Wachstumsaussichten für den Westbalkan verbessern sich – Weltbank sieht Chancen durch Handelsreformen

Wachstumsaussichten für den Westbalkan verbessern sich – Weltbank sieht Chancen durch Handelsreformen
Wachstum auf dem Balkan nimmt Fahrt auf

Der Konsum und die Investitionen dürften das Wirtschaftswachstum auf dem Westbalkan 2026 ankurbeln, wobei sich die Dynamik 2027 weiter verstärken soll. Ein neuer Bericht der Weltbank erklärt, dass niedrigere handelsbedingte Kosten und effizientere Regulierung entscheidend sind, damit die Region bessere Arbeitsplätze schaffen und ihre Konvergenz mit der Europäischen Union fortsetzen kann.

Das Wichtigste

  • Die Weltbank prognostiziert, dass das BIP-Wachstum auf dem Westbalkan von 2,6 Prozent im Jahr 2025 auf 3,4 Prozent in den Jahren 2027 und 2028 steigen wird.
  • Der Handel mit Waren und Dienstleistungen wird 2025 107 Prozent des regionalen BIP erreichen; die Dienstleistungsexporte haben sich seit 2010 vervierfacht.
  • Simulationen der Weltbank zeigen, dass eine Halbierung der nichttarifären Handelshemmnisse das regionale BIP mittelfristig um bis zu 12,5 Prozent steigern könnte.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Wachstumsprognosen und Reformprioritäten

Wie die Weltbank berichtet, dürfte das durchschnittliche Wachstum in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien 2026 3,1 Prozent erreichen, nach 2,6 Prozent im Jahr 2025. Dem Bericht zufolge soll das Wachstum 2027 auf 3,4 Prozent steigen und 2028 auf diesem Niveau bleiben.

Die Institution erklärt, die regionale Wirtschaft erweise sich trotz zunehmender geopolitischer Unsicherheit und schwachen Wachstums bei wichtigen Handelspartnern weiterhin als widerstandsfähig. Sie fügt hinzu, dass Resilienz allein nicht ausreiche, um die Einkommenslücke zur Europäischen Union zu schließen oder hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen. Die nächste Wachstumsphase hänge vielmehr von effizienter, berechenbarer Regulierung und dem Abbau von Handelshemmnissen ab.

Der Handel mit Waren und Dienstleistungen erreicht 2025 107 Prozent des regionalen BIP und liegt damit über dem EU-Durchschnitt von 90 Prozent. Die Dienstleistungsexporte vervierfachen sich zwischen 2010 und 2025. Dem Bericht zufolge sollte die nächste Reformwelle Unternehmen dabei helfen, den Marktzugang umfassender und nachhaltiger zu nutzen, indem unnötige Kosten abgebaut werden, die im Inland entstehen.

Handelskosten und Auswirkungen auf die Beschäftigung

Die durchschnittlichen Zölle auf Waren, die in den Westbalkan importiert werden, liegen bei etwa 6 Prozent. Nichttarifäre Maßnahmen erhöhen die Importkosten dem Bericht zufolge jedoch um weitere rund 10 Prozent. In einigen Agrar- und Lebensmittelsektoren liegen diese Zusatzkosten bei über 20 Prozent, während die Beschränkungen für grenzüberschreitende Dienstleistungen auf 29 Prozent geschätzt werden.

Die Simulationen des Berichts zeigen, dass ein Abbau der Hälfte der verbleibenden Importhemmnisse – darunter Lizenzierungs- und Genehmigungspflichten, wiederholte Kontrollen, Zertifizierungsverfahren und Vorschriften zur lokalen Präsenz – das BIP mittelfristig um bis zu 12,5 Prozent steigern könnte. Höhere Importkosten erschwerten es regionalen Unternehmen zudem, zu exportieren und auf ausländischen Märkten Fuß zu fassen.

Nur etwa ein Drittel der neuen Exportvorhaben von Unternehmen aus dem Westbalkan übersteht das erste Jahr, und gerade einmal 1 bis 4 Prozent erreichen das fünfte Jahr. Das ist für die Beschäftigung relevant, weil Handelsunternehmen den weitaus größten Teil der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe der Region stellen. Zudem sind sie im Allgemeinen größer und zahlen besser als vergleichbare Unternehmen, die sich ausschließlich auf den Binnenmarkt konzentrieren.

Dem Bericht zufolge sollten sich die Reformbemühungen auf eine bessere statt auf eine einfach geringere Regulierung konzentrieren. Genannt werden vereinfachte und digitalisierte Verfahren, risikobasierte Kontrollen, die Anerkennung angeglichener Standards und Qualifikationen sowie Schutzmaßnahmen, die legitime öffentliche Ziele weiterhin gewährleisten.

In unserem früheren Artikel über die Warnungen der WTO vor langfristigen Auswirkungen der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten auf den Handel wurde erläutert, wie wiederholte Störungen Unternehmen dazu bringen, Lieferketten und Transportwege neu zu gestalten, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen – selbst wenn dadurch höhere Kosten entstehen. Der Artikel wies auch darauf hin, dass sich der regionale Handel vertiefen könnte, wenn Länder nach Wachstumsmöglichkeiten in ihrer näheren Umgebung suchen, während die globalen Handelsaussichten weiterhin durch Zölle und anhaltende geopolitische Risiken belastet werden.

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