Charles Schwab startet Bitcoin-Handel: Warum der Broker in den Kryptomarkt einsteigt

Charles Schwab startet Bitcoin-Handel: Warum der Broker in den Kryptomarkt einsteigt
Charles Schwab betritt die Krypto-Welt.

Charles Schwab, einer der größten US-Broker, führt einen neuen Service ein – den direkten Kryptowährungshandel. Die Kunden des Unternehmens können nun Bitcoin und Ethereum direkt auf der Plattform des Brokers kaufen und verkaufen, anstatt über ETFs oder Futures. Für den Kryptomarkt ist dies ein wichtiges Signal: Einer der größten Akteure der Wall Street wechselt von der vorsichtigen Beobachtung zum umfassenden Engagement mit digitalen Assets.

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Wie Schwab Crypto funktioniert

Charles Schwab hat mit der schrittweisen Einführung von Schwab Crypto für Privatkunden begonnen. Der Service ermöglicht es Nutzern, Kryptowährungen direkt zu handeln, wobei Bitcoin und Ethereum zum Start verfügbar sind. Zuvor konnten die Kunden des Brokers nur über indirekte Instrumente wie ETFs, Futures, Trusts oder Aktien von Unternehmen, die mit der Digital-Asset-Branche verbunden sind, auf den Kryptomarkt zugreifen.

Der neue Service ist in das bestehende Ökosystem von Schwab integriert. Kunden können Kryptowährungen über Schwab.com, die Schwab Mobile App und die thinkorswim-Plattform handeln – also an denselben Stellen, an denen sie bereits Aktien, ETFs und andere Anlageprodukte handeln. Für die Nutzer senkt dies die Einstiegshürde: Sie müssen kein separates Konto bei einer Kryptobörse eröffnen, kein Geld dorthin überweisen und sich nicht mit einer neuen Infrastruktur auseinandersetzen.

Gleichzeitig wird Schwab Crypto nicht für alle gleichzeitig freigeschaltet. Das Unternehmen hat den Zugang für die erste Gruppe berechtigter Privatkunden geöffnet und wird diesen schrittweise erweitern. Das Konto für den Kryptohandel wird separat geführt, und die Gebühr beträgt 0,75 % pro Transaktion.

Ein langer Weg in die Krypto-Industrie

Um die Bedeutung dieses Schrittes zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Größe von Charles Schwab. Es handelt sich nicht um eine Kryptobörse oder ein Fintech-Startup, sondern um einen der größten Broker in den Vereinigten Staaten und einen bedeutenden Wall-Street-Akteur. Ende März 2026 betreute das Unternehmen 39,1 Millionen aktive Brokerage-Konten, während das Kundenvermögen 11,77 Billionen US-Dollar erreichte. Deshalb hat der Einstieg in den direkten Kryptowährungshandel ein ganz anderes Gewicht als der Start eines ähnlichen Produkts durch eine kleinere Plattform.

Dabei hat Schwab diese Entscheidung nicht plötzlich getroffen. Das Unternehmen bewegte sich seit mehreren Jahren vorsichtig und über Formate, die dem traditionellen Finanzwesen vertraut sind, auf den Kryptomarkt zu. Bereits 2021 sagte der damalige CEO von Charles Schwab, Walt Bettinger, dass der Broker den Kryptomarkt genau beobachte, aber ohne größere regulatorische Klarheit nicht überstürzt in den direkten Handel einsteigen werde.

Ein bemerkenswerter Schritt in diese Richtung war die Beteiligung von Schwab am Start von EDX Markets im Jahr 2023 zusammen mit Citadel Securities und Fidelity. Die Plattform zielte darauf ab, Standards des traditionellen Finanzsektors in den Markt für digitale Assets zu bringen und fungierte nicht als klassische Kryptobörse, sondern als Infrastrukturlösung für den Handel über Vermittler.

Heute beschränkt sich Schwab nicht mehr auf die Rolle des Beobachters oder Teilnehmers an Infrastrukturprojekten. Das Unternehmen beginnt, Kunden Zugang zur Kryptowährung selbst zu geben – tut dies jedoch in der vertrauten Wall-Street-Logik: über ein separates Konto, eine regulierte Infrastruktur, klare Gebühren und integrierte Support-Tools.

Die neue Sicht der Wall Street

Der Einstieg von Charles Schwab in den Kryptomarkt zeigt, dass digitale Assets immer tiefer in die Infrastruktur des traditionellen Finanzwesens eingebettet werden. Während sich der Kryptomarkt früher hauptsächlich um spezialisierte Börsen und separate Fintech-Plattformen entwickelte, erscheint der Zugang zu Bitcoin nun schrittweise innerhalb vertrauter Brokerage-Dienste.

Gleichzeitig präsentiert Schwab Kryptowährungen nicht als schnelle Wette auf Wachstum. Das Unternehmen versucht, sie in einen vertrauten Anlagerahmen einzupassen: Risiko, Volatilität, Diversifikation und eine akzeptable Portfolioallokation. In seinen Analysen stellt Schwab direkt fest, dass es keinen universell „richtigen“ Anteil an Kryptowährungen gibt und dass selbst eine kleine Allokation in BTC oder ETH das Risikoprofil eines Anlegers spürbar verändern kann.

Es ist auch wichtig, dass Schwab den Markt nicht alleine betritt. In den letzten Jahren sind bereits einige der größten Akteure der Wall Street in die Branche eingestiegen. Zum Beispiel wurde BlackRock nach dem Start eines Spot-Bitcoin-ETFs zu einem der Hauptsymbole des institutionellen Wandels, Fidelity entwickelt seit langem eine Infrastruktur für digitale Assets, und Morgan Stanley hat den Kundenzugang zu Krypto-Instrumenten schrittweise erweitert.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Start von Schwab Crypto wie Teil einer breiteren Bewegung des traditionellen Finanzwesens hin zu digitalen Assets. Dies ist nicht nur ein neuer Button zum Kauf von BTC in der App eines großen Brokers. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Kryptowährungen keine separate Nische mehr sind, sondern Teil des Standard-Finanzmenüs werden.

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