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Italiens Banken erschließen neue Einsatzmöglichkeiten für Blockchain – von digitalen Anleihen bis hin zur Verwahrung von Kryptowährungen und Zahlungsverkehr. Die breite Bevölkerung bleibt jedoch vergleichsweise zurückhaltend, wenn es um Investitionen in digitale Vermögenswerte geht. Könnten Banken statt Krypto-Enthusiasten die nächste Adoptionswelle im Land vorantreiben?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Italiens Finanzinstitute bauen ihren Einsatz von Blockchain-Technologie aus. Eine digitale Anleihe im Wert von €10 Millionen ist eines der jüngsten Beispiele. Erst vergangene Woche kündigten die BPER Banca und die staatlich gestützte Cassa Depositi e Prestiti (CDP) eine tokenisierte Minianleihe an, die vom italienischen Infrastrukturunternehmen SITE ausgegeben wurde. Beide Institute zeichneten gleich hohe Beträge.
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Die sechsjährige Anleihe finanziert Ausrüstung, Software und Überwachungssysteme für die Geschäftstätigkeit von SITE in Italien, insbesondere in der Emilia-Romagna und den südlichen Regionen. SITE entwickelt Infrastrukturprojekte in den Bereichen Telekommunikation, Energie, Eisenbahn und weiteren Sektoren. Anders als bei einer herkömmlichen Anleihe erfolgten Ausgabe und Verwaltung der Wertpapiere mithilfe der Blockchain-Technologie des italienischen Fintech-Unternehmens BlockInvest. Weltix fungierte gemäß Italiens Fintech-Dekret als Verwalter des Registers für digitale Wertpapiere.
Die Transaktion wurde als Italiens bislang größte tokenisierte Anleiheemission nach Volumen bezeichnet. Für Banken bietet Blockchain die Möglichkeit, die Emission von Wertpapieren zu vereinfachen, die Transparenz zu erhöhen und Verwaltungsabläufe zu reduzieren. Die CDP prüft tokenisierte Finanzierungen im Rahmen ihrer Bemühungen, die Kapitalmärkte zu modernisieren und die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen zu erweitern.
Die SITE-Transaktion ist kein Einzelfall. UniCredit arrangierte zuvor eine tokenisierte Minianleihe im Wert von €5 Millionen für das italienische Unternehmen Union, mit der der Bau von fünf Photovoltaikanlagen finanziert wurde. Die Bank hat Blockchain-Technologie auch für die Unternehmensfinanzierung über Fremdkapital in Deutschland eingesetzt und damit ihre Aktivitäten im Bereich digitaler Wertpapiere über den italienischen Markt hinaus ausgeweitet.
Während Banken neue Produkte entwickeln, stellen sich Krypto-Unternehmen auf strengere europäische Vorschriften ein. Italiens Übergangsphase zur EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) endete am 30. Juni 2026. Damit wurde das bisherige nationale Registrierungssystem durch einen europäischen Zulassungsrahmen ersetzt. Kryptobörsen und andere erfasste Dienstleister müssen nun eine Zulassung beantragen. Zugelassene Finanzinstitute können bestimmte Dienstleistungen über ein Anzeigeverfahren anbieten.
Die italienische Finanzaufsichtsbehörde Consob und die Banca d'Italia teilen sich die Aufsicht über den Sektor. Bis zum Ende der Übergangsphase waren neun Unternehmen zur Erbringung der erfassten Kryptodienstleistungen in Italien zugelassen oder anderweitig dazu berechtigt: acht Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen und eine Bank. Der neue Rahmen soll den Verbraucherschutz stärken und Risiken für die Finanzstabilität sowie betriebliche Risiken eindämmen, auch wenn die Compliance-Anforderungen die Kosten für kleinere Anbieter erhöhen könnten.
