Deutsche Bahn kämpft mit Folgen jahrzehntelanger Fehlsteuerung im Schienennetz
Die bundesweite Funkstörung vom Dienstag verschärft die ohnehin angespannte Lage bei der Deutschen Bahn und legt die strukturellen Schwächen des Netzes erneut offen. Hinter den aktuellen Ausfällen stehen laut der Darstellung eine jahrzehntelange Ausrichtung auf Rendite, verschobene Investitionen und eine veraltete Infrastruktur.
Höhepunkte
- Deutsche Bahn schreibt seit 1994 trotz Einsparungen und Verkäufen wieder Verbindlichkeiten von über 30 Milliarden Euro an, wobei der geplante Börsengang 2007 fehlschlug.
- Die Pünktlichkeit im Fernverkehr sank von 84,3 Prozent 2004 auf 60,1 Prozent 2023, was auf unterlassene Modernisierungen und steigende Störungen zurückzuführen ist.
- Bis 2029 sind Investitionen von 107 Milliarden Euro zur Streckensanierung geplant, verbunden mit monatelangen Sperrungen und weiter steigenden Belastungen für Fahrgäste.
Langfristige Weichenstellungen und Investitionslücken
Wie BILD.de berichtet, entsteht die Deutsche Bahn 1994 aus Bundesbahn und Reichsbahn unter dem politischen Anspruch, trotz Staatsbesitz wie ein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen zu agieren. Das Modell setzt auf Effizienz, Gewinnorientierung und zeitweise auch auf die Perspektive eines Börsengangs.Zugleich fließen hohe Mittel in neue Verbindungen zwischen Ost- und Westdeutschland, während das bestehende Netz nach dieser Darstellung nicht ausreichend modernisiert wird. Weichen, Stellwerke und weitere Anlagen altern, Störungen nehmen zu, obwohl die Zahl der Fahrgäste weiter steigt.
Mit dem Amtsantritt von Hartmut Mehdorn 1999 richtet der Konzern sich stärker auf internationale Logistik und neue Geschäftsfelder im In- und Ausland aus. Für diese Expansion verkauft die Bahn Unternehmensteile, Immobilien und weitere Vermögenswerte, während der Ausbau und Neubau von Schienenprojekten langsamer vorankommt und zahlreiche Vorhaben verschoben werden.
Viele dieser Investitionen erfüllen die Erwartungen demnach nicht. Nach der Entschuldung im Zuge der Bahnreform 1994 baut der Konzern später erneut Verbindlichkeiten von mehr als 30 Milliarden Euro auf, während der geplante Börsengang 2007 scheitert.
Belastung für Fahrgäste und Sanierungsdruck bis 2029
Im Kerngeschäft auf der Schiene verschlechtert sich parallel die betriebliche Stabilität. Die Pünktlichkeit im Fernverkehr sinkt von 84,3 Prozent im Jahr 2004 auf 60,1 Prozent im vergangenen Jahr; im April liegt sie bei 64,4 Prozent, bleibt im europäischen Vergleich aber schwach.Die aktuelle Funkstörung, die den Bahnverkehr von Hamburg bis München lahmlegt, steht damit in einem größeren Zusammenhang aus überalterter Infrastruktur und zu geringer Erneuerung. Für Reisende zeigt sich das in Verspätungen, Ausfällen, Signalstörungen, Streckensperrungen und überfüllten Zügen.
Als Gegenmaßnahme ist bis 2029 eine umfassende Modernisierung des Schienennetzes mit Investitionen von 107 Milliarden Euro geplant. Die wichtigsten Strecken sollen schrittweise saniert werden, allerdings gehen diese Arbeiten voraussichtlich mit monatelangen Sperrungen und weiteren Belastungen für Fahrgäste einher.
In unserem früheren Beitrag zur steigenden öffentlichen Verschuldung in Deutschland haben wir erläutert, dass der Schuldenstand zum Ende des ersten Quartals 2026 deutlich zulegte und vor allem der Bund sowie mehrere Länder den Anstieg trieben. Dabei spielten unter anderem zusätzliche Verbindlichkeiten in Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie für die Bundeswehr eine wichtige Rolle.
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