EZB treibt Pläne für den digitalen Euro voran: Pilotprojekt 2027, Einführung ab 2029 geplant

EZB treibt Pläne für den digitalen Euro voran: Pilotprojekt 2027, Einführung ab 2029 geplant
Pläne für den digitalen Euro schreiten voran

Europas Bestreben, die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsdienstleistern zu verringern, tritt in eine stärker operative Phase ein: Die Europäische Zentralbank bereitet die Grundlagen für einen digitalen Euro vor. Das Projekt hängt mit den derzeit in Brüssel erörterten Rechtsvorschriften zusammen. Ein Pilotprojekt mit echten Transaktionen ist für 2027 geplant, eine mögliche Einführung für die Öffentlichkeit ab 2029, sofern die Verordnung noch in diesem Jahr verabschiedet wird.

Das Wichtigste

  • Die EZB rechnet mit einer Verabschiedung der Verordnung zum digitalen Euro bis Ende 2024. Damit würden eine formelle Entscheidung über die Ausgabe und die Vorbereitungen der Marktsysteme vor dem Pilotprojekt 2027 ermöglicht.
  • An einem Live-Pilotprojekt 2027 nehmen Mitarbeitende der EZB und nationaler Zentralbanken sowie 36 Marktteilnehmer teil. Nun wird eine stärkere Beteiligung aus den Bereichen E-Commerce und mobiler Handel angestrebt.
  • Der digitale Euro soll die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungssystemen verringern, bargeldähnliche Eigenschaften bieten, über die Branche verbreitet werden und Transaktionsgebühren senken – insbesondere zugunsten kleiner Händler.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Fortschritte bei der Gesetzgebung und Zeitplan des Pilotprojekts

Laut der Europäischen Zentralbank informiert EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone die Interessengruppen über die Gesetzgebungsverhandlungen in Brüssel und setzt zugleich die internen Vorbereitungen des Eurosystems für den digitalen Euro fort. Er sagt, die EZB rechne damit, dass die Verordnung bis Ende des Jahres verabschiedet wird. Dadurch könnte der EZB-Rat eine formelle Entscheidung über die Ausgabe treffen und die Marktteilnehmer könnten ihre Systeme frühzeitig vorbereiten.

Cipollone zufolge soll die EZB 2027 ein Pilotprojekt starten, bei dem echte Transaktionen von Mitarbeitenden der EZB und der nationalen Zentralbanken genutzt werden, um die Technologie unter realen Bedingungen zu testen. Er sagt, 36 Marktteilnehmer, darunter sieben aus Italien, seien bereits an den Vorbereitungsarbeiten beteiligt. Nun bemühe sich die EZB um die Beteiligung von Betreibern aus dem E-Commerce und dem mobilen Handel.

Der EZB-Vertreter sagt, der digitale Euro sei als Zahlungsmittel und nicht als Ersatz für Bargeld oder Bankdienstleistungen konzipiert. Die Guthaben würden begrenzt, um die Finanzstabilität zu schützen. Für Zahlungen selbst gebe es jedoch keine Beschränkungen, da Beträge, die das Wallet-Guthaben übersteigen, automatisch von einem verknüpften Girokonto abgebucht werden könnten.

Zahlungshoheit und Auswirkungen auf die Branche

Cipollone sagt, das Projekt setze sich mit Europas Abhängigkeit von ausländisch kontrollierter Zahlungsinfrastruktur auseinander, insbesondere bei Online-Kartenzahlungen, bei denen außereuropäische Zahlungssysteme rund zwei Drittel der Transaktionen abwickeln. Er argumentiert, die Abhängigkeit von Dritten bei einer essenziellen Dienstleistung stelle ein strategisches Risiko für den Euroraum dar und schränke Europas Fähigkeit ein, die Resilienz des Zahlungsverkehrs sicherzustellen.

Der digitale Euro werde eine in Europa verankerte Alternative mit bargeldähnlichen Eigenschaften bieten, darunter Datenschutz, Akzeptanz im gesamten Euroraum und Offline-Funktionalität bei Stromausfällen oder schlechter Internetverbindung. Die EZB erklärt außerdem, dass Banken und andere zugelassene Intermediäre – nicht die Zentralbank – den digitalen Euro vertreiben, die Kundenbeziehungen verwalten und auf Grundlage einer gemeinsamen europäischen Infrastruktur zusätzliche Dienstleistungen entwickeln würden.

Für Händler, insbesondere kleinere Unternehmen, könnte eine neue europäische Zahlungsmöglichkeit den Wettbewerb stärken und zu niedrigeren Gebühren beitragen, sagt Cipollone. Seinen Angaben zufolge können die Gebühren für kleine Geschäfte bis zu viermal höher sein als für große Anbieter. Er fügt hinzu, dass private Unternehmen bereits Dienstleistungen wie automatische digitale Belege und Zahlung bei Lieferung prüfen. Das übergeordnete politische Ziel sei es, einen stärker integrierten europäischen Finanz- und Zahlungsmarkt zu fördern.

In unserem früheren Artikel zu Mario Draghis Warnung vor dem Zielkonflikt zwischen Stabilität und Wachstum haben wir seine These erläutert, dass ein übermäßig langes Halten der Zinsen über dem Wachstum die Schuldendynamik verschlechtern und den Druck in Richtung „fiskalischer Dominanz“ erhöhen kann. Er argumentierte, die Zentralbanken sollten sich auf die Inflationsbekämpfung konzentrieren und zugleich unnötige Schäden für Investitionen und Produktivität vermeiden. Zudem verwies er auf die marktweite Integration in der EU und gezielte öffentliche Unterstützung, um das langfristige Wachstum zu stärken.

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