MiCA führt zudem konkrete Anforderungen an die Sicherung von Kundenvermögen, die Unternehmensführung und die finanziellen Mittel ein. Anbieter müssen entsprechend ihren Tätigkeiten und Betriebsausgaben aufsichtsrechtliche Sicherheiten vorhalten. Unternehmen, die Verwahrdienstleistungen anbieten, unterliegen zusätzlichen Pflichten hinsichtlich der Bestände ihrer Kunden. Zugelassene Anbieter werden in das Register der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde aufgenommen.
Während italienische Banken ihre Blockchain-Aktivitäten ausweiten, investieren vergleichsweise wenige Verbraucher in Kryptowährungen. Nach Schätzungen des Politecnico di Milano besitzen rund 2,8 Millionen Italiener Kryptowährungen. Das entspricht etwa 7 % der befragten Verbraucher.
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Italien liegt hinter mehreren anderen europäischen Märkten zurück. Derselben Studie zufolge besitzen 9 % der Verbraucher in Frankreich, 11 % in Deutschland und 14 % in Spanien Kryptowährungen. Allerdings bekundeten 11 % der italienischen Verbraucher Interesse daran, künftig digitale Vermögenswerte zu kaufen. Bemerkenswert ist, dass 52 % der Kaufinteressierten nicht in andere Finanzinstrumente investiert hatten. Digitale Vermögenswerte könnten für sie also die erste Anlage sein.
Dieser Gegensatz spiegelt die unterschiedlichen Ansätze von Banken und Privatanlegern gegenüber digitalen Vermögenswerten wider. Finanzinstitute nutzen Blockchain, um die Wertpapieremission, den Zahlungsverkehr und andere Dienstleistungen zu verbessern. Privatanleger begegnen Kryptowährungen dagegen meist als spekulativen Anlagen. Der Ausbau blockchainbasierter Finanzprodukte führt daher nicht zwangsläufig zu einem höheren Anteil von Kryptowährungsbesitzern.
Für Privatanleger bleiben Bedenken hinsichtlich Volatilität, Sicherheit und der Komplexität digitaler Vermögenswerte erheblich. MiCA kann das Vertrauen in regulierte Dienstleister stärken, aber weder Anlagerisiken beseitigen noch garantieren, dass mehr Italiener in den Kryptowährungsmarkt einsteigen.
Italienische Banken gehen über einzelne Blockchain-Experimente hinaus. Im April investierte UniCredit €4 Millionen in das Tokenisierungsunternehmen BlockInvest und erwarb einen Anteil von rund 16 %. Derselbe Technologieanbieter unterstützte später die Minianleihe von SITE. Damit verbindet sich die Investitionsstrategie der Bank mit einem wachsenden Markt für digitale Wertpapiere.
Auch der Zahlungsverkehr bietet weitere Chancen. UniCredit gehört zu den europäischen Banken, die Qivalis unterstützen, ein Konsortium zur Entwicklung eines regulierten, auf Euro lautenden Stablecoins. Die Initiative könnte künftig schnellere grenzüberschreitende Zahlungen und Abwicklungen ermöglichen. Ob sie gegenüber bestehenden Bankdienstleistungen kommerzielle Vorteile bietet, muss sich jedoch erst noch zeigen.
Die entscheidende Frage ist, ob sich diese Initiativen zu nachhaltigen Geschäftsmodellen entwickeln können. Tokenisierte Anleihen müssen praktische Vorteile gegenüber herkömmlichen Finanzierungen bieten, während Stablecoin-Zahlungen mit etablierten Finanznetzwerken konkurrieren. Italiens Blockchain-Branche könnte durch Unternehmensfinanzierungen, Verwahrung und Zahlungsverkehr wachsen, ohne dass der Besitz von Kryptowährungen entsprechend zunimmt. Ihr Erfolg dürfte letztlich stärker vom Nutzen dieser Finanzdienstleistungen abhängen als davon, wie viele Italiener sich zum Kauf von Bitcoin entschließen.