Krypto-Testfahrt: Wie Automobilhersteller digitale Assets erkunden

Krypto-Testfahrt: Wie Automobilhersteller digitale Assets erkunden
Wie die Autoindustrie Kryptowährungen adaptiert

​Automobilhersteller experimentieren zunehmend mit digitalen Vermögenswerten. Kryptowährungen werden sowohl für die Bezahlung von Fahrzeugen als auch für grenzüberschreitende Unternehmensabrechnungen eingesetzt. Doch kann sich diese Praxis als globaler Standard etablieren?

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Sieben Minuten statt vier Stunden

Hyundai hat vor Kurzem seine erste grenzüberschreitende Stablecoin-Abrechnung zwischen seinen US-amerikanischen und mexikanischen Geschäftsbereichen abgeschlossen. Hyundai Motor America wandelte 20.000 $ in USDT um, transferierte die Token über das Avalanche-Netzwerk an seine mexikanische Einheit, woraufhin die Mittel wieder in US-Dollar umgerechnet wurden.

Die gesamte Transaktion dauerte etwa sieben Minuten. Im Vergleich dazu nimmt eine herkömmliche Interbanken-Überweisung zwischen Unternehmensbereichen drei bis vier Stunden in Anspruch.

Dies war keine Testtransaktion, sondern eine tatsächliche konzerninterne Abrechnung. Hyundai Card entwarf die Transferstruktur, führte rechtliche sowie steuerliche Prüfungen durch und bewertete interne Kontroll- und Regulierungsanforderungen. Das Blockchain-Zahlungsunternehmen Axiym war ebenfalls an dem Projekt beteiligt.

Hyundai plant, die nächste Phase in Europa durchzuführen. Visa und der USDC-Emittent Circle werden daran teilnehmen. Die Unternehmen werden Stablecoin-Transfers mit mehreren europäischen Währungen testen und deren Kosten mit traditionellen internationalen Abrechnungen vergleichen.

Krypto an der Kasse

Während Hyundai einen Stablecoin für eine interne Abrechnung nutzte, setzen andere Automobilhersteller und Händler digitale Vermögenswerte direkt im Kundenkontakt ein.

Ferrari beispielsweise begann 2023 in den USA mit der Annahme von Kryptowährungen und weitete diese Option im Sommer 2024 auf europäische Kunden aus. Laut Reuters erklärte das Unternehmen, die Entscheidung spiegele die Nachfrage wohlhabender Käufer wider, die Fahrzeuge mit digitalen Assets bezahlen möchten.

Ferrari nutzt BitPay zur Abwicklung der Zahlungen. Der Dienst unterstützt Bitcoin, Ethereum und den Stablecoin USDC. Nach erfolgter Zahlung wandelt BitPay die Kryptowährung sofort in Fiat-Währung um und überweist den Betrag an den Händler. Dadurch ist das Autohaus keiner Preisvolatilität ausgesetzt und hält keine digitalen Vermögenswerte in der Bilanz.

Porsche- und Lamborghini-Händler in Frankreich nutzen ein ähnliches Modell. Das Porsche Zentrum Montpellier und Lamborghini Bordeaux integrierten den Zahlungsdienst Lyzi, der es Kunden ermöglicht, Fahrzeuge mit mehr als 80 Kryptowährungen zu bezahlen, darunter Bitcoin, Tezos, USDC und EURC. Auch hier werden die Beträge sofort in Euro umgerechnet.

In Georgien akzeptiert das Toyota Center Tiflis Bitcoin und USDT über CityPay.io. Nach Angaben des Unternehmens ist das CityPay.io-Zahlungsnetzwerk an mehr als 600 Standorten im ganzen Land aktiv. Hierbei handelt es sich jedoch um die Initiative eines spezifischen Händlers und nicht um eine von Toyota eingeführte globale Zahlungsrichtlinie.

Das bekannteste Experiment wurde jedoch von Tesla durchgeführt. Im März 2021 erlaubte das Unternehmen Kunden in den USA, Elektrofahrzeuge mit Bitcoin zu bezahlen, setzte diese Option jedoch im Mai wieder aus. Elon Musk begründete die Entscheidung mit Bedenken hinsichtlich des Einsatzes fossiler Brennstoffe beim Bitcoin-Mining. Tesla hat die Annahme von Bitcoin für Fahrzeugkäufe nicht wieder aufgenommen, obwohl ausgewählte Produkte im Online-Shop weiterhin mit Dogecoin erworben werden können.

Zahlungen über einen Vermittler

Doch nicht jede Kryptozahlung, bei der die Marke eines Automobilherstellers involviert ist, bedeutet, dass der Service vom Hersteller selbst eingeführt wurde. In einigen Fällen akzeptiert eine Drittplattform digitale Assets und ermöglicht es Kunden, eine Händlerrechnung, Leasing- oder Mietgebühren zu begleichen.

Dies geschah 2023 bei Honda. FCF Pay gab bekannt, dass seine Plattform zur Bezahlung von Honda-Fahrzeugen, Motorrädern, Leasing und Mieten genutzt werden könne. Der Dienst unterstützte rund 100 digitale Vermögenswerte, darunter Bitcoin, Ethereum, XRP, Dogecoin, Shiba Inu und PEPE. Die Gebühr betrug 2 % plus eine Mindestpauschale.

Honda selbst hat keine eigene Kryptowährungsinfrastruktur aufgebaut. Die Zahlung wurde über FCF Pay abgewickelt, das als Vermittler zwischen dem Kunden und dem Empfänger fungierte. Der Dienst war zunächst nur in den USA verfügbar.

Solche Fälle sind von direkten Entscheidungen der Automobilhersteller zu unterscheiden. Ferrari kündigte ein offizielles Programm an, während es im Fall von Honda um die Möglichkeit ging, markenbezogene Produkte und Dienstleistungen über eine externe Plattform zu bezahlen.

Stablecoins auf dem Vormarsch

Kundenzahlungen bleiben die sichtbarste Anwendung von Kryptowährungen in der Autoindustrie, doch das Pilotprojekt von Hyundai weist in eine andere Richtung. Stablecoins können nicht nur zum Kauf von Fahrzeugen, sondern auch zur Abwicklung von Zahlungen zwischen Geschäftsbereichen, Zulieferern und Partnern in verschiedenen Ländern eingesetzt werden.

Für einen internationalen Automobilhersteller könnten Stablecoins die Abrechnungen zwischen Werken, Vertriebsabteilungen, Lieferanten und Logistikpartnern vereinfachen. Gelder können direkt über eine Blockchain transferiert werden, ohne dass separate Verrechnungskonten eröffnet oder Kapital in jedem Land vorfinanziert werden muss.

Stablecoins erscheinen für Unternehmen zudem praktischer als Bitcoin und andere volatile Assets. Ihr Wert ist an eine Fiat-Währung gebunden, was es Unternehmen ermöglicht, die Blockchain für Transfers zu nutzen, ohne signifikante Preisrisiken einzugehen.

Bis zu einer flächendeckenden Einführung ist es noch ein weiter Weg. Jede Vereinbarung erfordert Prüfungen der Steuervorschriften, Devisenbestimmungen, internen Kontrollen und Anti-Geldwäsche-Anforderungen. Sollte das europäische Pilotprojekt von Hyundai jedoch geringere Kosten bestätigen, könnten Stablecoins zu einem festen Bestandteil routinemäßiger internationaler Abrechnungen in der Autoindustrie werden – und nicht nur ein Weg, um Zahlungen von Kryptowährungsbesitzern entgegenzunehmen.

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