen des 6. November lagen die Futures auf den Euro Stoxx 50 rund 1 % im Minus, während die Futures auf britische und deutsche Aktienindizes um 0,9 % beziehungsweise 0,8 % nachgaben. Der gesamteuropäische Stoxx 600 lag unterdessen in der Woche weiterhin mehr als 1,3 % im Plus, gestützt von Bank-, Gesundheits- und Industriewerten.
Der wichtigste Auslöser des Ausverkaufs war der Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen am 3. November. Die Partei gewann die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses und setzte sich bei mehreren wichtigen Wahlen auf Bundesstaatenebene durch. Anleger befürchten nun, dass die Demokraten Beschränkungen für den Bau von Rechenzentren einführen könnten, die für den Betrieb künstlicher Intelligenz benötigt werden.
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Einige Demokraten haben bereits konkrete Maßnahmen vorgeschlagen. Senator Bernie Sanders forderte ein landesweites Moratorium für den Bau von Rechenzentren. Die Abgeordnete Yassamin Ansari schlug eine Pause bei der Entwicklung von KI vor. Besonders wichtig ist Texas, auf das 27 % der geplanten US-Rechenzentrumskapazität entfallen. Die designierte Gouverneurin Gina Hinojosa hat zugesagt, Genehmigungen für neue Projekte auszusetzen, bis ein Gesetz zum Schutz der Einwohner vor Ort verabschiedet ist.
Der Widerstand richtet sich gegen den enormen Strom- und Wasserverbrauch von Rechenzentren. Die Gemeinden vor Ort befürchten höhere Stromrechnungen und eine zusätzliche Belastung der Infrastruktur. Schätzungen von UBS zufolge könnten sich bei rund 30 % der geplanten Erweiterungen der US-Rechenzentrumskapazität bis 2028 Bauverzögerungen ergeben.
Die politischen Risiken haben jedoch lediglich Probleme verschärft, die sich in der KI-Branche bereits seit Monaten aufbauen. Technologieunternehmen investieren Hunderte Milliarden Dollar in Recheninfrastruktur, doch Anleger stellen zunehmend infrage, ob sich diese Investitionen auszahlen werden.
Der Markt beginnt, überzogene Erwartungen neu zu bewerten. William de Gale, Portfoliomanager bei Blue Box Asset Management, sagte gegenüber CNBC, viele Finanzmodelle gingen davon aus, dass KI-Unternehmen über Jahre hinweg ein jährliches Umsatzwachstum von 30 % erzielen würden. Seiner Ansicht nach müssen diese Prognosen auf 15–20 % gesenkt werden, da die Branche mit Engpässen bei Ausrüstung, Strom und Fachkräften konfrontiert ist.
Die Panik griff auch auf den Kryptowährungsmarkt über. Am Donnerstag, dem 5. November, fiel Bitcoin unter 76.000 Dollar und verlor innerhalb von 24 Stunden mehr als 5 %. Laut CoinGlass liquidierten Kryptowährungsbörsen im Laufe des vergangenen Tages Positionen von fast 200.000 Händlern; das Gesamtvolumen der Zwangsliquidationen überstieg 1 Milliarde Dollar. Rund 924 Millionen Dollar entfielen auf Long-Positionen – also Wetten auf steigende Kryptowährungskurse.
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Anleger begannen, ihr Geld in sichere Anlagen umzuschichten. Die Nachfrage nach Staatsanleihen in den USA, Japan und China stieg und drückte deren Renditen nach unten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank auf rund 4,8 %. Der US-Dollar, der japanische Yen und der Schweizer Franken legten zu. Gold, das in turbulenten Marktphasen normalerweise steigt, verlor am Morgen des 6. November rund 1 %, da einige Anleger das Edelmetall verkauften, um Verluste bei anderen Anlagen auszugleichen.
Die Lage im Nahen Osten stellt eine zusätzliche Gefahr dar. Bob McNally, CEO der Rapidan Energy Group, sagte gegenüber CNBC, er schätze die Wahrscheinlichkeit erneuter US-Militärschläge gegen den Iran auf 80 %. Eine weitere Eskalation dürfte seiner Einschätzung nach die Preise für Brent- und WTI-Rohöl auf über 100 Dollar je Barrel treiben. Das würde den Inflationsdruck erhöhen und Zinssenkungen erschweren.
Wie es weitergeht, hängt nicht nur von den Entscheidungen der US-Politiker ab, sondern auch von der Geschäftsentwicklung der Technologieunternehmen. Verlangsamt sich der Bau von Rechenzentren, während die Ausgaben für KI weiterhin schneller steigen als die Gewinne, müssen Anleger die Bewertungen von Unternehmen neu beurteilen, die bis vor Kurzem als die größten Gewinner am Markt galten. Hohe Zinsen und ein möglicher Anstieg der Ölpreise könnten zusätzlichen Druck ausüben.
Der massive Ausverkauf muss jedoch nicht zwangsläufig den Beginn einer anhaltenden Krise bedeuten. Die Nachfrage nach KI-Technologie ist weiterhin hoch, und einige Analysten halten den Rückgang der Aktienkurse für überzogen. Am stärksten hat sich die Risikobereitschaft der Anleger verändert: Der Glaube an ein unbegrenztes Wachstum der KI-Branche reicht nicht mehr aus. Unternehmen müssen nun beweisen, dass die Hunderte Milliarden Dollar, die in sie investiert wurden, echte Gewinne erwirtschaften können.