Deutschlands Luftverkehr verharrt 2026 unter Vorkrisenniveau, BDF beziffert wirtschaftlichen Schaden auf 40 Milliarden Euro

Deutschlands Luftverkehr verharrt 2026 unter Vorkrisenniveau, BDF beziffert wirtschaftlichen Schaden auf 40 Milliarden Euro
Luftverkehr stagniert 2026

Während sich der Flugverkehr in weiten Teilen Europas weiter über das Vorkrisenniveau hinaus erholt, bleibt Deutschland im ersten Halbjahr 2026 deutlich zurück. Das Sitzplatzangebot auf Flügen von und nach Deutschland erreicht laut der jüngsten Auswertung nur 87 Prozent des Niveaus von 2019 und verschärft damit den Abstand zum übrigen europäischen Markt.

Höhepunkte

  • Das Sitzplatzangebot von und nach Deutschland bleibt im ersten Halbjahr 2026 mit 87 Prozent deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2019.
  • Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften schätzt den inflationsbereinigten Wertschöpfungsverlust für 2023 bis 2025 auf rund 40 Milliarden Euro.
  • Die Bundesregierung senkt zum 1. Juli die Luftverkehrsteuer, während Forderungen nach weiteren Kostensenkungen für Flughafengebühren und Infrastruktur laut werden.

Sitzplatzangebot und Wertschöpfungsverlust im Fokus

Wie Bild unter Berufung auf die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet, kommt eine Erhebung des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften, BDF, zu dem Ergebnis, dass das angebotene Sitzplatzvolumen von und nach Deutschland im ersten Halbjahr 2026 bei 87 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019 verharrt. In den europäischen Ländern ohne Deutschland steigt dieser Wert im selben Zeitraum im Durchschnitt auf 113 Prozent und vergrößert den Rückstand damit auf 26 Prozentpunkte.

Im ersten Halbjahr 2023 liegt die Differenz noch bei 18 Prozentpunkten. Länder wie Polen mit 146 Prozent, Griechenland mit 143 Prozent und Portugal mit 125 Prozent verzeichnen teils deutliche Zuwächse, während Deutschland zusammen mit Finnland und Schweden zu den Schlusslichtern zählt.

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Stagnation beziffert der Verband für die Jahre 2023 bis 2025 inflationsbereinigt auf rund 40 Milliarden Euro. Der sogenannte Wertschöpfungsverlust entsteht demnach auch bei Zulieferern wie Catering-Firmen und Treibstofflieferanten sowie in Hotels, Gastronomie und Einzelhandel, die weniger Umsatz mit Touristen und Geschäftsreisenden erzielen.

Politischer Handlungsdruck für Standorte und Kosten

Der Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus, Christoph Ploß, fordert angesichts der Auswertung rasches Gegensteuern. Er sagt, die Zahlen zeigten, dass parteiübergreifend mehr Flugverbindungen von und nach Deutschland ermöglicht werden müssten.

Ploß kritisiert vor allem die im internationalen Vergleich hohen Standortkosten deutscher Flughäfen. Die Bundesregierung senkt zum 1. Juli bereits die Luftverkehrsteuer, nun müssten nach seiner Einschätzung auch Flughafengebühren sowie Kosten für Infrastruktur und Sicherheit sinken.

Andernfalls droht nach seiner Darstellung, dass weitere Airlines Flugzeuge aus Deutschland abziehen. Das könnte die verbliebenen Verbindungen für Touristen und Geschäftsreisende deutlich verteuern und den Luftverkehrsstandort Deutschland im europäischen Wettbewerb zusätzlich belasten.

In unserem früheren Beitrag zur Debatte über längere Ladenöffnungszeiten und Sonntagsöffnung im Einzelhandel haben wir gezeigt, wie Politik und Experten mehr Flexibilität fordern, um Innenstädte und kleinere Geschäfte im Wettbewerb zu stärken. Dabei ging es auch um geplante Änderungen bei Sonntagsarbeit – etwa in Backstuben – sowie um den Konflikt zwischen wirtschaftlichem Anpassungsdruck und dem Schutz des Sonntags als Ruhetag.

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