Banken setzen auf Blockchain: Warum das traditionelle Finanzwesen sich verändern will

Banken setzen auf Blockchain: Warum das traditionelle Finanzwesen sich verändern will
Warum brauchen Banken Blockchain?

​Bitcoin kam mit einer radikalen Idee: Digitales Geld sollte keine Bank als Vermittler benötigen. Siebzehn Jahre später sind Banken noch immer sehr präsent, doch Teile der Infrastruktur um sie herum wirken zunehmend überraschend vertraut. US-Banken wollen nun ihr eigenes landesweites Blockchain-Netzwerk aufbauen.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Die neu gegründete BankChain Alliance vereint 39 staatliche Bankenverbände, die Tausende Finanzinstitute vertreten. Sie plant, 2027 ein von der Branche betriebenes Blockchain-Netzwerk zu starten, das tokenisierte Einlagen, Stablecoins, automatisierte Abwicklungen und programmierbare Zahlungen unterstützen könnte. Das Netzwerk sucht noch nach einem Technologiepartner, doch die Richtung ist klar: Banken wollen zunehmend, dass Blockchain Teil des gewöhnlichen Finanzwesens wird.

Darin liegt eine offensichtliche Ironie. Der Genesis-Block von Bitcoin enthielt die Zeitungsüberschrift „Chancellor on brink of second bailout for banks“, während Satoshi Nakamoto ein Zahlungssystem vorschlug, das ohne ein Finanzinstitut zwischen zwei Parteien funktionieren könnte. Siebzehn Jahre später verschwinden die Banken nicht. Sie bauen ihre eigenen Blockchain-Netzwerke auf.

Warum sollte digitales Geld Banköffnungszeiten haben?

Bankgeschäfte wirken für Kunden bereits nahezu vollständig digital. Menschen prüfen ihre Kontostände auf dem Smartphone, bezahlen mit Karten und überweisen Geld, ohne eine Filiale zu besuchen. Hinter diesem Erlebnis hängen Teile des Finanzsystems jedoch noch immer von Geschäftszeiten, Abwicklungsfenstern und Ketten von Vermittlern ab.

Besonders deutlich wird das bei grenzüberschreitenden Zahlungen. Geld muss möglicherweise mehrere Institute, eine Währungsumrechnung und separate Abwicklungsprozesse durchlaufen. Zeitzonen, Wochenenden und Annahmeschlusszeiten können weiterhin Reibungsverluste verursachen, obwohl eine Überweisung für den Kunden kaum mehr als das Drücken einer Taste erfordert.

Einige Banken versuchen bereits, diese Einschränkungen zu beseitigen. Wells Fargo plant beispielsweise, in diesem Herbst tokenisierte Einlagen für Firmenkunden einzuführen, sodass Gelder 24 Stunden am Tag, auch an Wochenenden und Feiertagen, bewegt und abgewickelt werden können. Blockchain entfernt die Bank nicht aus dieser Transaktion, könnte aber einen Teil der Wartezeit beseitigen.

Banken wollen Blockchain, ohne das Bankgeschäft aufzugeben

Bitcoin wurde entwickelt, um den Bedarf an einem vertrauenswürdigen Finanzintermediär zu verringern. Banken interessieren sich aus nahezu dem entgegengesetzten Grund für Blockchain: Sie wollen einige ihrer Vorteile nutzen und zugleich ihre eigene Rolle im System bewahren.

BankChain macht das ausdrücklich deutlich. Das geplante Netzwerk wird der Bankenbranche gehören, von ihr entwickelt und verwaltet werden, anstatt als offenes Netzwerk zu funktionieren.

„Hier geht es darum, dass Banken jeder Größe ihre eigene Zukunft gestalten“, sagte Kathy Kraninger, kommissarische Vorsitzende der BankChain Alliance und CEO der Florida Bankers Association.

