Deutschland beschließt Aktionsplan Fusion mit Milliardenbudget bis 2029
Quelle: BMFTR (Home)
Höhepunkte
- Deutschland investiert bis 2029 über zwei Milliarden Euro in den Aktionsplan Fusion, um ein industriegeführtes fusionsbasiertes Kraftwerkskonsortium und ein nationales Fusionsökosystem zu etablieren.
- Das Programm „Fusion 2040“ fördert technologieoffen Magnet- und Laserfusion, plant Prototypbau bis Anfang der 2040er Jahre und adressiert rechtliche, betriebliche und regulatorische Voraussetzungen.
- Fortschritte bei Hochfeldmagneten, Hochtemperatur-Supraleitern, Lasersystemen und neuen Werkstoffen versprechen industrieübergreifende Impulse in Medizintechnik, Halbleitern, Luftfahrt sowie erhöhte Exportpotenziale für Deutschland.
Die Bundesregierung will das internationale Rennen um ein funktionsfähiges Fusionskraftwerk aktiv mitgestalten und positioniert Deutschland als möglichen Standort für das weltweit erste kommerzielle Kraftwerk dieser Art. Hintergrund sind jüngste wissenschaftliche Fortschritte im Ausland sowie die Erwartung, dass Fusion langfristig eine grundlastfähige Ergänzung zu erneuerbaren Energien werden könnte. Für Wirtschaft und Forschung geht es dabei nicht nur um Stromerzeugung, sondern auch um den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten in Schlüsseltechnologien.
Förderprogramm, Zeitplan und Konsortium
Deutschland hat den Aktionsplan Fusion beschlossen, der bis 2029 über zwei Milliarden Euro für Fusionsforschung vorsieht. Ziel ist, ein industriegeführtes Konsortium, vorrangig aus deutschen Unternehmen, beim Weg zum Kraftwerksbau zu unterstützen, ergänzt um Start-ups, etablierte Industrie und Wissenschaft. Zusätzlich sind Maßnahmen zum Aufbau eines Fusionsökosystems, Forschungsinfrastrukturen, Technologiedemonstratoren sowie internationale Kooperationen vorgesehen.Parallel dazu wurde das Förderprogramm „Fusion 2040, Forschung auf dem Weg zum Fusionskraftwerk“ gestartet, das technologieoffen verschiedene Ansätze in Deutschland unterstützt. Der Fahrplan skizziert drei teils überlappende Phasen, von Forschung und Entwicklung bis in die erste Hälfte der 2030er Jahre, anschließend Transfer und Prototypbau bis Anfang der 2040er Jahre, sowie eine Betriebsphase ab den 2040er Jahren. In der Transferphase sollen auch Fragen zu Betrieb, Zwischenlagerung und Rechtsrahmen final geklärt werden. Die Bundesregierung betont, dass bis zur wirtschaftlichen Stromerzeugung noch erhebliche technologische Reife nötig ist.
Technologiepfade: Magnetfusion und Laserfusion
Aus Sicht der Forschung ist zentral, wie das extrem heiße Plasma für eine Fusion stabil eingeschlossen wird, da dies auf der Erde nicht durch Gravitation wie in Sternen möglich ist. Bei der Magnetfusion wird das Plasma mithilfe starker Magnetfelder im Reaktorgefäß gehalten, um den Kontakt mit der Wand zu vermeiden und die Reaktion aufrechtzuerhalten. Als gängige Konzepte gelten Tokamak und Stellarator, wobei Stellaratoren zwar Vorteile versprechen, aber komplexer in Bau und Wartung sind.Ein alternatives Konzept ist die Trägheitsfusion, häufig als Laserfusion umgesetzt, bei der ein Brennstoffkügelchen sehr schnell komprimiert und erhitzt wird. Internationale Fortschritte, etwa an der National Ignition Facility in den USA, haben Aufmerksamkeit erzeugt, auch wenn der Gesamtwirkungsgrad laut Darstellung weiterhin deutlich unter den Anforderungen für ein Kraftwerk liegt. Welche Methode sich am Ende durchsetzt, gilt als offen, deshalb setzt die deutsche Förderung auf Technologieoffenheit. Deutschland verweist dabei auf bestehende Stärken unter anderem in Lasertechnik, Materialforschung und Plasmaphysik.
Wirtschaftliche Chancen für Industrie und Forschung
Über die Energieperspektive hinaus werden Anwendungen von Teiltechnologien als Treiber für Industrieimpulse genannt. Hochfeldmagnete und Hochtemperatur-Supraleiter könnten beispielsweise in der Medizintechnik, etwa bei MRT-Systemen, genutzt werden. Neue, extrem belastbare Materialien für Fusionsanlagen gelten als potenziell relevant für Luftfahrt und Raumfahrt, während fortschrittliche Lasersysteme auch in Medizin, Halbleitertechnik und Produktionstechnik Märkte finden könnten.Darüber hinaus werden Chancen in Telekommunikation, Robotik, Umweltmesstechnik, Optikindustrie und Hochleistungselektronik beschrieben. Der Aufbau eines nationalen Fusionsökosystems soll Unternehmen und Forschungseinrichtungen besser vernetzen und Technologietransfer beschleunigen. Für den Standort Deutschland wäre ein Erfolg zudem strategisch, weil er Exportpotenziale und internationale Relevanz in einem entstehenden Zukunftsmarkt erhöhen könnte.
Zuletzt haben wir über die Förderprogramme des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) für Energie, Klima und Nachhaltigkeit berichtet. Im Mittelpunkt standen die FONA-Strategie bis 2025 mit Schwerpunkten wie Wasserstoff, Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und Klimaanpassung sowie der Ansatz, Digitalisierung als „twin transition“ gezielt für Nachhaltigkeitsinnovationen zu nutzen.
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