EZB treibt Strategie für digitalen Euro für Europas Zahlungsverkehr und tokenisierte Finanzwelt voran

EZB treibt Strategie für digitalen Euro für Europas Zahlungsverkehr und tokenisierte Finanzwelt voran
EZB treibt digitalen Euro voran

Europas Zahlungsverkehrsmarkt wird zunehmend digitaler, während Finanzinstitute tokenisierte Vermögenswerte und Distributed-Ledger-Technologie erproben. Die Europäische Zentralbank erklärt, dass dieser Wandel sowohl den Bedarf an einem digitalen Euro im täglichen Zahlungsverkehr als auch an Zentralbankgeld zur Unterstützung der Abwicklung in entstehenden digitalen Großhandelsfinanzmärkten erhöht.

Das Wichtigste

  • EZB strebt den Abschluss der Gesetzgebung zum digitalen Euro bis Ende 2026 an, plant Pilotprojekte mit 36 Anbietern in H2 2027 und eine mögliche öffentliche Ausgabe im Jahr 2029.
  • Der digitale Euro ist als unverzinstes Zahlungsinstrument mit individuellen Halteobergrenzen und Waterfall-Mechanismen konzipiert, um Abflüsse von Bankeinlagen zu minimieren und die Geldwertstabilität zu gewährleisten.
  • Die Initiativen Pontes und Appia ermöglichen die Abwicklung tokenisierter Transaktionen in Zentralbankgeld und fördern interoperable Plattformen, um Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz des europäischen Finanzsystems zu stärken.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Plan für digitale Zahlungen und Zeitplan für die Einführung

Wie von der Europäischen Zentralbank berichtet, besteht ihre umfassendere Strategie darin, Zentralbankgeld auf das digitale Umfeld auszuweiten und gleichzeitig das zweistufige Geldsystem zu bewahren, in dem öffentliches und privates Geld nebeneinander existieren. Im Massenzahlungsverkehr bedeutet dies die Vorbereitung eines digitalen Euro, während es in Großhandelsmärkten darum geht, Zentralbankgeld für die Abwicklung tokenisierter Transaktionen verfügbar zu machen und durch die Initiativen Pontes und Appia das umfassendere digitale Finanzökosystem mitzugestalten.

Die EZB argumentiert, dass das Fehlen einer gesamteuropäischen digitalen Zahlungslösung Banken und Kunden stark von internationalen Kartensystemen und globalen Technologieunternehmen abhängig macht. Ihren Angaben zufolge laufen zwei Drittel der Kartenzahlungen im Euroraum über internationale Systeme, während 13 der 21 Länder des Euroraums über kein nationales Kartensystem verfügen.

Der digitale Euro wird als digitale Form von Zentralbankgeld für alltägliche Transaktionen konzipiert, die Bargeld und private Zahlungslösungen ergänzt. Er soll im gesamten Euroraum online und offline für Zahlungen zwischen Privatpersonen, E-Commerce und Einkäufe im Ladengeschäft nutzbar sein, während Banken und andere regulierte Zahlungsdienstleister den Vertrieb, Kundenbeziehungen und damit verbundene Dienstleistungen übernehmen würden.

Die EZB erklärt zudem, dass das Projekt Banken unterstützen und nicht verdrängen soll. Der digitale Euro würde eine gemeinsame Akzeptanzebene im gesamten Euroraum bieten, während offene Standards und Co-Badging privaten Anbietern helfen könnten, ihre Reichweite zu erhöhen und Einführungskosten zu senken.

Was den Zeitplan betrifft, wird das Gesetzgebungsverfahren fortgesetzt, nachdem der Rat der Europäischen Union im Dezember 2025 seinen Standpunkt festgelegt und das Europäische Parlament im Juli 2026 seinen Standpunkt angenommen hat. Die Trilogverhandlungen laufen nun, und die EZB erklärt, dass sie bei Abschluss der Gesetzgebung bis Ende 2026 für eine mögliche erste Ausgabe im Jahr 2029 bereit sein will.

Ein Pilotprojekt soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 beginnen und 12 Monate dauern. Die EZB erklärt, dass nach einem Aufruf, auf den mehr als 50 Bewerbungen eingingen, 36 Zahlungsdienstleister aus dem gesamten Euroraum für das Vorhaben ausgewählt wurden.

Schutzmechanismen für Banken und Marktauswirkungen

Die Zentralbank erklärt, dass eine zentrale Sorge bei jeder digitalen Währung – ob sie Einlagen von Banken abziehen und deren Kreditvergabekapazität schwächen könnte – durch die Gestaltung des digitalen Euro berücksichtigt wird. Das Instrument werde als Zahlungsmittel und nicht als Anlageprodukt konzipiert, ohne Verzinsung und mit Obergrenzen für individuelle Bestände.

Nutzer könnten digitale-Euro-Wallets mit Geschäftsbankkonten verknüpfen, sodass Zahlungen über das Wallet-Guthaben hinaus über einen Waterfall-Mechanismus möglich wären und Beträge oberhalb der Halteobergrenzen über einen Reverse-Waterfall-Mechanismus automatisch auf Bankkonten zurückübertragen würden. Laut EZB sollen diese Funktionen Komfort, Finanzstabilität und die geldpolitische Transmission in Einklang bringen.

Über den Massenzahlungsverkehr hinaus versteht die EZB den digitalen Euro als Teil eines umfassenderen Vorhabens, öffentliches Geld in einem sich in Richtung Tokenisierung bewegenden Finanzsystem zentral zu halten. Sie warnt, dass tokenisierte Finanzmärkte ohne sichere Abwicklungswerte und interoperable Plattformen fragmentiert werden und die Einheitlichkeit des Geldes im gesamten Euroraum schwächen könnten.

In diesem Zusammenhang erklärt die EZB, dass Pontes Zentralbankgeld bereits für tokenisierte Transaktionen verfügbar macht, während Appia auf ein Ökosystem ausgerichtet ist, in dem tokenisiertes Zentralbankgeld, tokenisierte Einlagen und andere regulierte Vermögenswerte institutions- und netzwerkübergreifend interagieren können. Sie präsentiert diese Projekte als Teil einer Strategie für Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz, die europäischen Marktteilnehmern die Infrastruktur für Innovationen und internationale Skalierung bereitstellen soll.

Unser früherer Artikel zu den Prioritäten von DTCC bei der Marktinfrastruktur beschrieb, wie Clearing- und Abwicklungsanbieter sich auf Veränderungen an den Kapitalmärkten vorbereiten, die durch schnellere Ausführung, Tokenisierung und den verantwortungsvollen Einsatz von KI vorangetrieben werden. Er hob den Fokus von DTCC auf die Verbesserung von Abwicklungsprozessen, die Ausweitung des Zugangs und die Verknüpfung neuer Tools für digitale Vermögenswerte mit bestehenden Standards hervor, wobei Systemresilienz und Schutzmechanismen im Mittelpunkt bleiben.

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