USDT kehrt zu Bitcoin zurück: Tether setzt wieder auf seine ursprüngliche Heimat

USDT kehrt zu Bitcoin zurück: Tether setzt wieder auf seine ursprüngliche Heimat
Warum braucht USDT Bitcoin?

​USDT kehrt zu der Blockchain zurück, auf der seine Geschichte begann. Mehr als ein Jahrzehnt nachdem Tether seinen Stablecoin erstmals auf Bitcoin eingeführt hatte, soll noch in diesem Monat eine neue Version im Netzwerk starten. Doch dabei handelt es sich nicht einfach um eine Wiederbelebung der Technologie, die Tether hinter sich gelassen hat.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Warum USDT jetzt zurückkehrt

Das von Tether unterstützte Infrastrukturunternehmen Utexo plant, USDT auf Bitcoin zu starten, nachdem es eine kommerzielle Lizenz zur Ausgabe des Stablecoins erhalten hat. Der Start wird RGB nutzen, ein Protokoll zur Ausgabe und Übertragung digitaler Vermögenswerte über Bitcoin, ohne sämtliche Transaktionsdaten direkt auf der öffentlichen Blockchain zu speichern.

Tether-CEO Paolo Ardoino bezeichnete den Schritt als USDTs „Rückkehr nach Hause“. Hinter dieser Formulierung steckt eine gewisse Geschichte: Tether führte USDT 2014 erstmals auf Bitcoin ein – lange bevor sich der Stablecoin zu einem Vermögenswert von rund 184B$ entwickelte, der sich über mehrere Blockchains erstreckt.

Die neue Infrastruktur soll private USDT-Transfers, direkte Swaps zwischen Bitcoin und USDT sowie durch natives Bitcoin besicherte Kredite ermöglichen. Utexo plant außerdem, nach dem Start Unterstützung für das Lightning Network anzubieten.

Warum hat USDT Bitcoin verlassen?

USDT wurde 2014 ursprünglich auf dem Omni Layer eingeführt, einem auf Bitcoin aufbauenden Protokoll, das Nutzern die Ausgabe und Übertragung digitaler Vermögenswerte ermöglichte. Damals war Bitcoin der naheliegende Ausgangspunkt. Ethereum war noch Monate von seinem Start entfernt, und das heutige weit verzweigte Stablecoin-Ökosystem existierte noch nicht.

Der Erfolg von USDT wurde schließlich jedoch zum Teil des Problems von Omni. Als Tether auf weitere Blockchains expandierte, entschieden sich Nutzer und Börsen zunehmend für Alternativen, die besser für häufige Token-Transfers geeignet waren. Ethereum wurde zu einem wichtigen Standort für USDT, während Tron, auf dem Tether 2019 eine TRC-20-Version einführte, schließlich noch größer wurde.

2023 erklärte Tether, Omni habe aufgrund der abnehmenden Nutzung gelitten, da Börsen andere Netzwerke bevorzugten. Die Unterstützung einer kaum genutzten Version erforderte weiterhin Ressourcen für Sicherheit, Compliance, Kundensupport und Technik. Daher stellte Tether im August desselben Jahres die Prägung von USDT auf Omni ein. Später beendete das Unternehmen auch die Rücknahmeunterstützung für die Legacy-Version.

Was ist diesmal anders?

Die Antwort lautet RGB. Statt sämtliche Details jedes Token-Transfers direkt auf der Bitcoin-Blockchain zu erfassen, hält RGB einen Großteil dieser Informationen zwischen den an der Transaktion beteiligten Personen. Das Eigentum ist mit den UTXOs von Bitcoin verknüpft – im Wesentlichen mit Bitcoin-Beträgen, die noch nicht ausgegeben wurden.

Für USDT könnte dies einige der Probleme lösen, die die alte Bitcoin-Version weniger attraktiv machten. Transfers können privater sein und erfordern weniger auf Bitcoin selbst zu speichernde Daten. Nutzer könnten letztlich sowohl Bitcoin als auch USDT halten und bewegen, ohne ihre BTC an eine andere Blockchain zu senden.

Das Modell eröffnet außerdem den Weg für direkte BTC-USDT-Swaps und durch Bitcoin besicherte Kredite, ohne Bitcoin zuvor in einen Token wie WBTC umzuwandeln. Eine Integration von Lightning könnte USDT schließlich für kleinere und schnellere Zahlungen praktischer machen.

Es gibt jedoch eine Schwierigkeit. Auf Ethereum und Tron kann Tether einzelne Adressen bei Bedarf einfrieren. RGB funktioniert anders, da Vermögenswerte an UTXOs statt an herkömmliche Kontostände gebunden sind. Utexo zufolge können mit sanktionierten oder illegalen Aktivitäten verknüpfte UTXOs stattdessen auf eine Blacklist gesetzt werden, wodurch verhindert wird, dass die betreffenden USDT über seine Infrastruktur eingelöst oder übertragen werden.

Tron ist weiterhin die eigentliche Heimat von USDT

Bitcoin kehrt in ein USDT-Umfeld zurück, das ganz anders aussieht als 2014. Von den derzeit etwa 184B$ im Umlauf befindlichen USDT liegen rund 92,7B$ auf Tron – damit entfällt etwas mehr als die Hälfte des Gesamtangebots auf das Netzwerk. Auf Ethereum befinden sich weitere 73,4B$, also etwa 40%.

Die Position von Tron ist besonders bemerkenswert. USDT macht fast 98% des Stablecoin-Angebots auf dem Netzwerk aus, und Tron hat kürzlich ein kumuliertes Transaktionsvolumen von 30T$ überschritten. Seine Beliebtheit bei USDT-Nutzern beruht auf einem einfachen Versprechen: Die Übertragung digitaler Dollar gehört zu den Hauptanwendungsfällen des Netzwerks.

Ethereum bleibt das zweitgrößte Netzwerk für USDT und wird von seinem riesigen Ökosystem aus Börsen, Lending-Protokollen, dezentralen Anwendungen und weiteren Finanzdiensten getragen. Auch BNB Chain und Solana verfügen über nennenswerte USDT-Bestände, kommen jedoch nicht annähernd an die beiden führenden Netzwerke heran.

Kann Bitcoin aufholen?

Die interessantere Frage könnte sein, ob das überhaupt nötig ist. Die neue Bitcoin-Version muss Tron oder Ethereum nicht verdrängen, um relevant zu sein. Die Infrastruktur von Utexo kann USDT-Liquidität aus bestehenden Netzwerken nutzbar machen und zugleich einen alternativen Weg für Nutzer anbieten, die gezielt rund um natives Bitcoin handeln möchten.

Der Erfolg wird weniger vom Namen Tether abhängen als davon, ob Börsen, Wallets, Zahlungsanbieter und schließlich Lightning-Dienste die Lösung tatsächlich integrieren. Tron wurde zum größten USDT-Netzwerk, weil die Menschen es nutzten – nicht einfach, weil Tether den Token dort verfügbar machte.

Bitcoin erhält nun eine weitere Chance. Diesmal kehrt USDT nicht als Experiment auf der Suche nach seiner ersten Blockchain zurück, sondern als bedeutender Stablecoin, der herausfinden will, ob seine ursprüngliche Heimat endlich zu einem praxistauglichen Standort werden kann.

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