WTI testet 103 $, während Spannungen im Nahen Osten Versorgungsängste schüren
WTI wird am 23. Oktober bei rund 102,70 $ je Barrel gehandelt und setzt damit seine Erholung vom Oktobertief bei etwa 89,00 $ fort. Im Stundenchart bleibt die Folge höherer Hochs und höherer Tiefs intakt, während sich die Preise deutlich über den wichtigsten gleitenden Durchschnitten halten.
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Die Erholung findet vor dem Hintergrund anhaltender Störungen der Ölversorgung aus dem Nahen Osten statt. Die technische Lage bleibt daher überwiegend bullish, auch wenn die Nähe zum Widerstand die Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Gewinnmitnahmen erhöht.
Störungen an der Straße von Hormus halten geopolitische Risikoprämie hoch
Der wichtigste Faktor für den Ölmarkt war eine erneute Eskalation der Spannungen in der Straße von Hormus. Am 22. Oktober gab es Berichte über Angriffe auf sieben Öltanker, die angeblich mit iranischen Streitkräften und Seeminen in Verbindung standen. Gleichzeitig verstärken die USA ihre militärische Präsenz in der Region und verlegen eine weitere Flugzeugträgergruppe dorthin. Dies schürt die Sorge vor einer Wiederaufnahme groß angelegter Militäroperationen.
Obwohl der Seeverkehr durch geschützte Korridore weiterläuft, müssen Marktteilnehmer höhere Versicherungs- und Frachtkosten sowie die Nutzung alternativer Routen einkalkulieren. Schätzungen von Kpler zufolge belaufen sich die Lieferungen durch die Straße von Hormus auf rund 12,65 Millionen Barrel pro Tag, gegenüber 17,15 Millionen vor Beginn des Konflikts. Das deutet auf anhaltende Exportbeschränkungen hin. Saudi-Arabien hat unterdessen die Kapazität der Pipelines, die die Meerenge umgehen, auf 7 Millionen Barrel pro Tag erhöht. Diese Maßnahmen gleichen die Störungen teilweise aus, beseitigen jedoch nicht die Gefahr weiterer Lieferausfälle. Die geopolitische Risikoprämie stützt daher weiterhin die hohen Preise.
Sinkende US-Lagerbestände stehen schwächeren Nachfrageprognosen gegenüber
Zusätzliche Unterstützung erhalten die Ölpreise durch die jüngsten EIA-Daten. Der am 21. Oktober veröffentlichte Bericht wies für die Woche bis zum 16. Oktober einen Rückgang der kommerziellen Rohölvorräte in den USA um 3,06 Millionen Barrel auf 412,5 Millionen Barrel aus. Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 0,34 Millionen gerechnet. Die Benzinbestände sanken um 2,95 Millionen Barrel auf 205,3 Millionen. Das deutet darauf hin, dass die Inlandsnachfrage relativ stark bleibt.
Gleichzeitig stiegen die Destillatbestände unerwartet um 1,68 Millionen Barrel, obwohl der Markt mit einem Rückgang von rund 1,24 Millionen gerechnet hatte. Die Raffinerien liefen mit einer Auslastung von 93,4 % und verarbeiteten rund 16,6 Millionen Barrel pro Tag. Trotz der uneinheitlichen Entwicklung bei den Ölproduktbeständen bestätigt der deutlich stärker als erwartet ausgefallene Rückgang der Rohölvorräte die relative Anspannung der US-amerikanischen Angebots- und Nachfragesituation. Der nächste EIA-Bericht ist für den 28. Oktober angesetzt und wird ein wichtiger Indikator dafür sein, wie nachhaltig die aktuelle Erholung von WTI ist.
Die langfristigen Prognosen fallen jedoch deutlich vorsichtiger aus als die aktuelle Preisentwicklung. In ihrem Oktoberbericht prognostiziert die IEA für 2026 einen Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um rund 2,6 Millionen Barrel pro Tag gegenüber dem Vorjahr. Hauptgründe seien hohe Kraftstoffpreise und eine sich verschlechternde Wirtschaftslage. Im vierten Quartal könnte die Nachfrage um 2,5 Millionen Barrel pro Tag sinken, wobei Diesel etwa ein Viertel des Rückgangs ausmachen dürfte.
Gleichzeitig weist die Agentur darauf hin, dass sich das weltweite Angebot im September dank einer höheren Förderung in den Ländern am Persischen Golf auf 102,3 Millionen Barrel pro Tag erholt hat. Die EIA schätzt ihrerseits, dass die weltweiten Ölvorräte im dritten Quartal um rund 1,9 Millionen Barrel pro Tag zurückgingen, und prognostiziert für das vierte Quartal einen weiteren Rückgang um 0,7 Millionen. Zugleich rechnet sie 2027 mit einer allmählichen Normalisierung der Versorgung und einem durchschnittlichen Brent-Preis von rund 87 $ im zweiten Quartal sowie 74 $ bis zum Jahresende. Die aktuell hohen Preise spiegeln somit weitgehend einen vorübergehenden Mangel an verfügbaren Lieferungen und geopolitische Risiken wider. Eine Erholung des Angebots bei schwacher Nachfrage könnte die Marktlage jedoch deutlich verändern.
Eskalationsrisiken am Wochenende rücken den Widerstand bei 105 $ in den Fokus
Kurzfristig bleibt die Lage im Nahen Osten die wichtigste Unsicherheitsquelle. Selbst eine begrenzte Störung der Ölinfrastruktur könnte einen erneuten Preissprung auslösen. Gleichzeitig könnten eine Erholung der Exporte über alternative Routen und Anzeichen einer nachlassenden weltweiten Nachfrage weitere Gewinne begrenzen.
Derzeit testet WTI den Widerstand bei rund 103,00 $. Ein Ausbruch darüber würde einen Anstieg in Richtung des starken Widerstands bei 104,00–105,00 $ begünstigen, an dem WTI, wie ich in WTI steigt angesichts der Spannungen im Nahen Osten und sinkender US-Vorräte angemerkt habe, unter Druck geraten könnte. Sollten die USA am Wochenende ihre aktiven Militäroperationen gegen Iran wieder aufnehmen, könnte der Markt am Montag nahe der Obergrenze dieser Spanne oder darüber eröffnen. Verzichten die USA auf einen Militärschlag, könnte dies Gewinnmitnahmen bei Long-Positionen auslösen.
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