EZB-Aufsicht verteidigt Kapitalstandards bei gleichzeitiger Verschlankung der Bankenaufsicht

EZB-Aufsicht verteidigt Kapitalstandards bei gleichzeitiger Verschlankung der Bankenaufsicht
EZB verteidigt Kapitalstandards

Europäische Bankenaufseher treiben die Vereinfachung von Aufsichtsprozessen voran, während die Kapitalanforderungen weiterhin eng an die Risikoprofile der Kreditinstitute gekoppelt bleiben. Diese Haltung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die EZB ihren Aufsichtsfokus auf geopolitische Schocks, Verflechtungen mit Nichtbanken, Konzentrationsrisiken bei Cloud-Anbietern und die langfristigen Auswirkungen des digitalen Euro ausweitet.

Das Wichtigste

  • Der Aufsichtsbereich der EZB verschlankt die Bankenaufsicht, indem er veraltete Leitlinien abschafft und aufsichtliche Überprüfungen auf risikobasierte, bankspezifische Kapitalanforderungen ausrichtet, ohne die aufsichtsrechtlichen Standards zu schwächen.
  • Aufseher verstärken die Prüfung direkter und indirekter Risiken von Banken gegenüber geopolitischen Risiken, Gewerbeimmobilien und KMU-Segmenten und drängen angesichts steigender Zinsen und anhaltender sektoraler Schwachstellen auf zukunftsgerichtetere Risikomodelle.
  • Die EZB weist auf wachsende Branchenrisiken durch Schattenbanken und die Abhängigkeit von Cloud-Anbietern außerhalb der EU hin und plädiert zugleich für harmonisierte EU-weite Regeln, ein gemeinsames Einlagensicherungssystem und die Einführung des digitalen Euro, um Finanzstabilität und operationelle Resilienz zu stärken.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Reform der Aufsicht wahrt den aufsichtsrechtlichen Fokus

Wie ECB Banking Supervision unter Berufung auf den Aufsichtsbereich der EZB berichtet, erklärt Sharon Donnery, Mitglied des Aufsichtsgremiums, dass die Initiative der Zentralbank für eine Aufsicht der nächsten Stufe die Aufsicht wirksamer, effizienter und risikobasierter gestalten soll, ohne die aufsichtsrechtlichen Standards zu schwächen. Sie erklärt, die EZB habe mehr als 100 Aufsichtsveröffentlichungen überprüft, veraltete Dokumente entfernt und Leitlinien vereinfacht, damit Banken die aufsichtlichen Erwartungen leichter nachvollziehen können.

Donnery zufolge ist eine starke Kapitalausstattung eine Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und keine Wachstumsbremse; Kapital- und andere Anforderungen bleiben an den zugrunde liegenden Risikoprofilen ausgerichtet. Bei der Reform des Supervisory Review and Evaluation Process verschiebt sich der aufsichtliche Fokus ihren Angaben zufolge stärker auf die für jedes Institut wichtigsten Risiken, während die Anforderungen der Säule 2 weiterhin bankspezifische Risiken widerspiegeln, die durch Säule 1 nicht ausreichend abgedeckt sind.

Sie erklärt zudem, dass geopolitische Risiken inzwischen ein strukturelles Merkmal des operativen Umfelds von Banken seien. Aufseher stellten Schwächen dabei fest, wie Kreditinstitute indirekte Risiken über Kunden, Lieferketten und Märkte erfassen. Von Banken wird erwartet, historische Modelle durch zukunftsgerichtete Szenarioanalysen zu ergänzen und diese Risiken in ihre Risikobereitschaftsrahmen zu integrieren.

Zur Vermögensqualität erklärt Donnery, dass der Sektor in die aktuelle Phase höherer Zinsen aus einer Position der Stärke eintrete, wobei die Quoten notleidender Kredite deutlich unter den Niveaus nach der Krise lägen. Sie fügt hinzu, dass Gewerbeimmobilien und einige Segmente kleiner und mittlerer Unternehmen weiterhin besondere Aufmerksamkeit erforderten, da Refinanzierungsdruck, Bewertungsanpassungen und schwächeres Wachstum die Rückzahlungsfähigkeit beeinträchtigen könnten.

Branchenrisiken reichen von Schattenbanken bis zur digitalen Infrastruktur

Donnery zufolge erhöht die Ausweitung der Nichtbankenfinanzierung die Verflechtung mit dem Bankensektor durch Kreditrisiken, Liquiditätsfazilitäten, Wertpapierfinanzierung, Derivate, Margin Calls und gemeinsame Vermögensbestände. In diesem Umfeld sollen Banken laut ihr ihr Verständnis von Ansteckungskanälen, Konzentrationsrisiken, der Qualität von Sicherheiten und Liquiditätsanforderungen verbessern, da sich Schwachstellen außerhalb des Bankensystems in Stressphasen rasch ausbreiten können.

Sie erklärt, dass auch die operationelle Resilienz zu einem systemweiten Thema werde, da Banken zunehmend auf eine kleine Zahl von Cloud-Anbietern außerhalb der Europäischen Union angewiesen seien. Wo das Konzentrationsrisiko erheblich ist, wird von Banken erwartet, kritische Funktionen und Cloud-Dienste zu erfassen, die Aufsicht durch die Geschäftsleitung zu stärken, Ausstiegsstrategien vorzubereiten und regelmäßige Tests zur Geschäftskontinuität durchzuführen.

Donnery zufolge zählen Schwächen bei der Aggregation und Meldung von Risikodaten weiterhin zu den hartnäckigsten Problemen im europäischen Bankensektor. Diese spiegelten nicht nur technische Defizite wider, sondern auch Probleme bei Governance und Verantwortlichkeit. Hinsichtlich der Marktintegration argumentiert sie, dass die Vollendung der Bankenunion mit harmonisierten Regeln, einem gemeinsamen Einlagensicherungssystem und einem stärkeren Rahmen für das Krisenmanagement dazu beitragen würde, nationales Ring-Fencing zu verringern und Kapital sowie Liquidität effizienter im gesamten System zu bewegen.

Sie erklärt zudem, dass der digitale Euro als Zahlungsmittel und nicht als Wertaufbewahrungsmittel dienen sollte, damit Finanzstabilität und Bankenintermediation geschützt werden. Obwohl die Umsetzungskosten erheblich seien, könne das Projekt Banken Möglichkeiten eröffnen, neue Zahlungsdienste aufzubauen, Kundenbeziehungen zu vertiefen und ein autonomeres europäisches Zahlungsökosystem zu unterstützen.

Unser früherer Artikel über die von der EU vorgeschlagene Ausweitung der Aufsichtsbefugnisse der ESMA erläuterte, wie Brüssel eine stärker zentralisierte Aufsicht über große grenzüberschreitende Börsen, Marktinfrastrukturen und Kryptounternehmen anstrebt, um die Fragmentierung der Kapitalmärkte zu verringern. Er beleuchtete auch den Widerstand einiger Mitgliedstaaten, die Ausnahmen für bedeutende nationale Betreiber fordern und warnen, dass solche Ausnahmeregelungen den Plan der Kommission abschwächen und das Streben nach effizienteren grenzüberschreitenden Märkten beeinträchtigen könnten.

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