Deutschland: E-Auto-Prämie stößt laut Umfrage auf geringe Nachfrage
Steigende Spritpreise und die Ölkrise sorgen in Deutschland bislang nicht für den erhofften breiten Schub beim Umstieg auf Elektroautos. Einer neuen Befragung zufolge wollen nur 6 Prozent die staatliche Kaufprämie nutzen, obwohl Anträge ab Mai gestellt werden können.
Höhepunkte
- Laut Civey-Umfrage haben 45 Prozent der deutschen Autofahrer kein Interesse an der neuen E-Auto-Prämie zwischen 1.500 und 6.000 Euro.
- Nur 13 Prozent aller Befragten und 38 Prozent der E-Auto-Fahrer bewerten die Ladeinfrastruktur als gut, zwei Drittel der Verbrennerfahrer stufen sie als schlecht ein.
- Hauptkritikpunkte sind komplizierte Preise, unklare Bezahlmodelle, mangelnde Schnellladesäulen und unzureichende Bedingungen an Ladepunkten, was Investitionen in Infrastruktur statt staatlicher Prämien fordert.
Umfrage zeigt begrenzte Wirkung der Kaufprämie
Wie BILD.de unter Berufung auf eine Umfrage des Instituts Civey im Auftrag des Direktversicherers DA Direkt berichtet, hat fast jeder zweite deutsche Autofahrer, 45 Prozent, kein Interesse an der neuen E-Auto-Prämie. Weitere 42 Prozent sind unentschlossen, während 7 Prozent zwar Interesse haben, aber keinen Anspruch auf die Förderung haben.Die staatliche Prämie verspricht beim Kauf eines Elektroautos zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Für die Erhebung befragte Civey vom 4. bis 13. März 2026 insgesamt 2.500 Menschen ab 18 Jahren sowie 1.000 E-Auto-Fahrer.
Silvia Künnemann, Kfz-Versicherungsexpertin bei DA Direkt, sagt, gerade jene Zielgruppe, die zum Umstieg auf Elektroautos bewegt werden soll, lehne die Kaufprämie mehrheitlich ab. Neben Vorbehalten gegenüber E-Autos verweist sie auf die wirtschaftlich angespannte Lage, in der weniger Menschen über den Kauf eines neuen Fahrzeugs nachdenken.
Ladeinfrastruktur rückt stärker in den Fokus
Die Autoren der Umfrage sehen zudem Hinweise darauf, dass die Wirkung staatlicher Kaufanreize überschätzt wird. Nach ihrer Einschätzung sprechen mehrere Faktoren dafür, dass steigende Zulassungszahlen von Elektroautos nicht zwingend auf Prämien zurückzuführen sind.Stattdessen fordern viele Befragte stärkere Investitionen in die Ladeinfrastruktur. Nur 13 Prozent bewerten das bestehende Angebot als gut, unter E-Auto-Fahrern liegt dieser Anteil bei 38 Prozent, während unter Fahrern von Verbrennern etwa zwei Drittel die Infrastruktur als schlecht einstufen.
Als Probleme nennen die Befragten komplizierte Preise, unklare Bezahlmodelle, zu wenige Schnellladesäulen und unzureichende Bedingungen an den Standorten. Künnemann bewertet dies als klares Votum gegen die aktuelle E-Auto-Förderung und für eine aus ihrer Sicht nachhaltigere und volkswirtschaftlich sinnvollere Unterstützung des Ladeausbaus in Deutschland.
In unserem früheren Artikel zur Anpassung der Volkswagen-Produktion an die schwächere Nachfrage haben wir beschrieben, dass der Konzern seine Kapazitäten in China bereits reduziert hat und in Europa – vor allem bei Volkswagen und Audi – bis 2028 weitere Kürzungen prüft. Hintergrund sind seit der Corona-Krise geringere Absatzzahlen, die den Kostendruck erhöhen und mit einem umfangreichen Stellenabbau bis 2030 einhergehen. Damit zeigte der Bericht, wie stark die Branche auf das aktuell gedämpfte Marktniveau reagiert.
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