Der Tweet wurde vom Autor gelöscht.
Aber wir haben alles gespeichert 🙂.
Am 19. September 2025 startete die Warschauer Börse (GPW) den Handel mit dem ersten Bitcoin-ETF Polens. Der von AgioFunds TFI aufgelegte Bitcoin BETA ETF bietet Anlegern Zugang zur ersten Kryptowährung der Welt über Futures an der Chicago Mercantile Exchange (CME). Dom Maklerski BOŚ fungiert als Market Maker, während die Währungsrisiken aus Dollar-Zloty-Schwankungen zusätzlich abgesichert werden.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Dies ist nicht nur ein weiteres Finanzinstrument. Für Polen ist es ein historischer Moment: Zum ersten Mal integriert eine regulierte Plattform dieser Größenordnung Bitcoin offiziell in ihren Markt. Die GPW - die größte Börse in Mittel- und Osteuropa - wurde im 19. Jahrhundert gegründet und listet heute über 400 Unternehmen mit einer Kapitalisierung von mehr als 2,2 Billionen Zloty (über 600 Milliarden Dollar). Und jetzt kommt ein Produkt hinzu, das direkt mit Kryptowährungen verbunden ist.
Die Einführung von Krypto-ETFs ist zu einem der globalen Trends der letzten Jahre geworden. Die USA öffneten ihren Markt für Bitcoin-Spotfonds, Deutschland und die Schweiz folgten, und nun hat sich auch Polen dieser Welle angeschlossen. GPW-Vorstandsmitglied Michał Kobza erklärt: "Den Zugang zu Bitcoin über einen ETF auf GPW anzubieten, erhöht die Sicherheit beim Handel, da die Anleger mit einem Instrument am Kryptowährungsmarkt teilnehmen können, das beaufsichtigt wird und den Transparenzstandards eines regulierten Kapitalmarktes unterliegt."
Tatsächlich ist Warschau die erste Börse dieser Größenordnung in Osteuropa, die einen Bitcoin-ETF einführt. Das bedeutet, dass polnische Anleger nun eine legale und relativ sichere Möglichkeit haben, auf Kryptowährungen zuzugreifen, ohne den traditionellen Finanzsektor zu verlassen.
GPW hat bereits Erfahrung mit ähnlichen Produkten: Heute werden 16 ETF an der Börse gehandelt, darunter auch solche, die polnische Aktienindizes abbilden. Die Nachfrage nach solchen Produkten steigt rasant - allein im Jahr 2025 erreichte der Umsatz 1,9 Milliarden Zloty und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Die Aufnahme von Bitcoin in diese Reihe scheint eine natürliche Fortsetzung des Trends zu sein.
Die Auflegung des neuen Fonds erfolgt auch zu einem Zeitpunkt, an dem Polen aktiv seine Krypto-Vorschriften im Rahmen der EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Assets (MiCA) aktualisiert. Die Europäische Union baut ein einheitliches System für die Aufsicht über digitale Vermögenswerte auf, und Warschau möchte zu den Vorreitern gehören.
In Polen sind Kryptowährungen legal und reguliert. Seit 2021 müssen sich Unternehmen, die Dienstleistungen für virtuelle Vermögenswerte anbieten, in einem speziellen Register registrieren lassen. Es handelt sich dabei nicht um eine vollständige Lizenz, sondern um einen Kontrollmechanismus, der es dem Staat ermöglicht, den Sektor zu überwachen.
Auch die Steuerpolitik ist transparent: Gewinne aus Krypto-Transaktionen werden mit 19 % besteuert, die sich aus der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben ergeben. Die Anleger müssen jährlich ein PIT-38-Formular einreichen. Selbst der Erhalt von Bitcoin oder einer anderen Kryptowährung als Geschenk wird als Erbschaft oder Schenkung besteuert. Für Unternehmen gilt eine weitere Regel: Die Tätigkeit ohne Eintragung in das Register für virtuelle Währungen kann zu Geldstrafen führen.
Offiziell hat die Kryptowährung in Polen nicht den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels, aber in der Praxis sieht die Realität anders aus. Immer mehr Unternehmen akzeptieren freiwillig Bitcoin und Stablecoins. Meistens verwenden die Menschen digitale Vermögenswerte, um Lebensmittel und Elektronik zu bezahlen, aber auch für Reisen und Hotels.
Im Alltag haben Kryptowährungen den Zloty also noch nicht ersetzt, aber sie sind schon lange nicht mehr nur eine "Liebhaberinvestition". Für viele Polen ist sie eine bequeme Alternative - eine Möglichkeit, in einer Welt, in der sich das traditionelle Finanzwesen ständig wandelt, Geld auszugeben und zu sparen.
Mit der MiCA-Verordnung soll ein EU-weit einheitlicher Markt für Kryptoanlagen geschaffen werden. In der Praxis sieht es jedoch komplizierter aus. Jedes Land behält seinen eigenen Ansatz zur Umsetzung bei. In Deutschland beispielsweise verlangt die BaFin-Regulierungsbehörde ein komplexes und kostspieliges Lizenzierungsverfahren, wodurch der Markt hauptsächlich für große Akteure zugänglich ist. Frankreich hingegen war schneller: Sein früheres PSAN-Lizenzierungssystem wurde bereits in MiCA integriert, was es zu einem der kryptofreundlichsten Länder in der EU macht. Estland, das vor einigen Jahren noch als "Krypto-Oase" galt, verschärfte nach seiner Reform 2021-2022 die Anforderungen, woraufhin viele Unternehmen das Land verließen.
Vor diesem Hintergrund sieht Polen recht ausgewogen aus. Sein System der Registrierung beim Register für virtuelle Währungen ist einfacher als das deutsche, aber strenger als viele "sanfte" Regelungen. Das bedeutet, dass es zwar eine Regulierung gibt, diese aber nicht erdrückend ist - und diese Ausgewogenheit kann zu einem Wettbewerbsvorteil werden.
All dies schafft interessante Aussichten für das Land. Warschau wird für Investoren aus Osteuropa allmählich zu einem Tor zum EU-Kryptomarkt. Auf der einen Seite - klare Regeln, ein transparentes Steuersystem und die MiCA-Integration. Auf der anderen Seite - die Bereitschaft zur Innovation, die durch die Einführung eines Bitcoin-ETFs bewiesen wurde - konkurriert Polen nicht nur mit seinen regionalen Nachbarn, sondern auch mit globalen Zentren. Und wenn es Warschau gelingt, Regulierung mit Offenheit zu verbinden, hat es alle Chancen, das wahre Kryptozentrum Mitteleuropas zu werden.