CFTC-Chef: Kühlschränke könnten eines Tages Memecoins lancieren
Die US-Regulierungsbehörden müssen sich an ein Finanzsystem anpassen, in dem KI-Agenten eigenständig Vermögenswerte halten und ohne menschliches Zutun Transaktionen ausführen können. Michael Selig, Vorsitzender der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), warnte, dass die Entwicklung dieser Technologien neue Fragen zur Marktaufsicht und zur Haftung für die Handlungen autonomer Software aufwirft.
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Bei der ersten Frontier Forum in Washington, D.C., sagte Selig, dass künstliche Intelligenz die Finanzbranche rasch verändert. Seiner Einschätzung nach könnte sogar ein gewöhnlicher Kühlschrank irgendwann selbstständig Lebensmittel bestellen und die Erlöse aus dem Staking von Ether dafür verwenden oder seinen eigenen Memecoin lancieren.
Der CFTC -Vorsitzende betonte, dass solche Szenarien längst keine Science-Fiction mehr seien. Die bestehenden Finanzvorschriften wurden jedoch für Märkte entwickelt, in denen Transaktionen von identifizierbaren Teilnehmern mit klar definierten Aufgaben ausgeführt werden.
Wer haftet für die Trades von KI-Agenten?
Laut Selig zwingt das Aufkommen autonomer Handelsprogramme die Regulierungsbehörden dazu, traditionelle Ansätze zur Aufsicht über Finanztransaktionen zu überdenken.
„Nehmen wir einen KI-Agenten, der Handelsmöglichkeiten erkennt und im Auftrag eines Nutzers Transaktionen ausführt. Muss sich der Entwickler dieses Agenten registrieren lassen? Wer haftet, wenn der Agent außer Kontrolle gerät? Wie können die Regulierungsbehörden feststellen, für wen der Agent oder eine Gruppe von Agenten handelt? Brauchen wir eine neue Variante von Know Your Customer, vielleicht KYA oder Know Your Agent?“
Diese Fragen gewinnen mit der zunehmenden Verbreitung von KI unter Privatanlegern an Bedeutung. Laut einer im September veröffentlichten Umfrage von eToro nutzen bereits 79% der US-amerikanischen Anleger der Millennial-Generation und 77% der Anleger der Generation Z künstliche Intelligenz zur Verwaltung ihrer Anlagen oder sind offen für den Einsatz solcher Tools.
Selig ist der Ansicht, dass KI fortschrittliche Risikomanagementtechnologien auch kleineren Unternehmen und Privatanlegern zugänglich machen könnte. Automatisierte Systeme können große Mengen an Marktinformationen deutlich schneller als Menschen verarbeiten und Anlegern bei ihren Entscheidungen helfen.
Welche Risiken birgt KI für die Finanzmärkte?
Neben ihren Vorteilen bringt der autonome Handel neue Risiken mit sich. KI-Agenten könnten unvorhersehbar auf veränderte Marktbedingungen reagieren. Zugleich könnte der Einsatz ähnlicher Modelle dazu führen, dass zahlreiche Händler identische Positionen eröffnen.
Die Geschwindigkeit automatisierter Transaktionen stellt eine weitere Herausforderung dar. Laut dem CFTC-Vorsitzenden könnte sie die Überwachung der Handelsaktivitäten und die rechtzeitige Erkennung von Risiken erschweren.
Yat Siu, Vorsitzender von Animoca Brands, warnte zuvor vor den Gefahren, wenn KI-generierte Handelsempfehlungen einander zu ähnlich werden. In einem Interview mit Cointelegraph merkte er an, dass tausend Nutzer, die dieselbe Frage zu einem Trade an eine KI stellen, nahezu identische Antworten erhalten könnten.
Der Finanzpolitische Ausschuss der Bank of England hat ähnliche Bedenken geäußert. Die Aufsichtsbehörde warnte, dass der weitverbreitete Einsatz ähnlicher KI-Modelle Marktschocks verstärken könnte.
Wo kommen KI-Agenten heute zum Einsatz?
KI-Agenten werden zunehmend Teil des Geschäftsalltags. Sie unterstützen Unternehmen bei der Bearbeitung von Kundenanfragen, der Terminplanung, der Analyse von Dokumenten, der Erstellung von Berichten und der Automatisierung der Beschaffung. Anders als herkömmliche Chatbots können diese Systeme eigenständig zusammenhängende Aufgabenfolgen erledigen, mit verschiedenen Anwendungen interagieren und Zwischenschritte entscheiden, ohne ständig Anweisungen von Menschen zu benötigen.
Die Softwareentwicklung zählt zu den Bereichen mit der schnellsten Verbreitung. KI-Agenten können bereits Code schreiben und testen, Fehler erkennen und Korrekturen vorschlagen. Im E-Commerce helfen solche Systeme Nutzern dabei, Produkte auszuwählen, Angebote zu vergleichen und Bestellungen aufzugeben. Die meisten dieser Lösungen arbeiten jedoch weiterhin innerhalb der von Nutzern oder Entwicklern festgelegten Grenzen, während kritische Aktionen oft eine menschliche Freigabe erfordern.
Die CFTC plant außerdem, Händlerberichte zweimal pro Woche zu veröffentlichen.
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