Deutschlands Schuldenkurs erhöht laut Ratingagenturen Risiken für Wachstum und AAA-Bonität
Mit dem geplanten starken Anstieg der Neuverschuldung bis 2030 rückt die Finanzierung der deutschen Investitionsagenda stärker in den Fokus der Kapitalmärkte. Ratingagenturen sehen die Tragfähigkeit des Kurses vor allem davon abhängig, ob zusätzliche Mittel schnell umgesetzt werden und tatsächlich neues Wachstum auslösen.
Höhepunkte
- Für 2027 plant Deutschland 204 Milliarden Euro neue Schulden, bis 2030 wächst das Volumen auf über eine Billion Euro laut BILD und Scope.
- Scope prognostiziert einen Anstieg der Schuldenquote von 63,5 Prozent 2025 auf rund 72 Prozent 2030 und etwa 81 Prozent bis 2036 bei anhaltender Ausgabensteigerung.
- Ratingagenturen wie Scope, S&P, Moody’s und Fitch sehen bei schleppender Umsetzung oder fehlendem Wachstum das AAA-Rating und günstige Refinanzierungskosten zunehmend gefährdet.
Warnungen zum Schuldenprogramm
Wie BILD unter Verweis auf Einschätzungen von Scope sowie Berichte weiterer Ratingagenturen meldet, sehen Bonitätsprüfer im neuen deutschen Haushalt ein erhöhtes Risiko, falls kreditfinanzierte Ausgaben bestehende Etats nur ersetzen oder Investitionsprojekte zu langsam vorankommen.Für 2027 sind laut den vorliegenden Angaben 204 Milliarden Euro neue Schulden vorgesehen, bis 2030 summiert sich das Volumen auf mehr als eine Billion Euro. Die Mittel sollen unter anderem in Straßen, Schienen, Verteidigung und Klimaprojekte fließen, während Finanzminister Lars Klingbeil die Pläne als Beitrag zur Modernisierung Deutschlands darstellt.
Scope verweist darauf, dass für die Wirkung des Programms entscheidend ist, ob Investitionen zusätzlich sind und zügig in die Wirtschaft gelangen. Verzögerungen durch Bürokratie oder langwierige Umsetzung könnten den Wachstumseffekt abschwächen, obwohl die Schuldenlast steigt.
Folgen für Finanzierung und Standort
Deutschland verfügt weiterhin über die Bestnote AAA, die nur wenige Staaten halten. Scope belässt das Rating nach den vorliegenden Angaben zwar unverändert und sieht weiterhin ausreichenden finanziellen Spielraum, erwartet aber zugleich einen Anstieg der Schuldenquote von 63,5 Prozent im Jahr 2025 auf rund 72 Prozent bis 2030 und auf etwa 81 Prozent bis 2036.Nach Einschätzung der Agentur wäre eine Abstufung möglich, wenn die Schuldenquote dauerhaft weiter steigt oder das Wirtschaftswachstum deutlich schwächer ausfällt. Ein Verlust des AAA-Ratings würde die Refinanzierung des Staates verteuern, weil Investoren höhere Risikoaufschläge für neue Bundesanleihen verlangen könnten.
Auch S&P Global, Moody's und Fitch signalisieren laut den genannten Deutschland-Berichten Vorsicht. S&P hält eine Herabstufung für möglich, wenn das Programm das Wachstum nicht spürbar anschiebt, Moody's warnt vor langsamer Umsetzung und versickernden Mitteln im laufenden Staatsbetrieb, und Fitch verweist trotz bestätigter AAA-Note Mitte Mai ebenfalls auf steigende Schuldenlast und schwächeres Wachstum.
In unserem früheren Bericht zur Haushaltsplanung 2027 und dem Finanzplan bis 2030 haben wir dargelegt, dass die Bundesregierung eine deutlich höhere Kreditaufnahme einplant und damit den finanzpolitischen Spielraum zunehmend einengen könnte. Im Fokus standen zudem die stark steigenden Zinsausgaben, die bis 2030 zu einer spürbaren Belastung für den Bundeshaushalt werden und den Druck auf künftige Entscheidungen erhöhen könnten.
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