V-Locker-Insolvenz belastet Fahrradparkhäuser in Deutschland
Wenige Wochen nach der Eröffnung eines geförderten Fahrrad-Parkturms in Frankenthal gerät dessen Betreiber V-Locker in finanzielle Not. Die Insolvenz des Schweizer Unternehmens wirft auch in Bonn Fragen zum weiteren Betrieb digitaler Fahrradabstellanlagen auf.
Höhepunkte
- Das Schweizer Unternehmen V-Locker hat Insolvenz angemeldet und betreibt sowie wartet seine Fahrradparkanlagen in Deutschland aktuell nicht mehr.
- Der Fahrrad-Parkturm am Frankenthaler Hauptbahnhof, Ende Mai eröffnet und knapp 1,3 Millionen Euro teuer, bleibt vorerst offen, trotz unklarer Betreiberzukunft.
- In Bonn fordern die Stadtwerke Kunden zur Räumung der Parkboxen auf, nachdem rund die Hälfte der drei Millionen Euro Baukosten aus EU-Fördermitteln stammte.
Betrieb in Frankenthal und Bonn vorerst offen
Wie BILD berichtet, hat das Schweizer Unternehmen V-Locker Insolvenz beantragt und teilt über seine App mit, die Anlagen derzeit nicht mehr betreiben und technisch betreuen zu können. Anfragen und Störungen würden aktuell ebenfalls nicht bearbeitet.In Frankenthal betrifft das einen erst Ende Mai eröffneten Fahrrad-Parkturm am Hauptbahnhof mit Platz für fast 100 Räder. Die Stadt, Eigentümerin des Neubaus, erklärt jedoch, der Turm könne weiterhin genutzt werden, obwohl die Zukunft des Betriebsmodells offen ist.
Der Turm kostete knapp 1,3 Millionen Euro. Davon kamen 1,25 Millionen Euro aus dem Kommunalen Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation des Landes Rheinland-Pfalz.
Der Frankenthaler CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Schuff zeigt sich zuversichtlich, dass sich eine Nachfolgegesellschaft für den Weiterbetrieb findet. Er erwartet nach eigenen Worten eine Lösung in den kommenden Tagen und hält es für ausgeschlossen, dass die Anlage ungenutzt bleibt.
Gefördertes Modell steht vor Bewährungsprobe
V-Locker war 2019 mit dem Anspruch angetreten, nachhaltige Mobilität mit digital vernetzten Fahrradparkanlagen zu fördern und das Radfahren im Alltag einfacher zu machen. Der erste Parkturm des Unternehmens in Deutschland eröffnete im November 2020 in Halle an der Saale.Später folgten im Juli 2023 Anlagen in Mühlacker sowie 2023 und 2024 insgesamt 280 Parkboxen an vier Standorten in Bonn. Nach Angaben von V-Locker handelt es sich dort um das bislang größte automatische Fahrradparkprojekt in Deutschland.
In Bonn fordern die Stadtwerke als Eigentümer der Immobilien ihre Kunden nun auf, ihre Fahrräder aus den Parkboxen zu holen. Auch dort ist bislang unklar, wie der Betrieb der Anlagen weitergesichert werden kann.
Das Beispiel zeigt, dass kommunale und europäische Fördergelder zwar den Bau solcher Mobilitätsinfrastruktur ermöglichen, der laufende Betrieb aber stark von der wirtschaftlichen Stabilität spezialisierter Betreiber abhängt. In Bonn stammte rund die Hälfte der Baukosten von drei Millionen Euro aus EU-Fördermitteln.
In unserem früheren Beitrag zum neuen EEG-Entwurf für kleine Dach-Solaranlagen haben wir über den absehbaren Kurswechsel der Bundesregierung bei der Förderung berichtet. Demnach soll es für neue Anlagen bis 25 kW ab 2027 weiterhin Unterstützung geben – unter anderem über einen zeitlich befristeten Bonus für die Selbstvermarktung sowie eine verkürzte, niedrigere Einspeisevergütung. Die Debatte zeigt, wie stark Investitionen in nachhaltige Projekte von verlässlichen Regeln und Finanzierungsperspektiven abhängen.
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