Deutsche Unternehmer passen Preise und Flottenbetrieb wegen hoher Spritkosten an
Seit dem Anstieg der Kraftstoffpreise im Zuge des Nahost-Kriegs kalkulieren viele Betriebe ihre Mobilitätskosten neu. Nach Angaben in dem BILD-Bericht liegt Diesel trotz einer kleinen Entlastung weiterhin deutlich über dem Niveau vor Beginn der Angriffe am 28. Februar. Betroffen sind vor allem Unternehmen, die täglich fahren müssen, von Fahrschulen über Taxi- und Busbetriebe bis hin zu Handwerk und Industrie.
Höhepunkte
- Fahrschule Wiegand und Malerwerkstatt Beck GmbH erhöhen Fahrstunden- und Kundenpreise um mehrere Euro, da Dieselpreise auf bis zu 2,11 Euro pro Liter steigen.
- Taxi Ruf Düsseldorf meldet pro Fahrzeug Tankkostenanstieg von 100 auf 130 Euro, Gewinneinbruch um etwa 30 Prozent, Preisanpassungen durch Tarifbindung jedoch blockiert.
- Maleco und Schäfer Reisen prognostizieren Liefer- und Dienstleistungspreiserhöhungen spätestens im Sommer, Effizienzmaßnahmen und Vertragsmanagement als kurzfristige Reaktion auf Dieselpreisschock.
Kostenanstieg zwingt zu Preisaufschlägen
Fahrschullehrer Thorsten Wiegand aus Hohenwestedt erhöht seine Fahrstunden ab April um drei Euro auf 72 Euro, wie die Zeitung Bild berichtet. Er beziffert die Kosten für eine Tankfüllung Diesel inzwischen auf rund 97 Euro statt zuvor etwa 67 Euro. Insgesamt lägen seine Mehrkosten bei etwa 700 bis 800 Euro pro Monat, auch andere Fahrschulen würden laut ihm Preisanhebungen prüfen. Bestehende Verträge sollen zunächst unverändert bleiben, neue oder auslaufende Vereinbarungen will er anpassen.Auch die Malerwerkstatt Beck GmbH in Thüringen schlägt die teureren Dieselpreise nach Angaben von Inhaberin Maria Hettenhausen auf Kundenrechnungen um. Sie betreibt sieben Dienstfahrzeuge und kauft je nach Auftragslage 1000 bis 2000 Liter Diesel, zuletzt sei der Literpreis von 1,78 auf 2,11 Euro gestiegen. Um den Verbrauch zu senken, vermeidet der Betrieb nach eigenen Angaben unnötige Fahrten und bündelt Termine. Hettenhausen hofft auf sinkende Preise, sieht die aktuelle Praxis aber nicht als dauerhafte Lösung.
Beim Hamburger Farbhersteller Maleco steigen die monatlichen Spritkosten laut Geschäftsführer Herbert Leonhart von zuvor 4500 bis 5000 Euro auf 6000 bis 7000 Euro. Außendienst und Auslieferung verursachen hohe Fahrleistungen, wodurch sich die Mehrbelastung schnell summiere. Bleibe das Kostenniveau, werde dies voraussichtlich in eine Preiserhöhung münden, die Produkte könnten spätestens im Sommer teurer werden. Staatliche Hilfe erwartet Leonhart nach eigenen Worten nicht und verweist auf unternehmerisches Risiko.
Taxi und Busbranche unter Margendruck
Der Düsseldorfer Unternehmer Erol Norman von „Taxi Ruf Düsseldorf“ berichtet von stark steigenden Tankkosten, pro Tankfüllung etwa 130 statt 100 Euro. Er erklärt, die Fahrpreise könne er wegen der Taxitarifordnung nicht anpassen, abgerechnet würden 2,70 Euro pro Kilometer. Dadurch sinke der Gewinn nach seiner Darstellung um rund 30 Prozent, bei über 300 Fahrzeugen entspreche das nahezu einer fünfstelligen Summe pro Tag. Als Reaktion reduziere das Unternehmen Ad-hoc-Fahrten und setze Taxis verstärkt nur noch zu Stoßzeiten ein.Norman fordert von der Politik eine Entlastung über die Mehrwertsteuer, vergleichbar mit Maßnahmen für die Gastronomie in der Corona-Zeit. Er sieht darin eine kurzfristige Möglichkeit, den Kostendruck abzufedern. Gleichzeitig deutet seine Aussage auf ein strukturelles Problem hin, weil regulierte Tarife kurzfristige Preisanpassungen verhindern. Für die Branche bedeutet das, dass Effizienzmaßnahmen und Angebotssteuerung wichtiger werden, um die Marge zu stabilisieren.
Beim Busunternehmen „Schäfer Reisen“ in Nidderau in Hessen sind Preiserhöhungen laut dem Betreiber-Ehepaar nur begrenzt möglich, da viele Leistungen über Katalogpreise und länger laufende Verträge gebunden seien. Der Lieferant habe den Dieselpreis nach ihren Angaben um 50 Cent je Liter erhöht, in der Hochsaison würden bis zu 60.000 Liter im Monat verbraucht. Das schmälere die Marge, wobei Anpassungen vor allem bei auslaufenden Verträgen oder spontanen Anfragen möglich seien. Die Unternehmer verweisen auf frühere Krisen, bleiben aber bei der Erwartung, dass politische Maßnahmen helfen könnten.
Handwerk setzt auf Sparfahrten und Kritik
Der Elektroinstallationsbetrieb von Marcus Haugk in Schkeuditz sieht laut Geschäftsführer keine Alternative zum Auto, da Kundenbesuche zwingend seien. Für fünf Transporter kalkuliert Haugk mit rund 300 Euro mehr pro Monat. Zusätzlich kritisiert er, dass sinkende Ölpreise aus seiner Sicht nicht schnell genug an den Zapfsäulen ankämen. Er fordert politische Schritte, ohne konkrete Maßnahmen zu benennen.Die Aussagen aus Handwerk und Dienstleistung deuten darauf hin, dass Betriebe kurzfristig vor allem an der Einsatzplanung drehen, statt Investitionen in neue Antriebe sofort auszuweiten. Wo Preisweitergaben möglich sind, werden Dienstleistungen und Produkte teurer, wo Regulierung greift, fällt der Anpassungsdruck stärker auf die Marge. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Routen- und Auftragsbündelung, um Dieselverbrauch zu reduzieren. Damit wird der Spritpreis für viele Unternehmen zu einem operativen Steuerungsfaktor, nicht nur zu einer Kostenposition in der Buchhaltung.
Wir berichteten zuvor über die Sorgen des ifo-Instituts, dass dauerhaft hohe Energiepreise die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands belasten und besonders energieintensive Branchen unter Druck setzen. In dem Beitrag wurde zudem erläutert, dass geopolitische Risiken rund um den Iran-Krieg die Energiepreise und Inflationsrisiken erhöhen und damit den Kostendruck in der Breite der Wirtschaft verstärken können.
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