Tokenisierte Einlagen zeigen, wie das funktionieren könnte. Eine tokenisierte Dollar-Einlage ist weiterhin Geld, das bei einer Bank gehalten wird. Kunden behalten den Schutz und die Beziehungen des herkömmlichen Bankgeschäfts, doch die Einlage kann sich potenziell rund um die Uhr über eine Blockchain-Infrastruktur bewegen und mit anderen digitalen Vermögenswerten interagieren.

Blockchain wird weltweit Teil des Bankwesens

Amerikanische Banken sind damit keineswegs allein. Im Vereinigten Königreich schloss die Lloyds Banking Group im Juli im Rahmen von Project Agorá, einer internationalen Initiative zur Erprobung der Vorteile von Tokenisierung für grenzüberschreitende Zahlungen, drei Live-Transaktionen mit tokenisierten Einlagen ab.

Bei einer Transaktion wurden Schweizer Franken in Pfund Sterling umgewandelt, wobei Währungsumrechnung, Zahlung und Abwicklung in einem einzigen Prozess miteinander verknüpft wurden. Normalerweise können diese Schritte über verschiedene Systeme und Institute laufen. Der Test zeigte, dass sie stattdessen gemeinsam auf einer geteilten digitalen Infrastruktur stattfinden könnten.

Das Projekt geht deutlich über eine einzelne britische Bank hinaus. Im Juli führten 28 Finanzinstitute und Zentralbanken aus Asien, Europa und Nordamerika Transaktionen mit echtem Wert unter Verwendung tokenisierter Geschäftsbankeinlagen und Zentralbankgeld durch.

Krypto hat verändert, wie digitales Geld aussehen kann

Banken sehen sich nun Erwartungen gegenüber, die es vor Krypto kaum gab. Bitcoin zeigte, dass sich digitaler Wert unabhängig von herkömmlichen Banköffnungszeiten bewegen kann, während Stablecoins diese Idee weiterführten, indem sie es ermöglichten, digitale Dollar über Blockchain-Netzwerke zu transferieren, ohne der Preisvolatilität von Bitcoin ausgesetzt zu sein. Unabhängig davon, wie man zu Krypto steht: Es hat gezeigt, dass Geld technisch nicht deshalb stillstehen muss, weil Sonntag ist.

Das bedeutet nicht, dass Stablecoins kurz davorstehen, Bankeinlagen zu ersetzen. Banken bieten Kreditvergabe, Einlagenschutz, Compliance und Verbindungen zur Gesamtwirtschaft, die ein Token allein nicht nachbilden kann. Doch sobald sich Geld anderswo kontinuierlich bewegen kann, lassen sich Einschränkungen der traditionellen Infrastruktur schwerer als unvermeidlich darstellen.

Banken verändern die Technologie, nicht ihre Rolle

Zwischen erfolgreichen Tests und dem Umbau der Finanzinfrastruktur klafft noch immer eine große Lücke. Verschiedene Blockchain-Netzwerke müssen miteinander kommunizieren können, während Systeme, die enorme Geldvolumina verarbeiten, hohen Sicherheits- und Zuverlässigkeitsstandards genügen müssen. Zahlungen rund um die Uhr erfordern außerdem Technologie, Liquidität und Risikomanagement, die ebenfalls rund um die Uhr funktionieren.

Dennoch gehen Banken eindeutig über Experimente hinaus. Große Institute führen tokenisierte Einlagen ein, internationale Projekte bewegen echtes Geld über Blockchain-Systeme, und Tausende kleinerer US-Banken wollen nun Zugang zu dieser Technologie.

Bitcoins Antwort auf die Schwächen des Bankwesens bestand darin, Geld zu schaffen, das keine Banken benötigte. Die Antwort der Bankenbranche sieht siebzehn Jahre später ganz anders aus: Die Banken behalten, aber einen Teil der darunterliegenden Infrastruktur neu aufbauen. Der erste Bitcoin-Block enthielt eine Schlagzeile über die Rettung von Banken. Nun wenden sich die Banken selbst der Blockchain zu, um sich auf die nächste Entwicklungsstufe des Geldes vorzubereiten.

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