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EU-Abgeordnete drängen auf E20-Zulassung für Kraftstoffmarkt in Europa

EU-Abgeordnete drängen auf E20-Zulassung für Kraftstoffmarkt in Europa
E20-Debatte in der EU

In Brüssel nimmt die Debatte über eine Ausweitung des Ethanol-Anteils im Benzin an Fahrt auf, nachdem drei CDU-Europaabgeordnete auf eine raschere Zulassung von E20 drängen. Der Vorstoß zielt auf niedrigere Importabhängigkeit und mögliche Entlastung für Autofahrer, stößt aber wegen Verbrauchs-, Umwelt- und Fahrzeugfragen auf Widerstand.

Das Wichtigste

  • EU-Abgeordnete fordern von Ursula von der Leyen die Zulassung von E20-Kraftstoff, um Ölimportabhängigkeit zu senken und Preisdruck zu mindern.
  • Eine Umstellung auf E20 erfordert Gesetzesänderungen, da aktuelle EU-Regeln maximal zehn Prozent Ethanol im Benzin erlauben, E20 jedoch bis zu 20 Prozent enthält.
  • Kosten- und Klimaeffekte bleiben unklar, da E20 einen rund drei Prozent höheren Verbrauch verursacht und umfassende technische Freigaben für viele Fahrzeugmodelle fehlen.

Druck auf Brüssel für neue Kraftstoffregeln

Wie zuerst von BILD berichtet, fordern die Europaabgeordneten Peter Liese, Jens Gieseke und Norbert Lins EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Brief auf, die Zulassung von E20 voranzutreiben. Nach ihrer Argumentation könnte ein höherer Bioethanol-Anteil im Kraftstoff die Abhängigkeit von teuren Ölimporten verringern und den Preisdruck an den Zapfsäulen mindern.

Derzeit lässt das Europarecht im Benzin nur einen Ethanol-Anteil von maximal zehn Prozent zu. Für E20 müsste die EU daher ihre Kraftstoffvorschriften ändern, weil die Sorte auf bis zu 20 Prozent Ethanol kommt.

Die wirtschaftliche Entlastung für Autofahrer ist allerdings nicht gesichert. Zwar könnte der Literpreis sinken, weil weniger fossiles Benzin enthalten wäre, Ethanol hat jedoch einen geringeren Energiegehalt. Experten rechnen deshalb mit einem Mehrverbrauch von rund drei Prozent; damit sich E20 lohnt, müsste der Preis an der Zapfsäule etwa sechs bis sieben Cent je Liter niedriger liegen.

Marktauswirkungen und offene Risiken

International ist E20 bereits in einzelnen Märkten etabliert. In Indien und Thailand wird der Kraftstoff bereits getankt, in Brasilien sind sogar noch höhere Ethanol-Anteile im Einsatz; in Deutschland gibt es bislang nur einen 2023 gestarteten Test in Mannheim.

Offen bleibt zudem, welche Fahrzeuge die neue Kraftstoffsorte ohne Einschränkungen nutzen können. Viele moderne Benziner dürften E20 voraussichtlich vertragen, und für einzelne aktuelle BMW-Modelle gibt es bereits Freigaben für noch höhere Ethanol-Anteile. Eine vollständige herstellerübergreifende Freigabeliste liegt jedoch nicht vor, während vor allem bei älteren Fahrzeugen technische Probleme nicht ausgeschlossen sind.

Kritik kommt auch aus Umwelt- und Ressourcensicht. Das Umweltbundesamt sieht den Anbau von Energiepflanzen für Kraftstoffe kritisch, weil dadurch Flächen für die Lebensmittelproduktion verloren gehen könnten; zudem stellen Gegner die Klimabilanz von Bioethanol und den möglichen Mehrverbrauch infrage. Die CDU-Abgeordneten halten E20 dennoch für einen schnellen Hebel, um Autofahrer zu entlasten und den CO2-Ausstoß des europäischen Benzinbestands zu senken.

In unserem früheren Beitrag zur geplanten befristeten Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel haben wir dargestellt, wie die Neuauflage des Tankrabatts politisch vorangetrieben wurde und welche Entlastung von bis zu rund 17 Cent je Liter für das vierte Quartal im Raum stand. Außerdem ging es um den parlamentarischen Fahrplan sowie um die Kontroverse, ob die Ermäßigung tatsächlich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt und welche Folgen das für Staatshaushalt und Marktanreize hätte.

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