FINMA stellt KI-Pilot für schnellere Regulierungsprüfungen im Schweizer Fintech-Sektor vor
Vor dem Hintergrund des rasanten KI-Einsatzes im Finanzsektor skizziert FINMA-Präsidentin Marlene Amstad neue Chancen und Risiken für Banken, Versicherer und Fintechs in der Schweiz. Dabei rückt die Aufsicht nicht nur die wachsende Nutzung generativer Modelle in den Instituten in den Fokus, sondern präsentiert auch mit "Subsuma" einen neuen internen Pilot zur schnelleren Beurteilung von Lizenzfragen.
Das Wichtigste
- FINMA startet mit dem KI-Piloten 'Subsuma', der regulatorische Anfragen von Fintech-Start-ups effizienter und nachvollziehbar analysieren und einordnen soll.
- Über 90 Prozent der KI-nutzenden Schweizer Finanzinstitute setzen bereits generative Methoden ein, wobei Kernprozesse weiterhin vorsichtig adressiert werden.
- Die Aufsicht sieht steigende digitale Betrugsfälle seit 2022 und warnt vor Governance-, Konzentrations- sowie zunehmenden Cyberangriffsrisiken durch KI im Finanzsektor.
KI-Nutzung in der Finanzbranche und neuer FINMA-Pilot
Wie FINMA mitteilte, sieht die Aufsicht den Finanzsektor wegen seiner Abhängigkeit von Daten, Geschwindigkeit und Vertrauen besonders stark von künstlicher Intelligenz betroffen. Marlene Amstad sagte anlässlich des SBA Digital Finance Day am 9. November 2026, KI verändere nicht nur Abläufe, sondern grundlegend den Umgang mit Daten und die Art, wie Entscheidungen vorbereitet werden.Nach Angaben der Behörde zeigt ihre jüngste Erhebung aus dem Jahr 2025 bei rund 400 Instituten ein hohes Tempo bei der Einführung. Für jede bereits produktiv genutzte Anwendung befänden sich im Schnitt zwei weitere in Entwicklung, wobei größere Häuser deutlich intensiver vorgingen als kleinere Anbieter.
Die Nutzung konzentriert sich demnach bislang vor allem auf frühe und weniger kritische Einsatzfelder wie Chatbots, Textgenerierung und allgemeine Prozessoptimierung. Mehr als 90 Prozent der Institute mit KI-Einsatz verwendeten bereits generative Methoden, während Anwendungen in Kernprozessen wie Kreditentscheiden oder regulatorischen Kennzahlen deutlich vorsichtiger ausgerollt würden.
Gleichzeitig warnt FINMA vor Governance- und Konzentrationsrisiken. Viele Institute stützten sich auf externe Anbieter und damit zunehmend auf eine kleine Zahl großer Technologiekonzerne, obwohl die Verantwortung für die eingesetzten Systeme bei den Finanzhäusern selbst verbleibe.
Mit dem Pilotprojekt "Subsuma" geht FINMA nun einen Schritt weiter. Das System soll Anfragen von Fintech-Start-ups daraufhin analysieren, ob für ein Geschäftsmodell eine Bewilligung oder andere regulatorische Vorkehrungen nötig sind, und die rechtliche Einordnung mit Quellen aus der Fallakte nachvollziehbar untermauern.
Der Prototyp nutzt laut FINMA drei Open-Source-Modelle auf eigener Hardware statt eines einzelnen großen Sprachmodells. Zu den eingesetzten Modellen gehört mit Apertus auch ein in der Schweiz von ETH Zürich, EPFL und dem Schweizerischen Nationalen Hochleistungsrechenzentrum entwickeltes, mehrsprachiges Sprachmodell.
Auswirkungen auf Aufsicht, Sicherheit und den Finanzplatz Schweiz
Für den Schweizer Finanzplatz verbindet FINMA den breiteren KI-Einsatz mit Effizienzgewinnen und neuen Analysemöglichkeiten, insbesondere bei unstrukturierten Daten wie Protokollen, Reglementen, E-Mails oder öffentlich verfügbaren Textquellen. In der Aufsicht sollen solche Werkzeuge helfen, Dokumente vorzubereiten, Auffälligkeiten vor Vor-Ort-Kontrollen zu markieren und klassische datenbasierte Überwachung auf Felder wie Governance oder Geldwäschereibekämpfung auszuweiten.Amstad betont jedoch, dass Verantwortung nicht an Algorithmen delegiert werden könne. Auch beim neuen Piloten solle kein Schreiben die Behörde verlassen, ohne dass ein FINMA-Experte es prüfe und unterzeichne; KI bereite vor, Menschen entschieden.
Ein weiteres zentrales Risiko sieht die Aufsicht nicht nur im Einsatz von KI durch Institute selbst, sondern im Missbrauch durch Angreifer. Als Beispiele nennt FINMA beschleunigte Cyberangriffe, kürzere Reaktionszeiten beim Schließen von Schwachstellen und eine zunehmende Industrialisierung digitalen Betrugs, etwa durch gefälschte Stimmen, Identitätsbetrug und Phishing in Echtzeit.
Im Frühjahr wies FINMA in ihrer Aufsichtsmitteilung zu digitalen Betrugsrisiken darauf hin, dass die Zahl solcher Fälle seit 2022 stetig steigt. Zugleich bestehen laut Umfrage weiterhin Lücken in den Abwehrmechanismen, da ein erheblicher Teil der befragten Institute weder über eine eigene Richtlinie zu digitalem Betrug noch über klar zuständige Stellen verfügt.
Für Fintechs könnte der neue Ansatz der Behörde die Bearbeitung regulatorischer Voranfragen beschleunigen und konsistenter machen. Für FINMA selbst eröffnet er die Möglichkeit, Fachkapazitäten stärker auf komplexe Fälle zu konzentrieren, während die Behörde zugleich ihre technologische Unabhängigkeit und die schweizerische KI-Souveränität stärken will.
Wie wir zuvor über die Finanzierung und Umsetzung von KI-Rechenzentren in den USA berichteten, gerät der Ausbau der nötigen Rechenkapazität durch hohe Kosten, Bauverzögerungen und Engpässe bei der Stromversorgung unter Druck. Der Beitrag zeigte zudem, dass die angespannte Kapitalbeschaffung und wachsende Skepsis der Anleger die Realisierbarkeit vieler Projekte infrage stellen und damit Risiken für die gesamte KI-Wertschöpfungskette erhöhen.
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