Deutschland sieht Kerosinversorgung trotz Nahostrisiken vorerst gesichert
Nach Warnungen vor möglichen Störungen im Flugverkehr stuft die Bundesregierung die Kerosinversorgung in Deutschland derzeit als gesichert ein. Die Lage bleibt nach dem Branchentreffen in Hannover und Berlin wegen der politischen Unsicherheit im Nahen und Mittleren Osten jedoch angespannt.
Höhepunkte
- Nach Angaben von Wirtschaftsministerin Reiche bestehen derzeit in Deutschland trotz Nahostrisiken keine Engpässe bei der Kerosinversorgung.
- Die Bundesregierung betont, dass sich die Lage bei anhaltenden Spannungen im Persischen Golf rasch verschärfen und zu Maßnahmen mit der Branche führen könnte.
- Ifo-Präsident Clemens Fuest erwartet in dieser Woche steigende Öl- und Benzinpreise, wobei die Entwicklung stark von Markterwartungen zum Konfliktverlauf abhängt.
Branchentreffen zur Versorgungslage
Wie BILD berichtet, haben Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Verkehrsminister Patrick Schnieder am Montagnachmittag in einer Videoschalte mit Fluggesellschaften, Flughafenbetreibern und Kraftstofflieferanten die Risiken für die Kerosinversorgung erörtert. Das Treffen sollte nach den jüngsten Warnungen mehr Klarheit darüber schaffen, ob kritische Engpässe in Deutschland drohen.Reiche erklärt nach dem Gipfel, Deutschland habe mit eigenen Raffinerien einen wichtigen Vorteil gegenüber Staaten, die Kerosin ausschließlich importieren. Nach ihren Angaben bestätigt die Runde, dass derzeit keine Versorgungsengpässe bestehen.
Zusätzlichen politischen Druck hatte zuvor Finanzminister Lars Klingbeil ausgelöst, der im "Spiegel" gefordert hatte, sich auf einen möglichen Kerosinmangel vorzubereiten. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Internationale Energie-Agentur IEA vor Engpässen im Flugverkehr gewarnt, weil der Öl-Handel am Persischen Golf blockiert ist.
Preisdruck und Handlungsoptionen
Die Ministerien signalisieren zugleich, dass sich die Lage bei anhaltenden Spannungen in der Golfregion rasch verschärfen könnte. Reiche sagt, die Bundesregierung werde bei einer Verschlechterung der Versorgungslage mit der Branche über erforderliche Maßnahmen beraten.Auch Schnieder betont, mögliche Engpässe bei Treibstoffen müssten frühzeitig erkannt werden, damit gezielte Schritte eingeleitet werden können. Für Airlines, Flughäfen und Logistikunternehmen bleibt damit vor allem das Risiko höherer Beschaffungs- und Betriebskosten bestehen.
Der ökonomische Druck zeigt sich nach Einschätzung des ifo-Instituts bereits bei den Energiepreisen. ifo-Präsident Clemens Fuest erwartet in dieser Woche wieder steigende Öl- und Benzinpreise, verweist aber darauf, dass das Ausmaß der Aufschläge stark von den Erwartungen der Marktteilnehmer zum weiteren Verlauf des Konflikts abhängt.
In unserem früheren Beitrag zur drohenden Kerosinknappheit in Europa haben wir erläutert, wie die Blockade der Straße von Hormus und der Konflikt mit Iran die Versorgung der Luftfahrt vor der Sommersaison unter Druck setzen könnten. Im Mittelpunkt standen die Forderungen der Branche nach Sofortmaßnahmen wie der Freigabe nationaler und europäischer Kerosinreserven sowie die möglichen Folgen bis hin zu Flugstreichungen und Streitfragen rund um Entschädigungen bei Ausfällen.
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