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Öl steht wieder im Blickpunkt der Anleger, ebenso wie die Aktien der weltweit größten Ölgesellschaften. Geopolitische Instabilität und Risiken für die globalen Versorgungsketten sind die Hauptgründe für diese Verschiebung. Aus diesem Grund wird der Ölsektor vom Markt wieder als "defensive Wette" angesehen.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Der Markt hat seine Wahl getroffen
Das wachsende Interesse am Erdölsektor spiegelt sich deutlich in der Performance der großen Erdöltitel wider. Im vergangenen Monat kletterten die Aktien von Exxon Mobil von 120 $ auf 135 $ und gewannen damit rund 12,5 %. Chevron zeigte eine ähnliche Entwicklung und stieg von 150 $ auf 167 $, was einem Zuwachs von etwa 11,3 % entspricht. ConocoPhillips legte ebenfalls zu, und zwar von 91 $ auf 99 $ bzw. um fast 9 % im Monatsverlauf.
Wichtig ist, dass dieser Anstieg nicht wie eine kurzfristige spekulative Spitze aussieht, sondern eher wie eine stetige Aufwärtsbewegung. Die Aktien stiegen während relativ stabiler Handelssitzungen, ohne starke Sprünge oder Abstürze. Dies deutet auf eine anhaltende Nachfrage seitens der Anleger hin, die ihr Engagement in Ölaktien in ihren Portfolios allmählich erhöhen.
Ein solches Marktverhalten deutet darauf hin, dass die Rolle der Ölgesellschaften unter den derzeitigen Bedingungen neu bewertet wird. Die Anleger sehen in ihnen zunehmend eine Möglichkeit zur Absicherung gegen geopolitische Risiken und mögliche Versorgungsunterbrechungen. Doch was genau hat diese globale Unsicherheit ausgelöst?
Venezuela rückte nach der Entführung seines Präsidenten Nicolás Maduro Anfang Januar ins weltweite Rampenlicht. Daraufhin kündigten die Vereinigten Staaten die Beschlagnahmung von Öl aus sieben kürzlich gekaperten venezolanischen Tankern an und beanspruchten die effektive Kontrolle über diese Mengen. Nach Angaben von Donald Trump wird venezolanisches Öl bereits an US-Raffinerien geliefert.
Washington beschränkt sich nicht auf isolierte Aktionen, sondern baut eine systemische Kontrolle über die venezolanische Ölindustrie auf. Die Trump-Administration hat Pläne angekündigt, bis zu 50 Millionen Barrel venezolanisches Öl zu Marktpreisen zu verkaufen, wobei die Einnahmen zwischen Venezuela, den Vereinigten Staaten und großen Ölgesellschaften aufgeteilt werden sollen. Gleichzeitig laufen Gespräche über Investitionen in Höhe von bis zu 100 Milliarden Dollar zur Wiederherstellung und Modernisierung von Produktion, Raffinerie und Logistik - mit direkter Beteiligung von US-Unternehmen und unter politischer Aufsicht der USA.
Venezuela ist eines der größten ölproduzierenden Länder der Welt, und jede abrupte Änderung in der Verwaltung seiner Ressourcen wird vom Markt sofort eingepreist. Die Anleger sehen in der Situation ein zusätzliches geopolitisches Risiko: Selbst wenn die Lieferungen formell weitergehen, steigt ihre Abhängigkeit von politischen Entscheidungen.
Die Massenproteste im Iran begannen Ende Dezember 2025 in Teheran und wurden zunächst durch wirtschaftliche Faktoren - steigende Preise, Arbeitslosigkeit und sinkender Lebensstandard - ausgelöst. Sie entwickelten sich jedoch schnell zu politischen Unruhen und breiteten sich über das ganze Land aus. Die blutigsten Momente ereigneten sich in den Nächten des 8. und 9. Januar, als die Sicherheitskräfte versuchten, die Demonstrationen mit extrem harten Methoden, einschließlich scharfer Munition, zu unterdrücken.
Das wahre Ausmaß der Gewalt ist nach wie vor umstritten. Die iranischen Behörden sprechen von 3.117 Toten, darunter Zivilisten, Sicherheitskräfte und offiziell als "Terroristen" bezeichnete Personen. Unabhängige Menschenrechtsorganisationen nennen weitaus höhere Zahlen: Nach Angaben von HRANA wurden mindestens 5.459 Todesfälle bestätigt, Tausende weitere Fälle werden noch geprüft. Internetabschaltungen, Kommunikationsunterbrechungen und strenge Medienkontrollen haben eine unabhängige Überprüfung extrem erschwert.
Vor diesem Hintergrund haben auch die externen Spannungen zugenommen. Iranische Oppositionsmedien berichteten, dass der Oberste Führer Ali Khamenei aus Angst vor einem möglichen US-Angriff in einen unterirdischen Bunker verlegt wurde. Auch ohne ein direktes militärisches Szenario werden die Entwicklungen im Iran vom Markt als ernsthaftes Risiko für die Ölversorgung angesehen, da das Land nach wie vor ein wichtiger Akteur auf dem Energiemarkt der Region ist.
Der Krieg in der Ukraine wirkt sich weiterhin direkt auf den Ölmarkt aus und verlagert die Aufmerksamkeit von der Produktion auf Logistik und Transport. Angesichts des anhaltenden Konflikts verlässt sich Russland zunehmend auf die Seewege, um Öl zu exportieren, unter anderem durch das Schwarze Meer, was die Tankerflotten zu einer wichtigen Schwachstelle macht. Die Anleger beobachten aufmerksam alle Signale, die auf mögliche Lieferunterbrechungen oder strengere Kontrollen der Seetransporte hinweisen.
Zusätzlichen Auftrieb gab die Rede des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Er forderte die EU-Länder auf, Tanker mit russischem Öl aktiver abzufangen und verwies auf das Beispiel der Vereinigten Staaten, die zuvor venezolanische Transporte kontrolliert hatten. Laut Zelensky könnten solche Maßnahmen als wirksames Instrument dienen, um Russland unter Druck zu setzen und seine Einnahmen aus dem Energieexport zu begrenzen.
Für den Ölmarkt bedeutet dies ein steigendes logistisches Risiko. Auch ohne ein direktes Produktions- oder Exportverbot sorgt allein die Möglichkeit von Tankerfeststellungen, Inspektionen und Routenblockaden für Spannungen. Diese Risiken schlagen sich schnell in den Ölpreisen nieder.
Alle wichtigen Faktoren, die den Ölmarkt heute beeinflussen, laufen in einem Punkt zusammen: Geopolitik. Venezuela, Iran und der Krieg in der Ukraine üben jeweils auf unterschiedliche Weise Druck aus, doch zusammengenommen erhöhen sie die Risiken für die weltweite Ölversorgung erheblich. In einigen Fällen ist die Produktion bedroht, in anderen die Logistik oder die Kontrolle über die Exportströme. Selbst wenn keine unmittelbare physische Verknappung eintritt, reagiert der Markt im Voraus, indem er einen Aufschlag für Risiko und Unsicherheit in die Preise einrechnet.
Besonders deutlich wird diese Reaktion bei den Ölaktien. Im Gegensatz zum Öl selbst spiegeln die Aktien der großen Ölgesellschaften nicht nur die aktuellen Rohstoffpreise wider, sondern auch die Erwartungen in Bezug auf künftige Einnahmen, Dividenden und Cashflows. Steigende Ölpreise, ein begrenztes Angebot und eine konstante Nachfrage machen Ölunternehmen für Anleger attraktiver, insbesondere in turbulenten Zeiten. Infolgedessen fungieren Ölaktien zunehmend als Spiegel der globalen Instabilität.