Deutsches Transportgewerbe warnt vor Stellenabbau durch hohe Dieselkosten
Nach Angaben des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, auf die sich der Bericht stützt, gerät das deutsche Straßentransportgewerbe wegen der stark gestiegenen Kraftstoffkosten zunehmend unter Liquiditätsdruck. Der Verband sieht bis zu 100.000 Arbeitsplätze bei Lkw-Fahrern gefährdet und verweist auf wachsende Belastungen für familiengeführte Transportunternehmen in Deutschland. Als Auslöser nennt er die infolge des Irankriegs gestiegenen Spritpreise sowie zusätzliche CO₂-Kosten.
Höhepunkte
- Deutscher Transportverband warnt vor Stellenabbau, da hohe Dieselpreise und doppelte Belastung durch CO₂-Abgaben Betrieben zunehmend finanziellen Spielraum nehmen.
- Polnische Steuerentlastungen führen zu einem Netto-Dieselpreisvorteil von 29 Cent je Liter, was Flotten mit 50 Fahrzeugen jährliche Kostenvorteile von 522.000 Euro verschafft.
- Anhaltend hohe Kosten und Wettbewerbsdruck könnten laut Verband Lieferketten, Supermarktversorgung und industrielle Produktion in Deutschland erheblich beeinträchtigen.
Dieselkosten und Doppelbelastung im deutschen Markt
Verbandschef Dirk Engelhardt beschreibt die Lage als zunehmend angespannt, weil sich Hilferufe aus der Branche häufen. Nach seiner Darstellung gehen vielen Betrieben wegen der hohen Dieselpreise schrittweise die finanziellen Spielräume aus. Besonders kritisch bewertet der Verband, dass Unternehmen in Deutschland sowohl über die Maut als auch über den Kraftstoff mit CO₂-Abgaben belastet werden.
Diese Zusatzkosten summieren sich laut dem Verband auf 17 bis 20 Cent je Liter. Engelhardt fordert deshalb kurzfristige Entlastungsmaßnahmen durch die Bundesregierung. Er verweist dabei auf Nachbarländer, die bereits steuerlich oder regulatorisch in den Kraftstoffmarkt eingegriffen haben.
Preisvorteile im Ausland erhöhen den Wettbewerbsdruck
Als Beispiel nennt der Bericht Polen, wo unter anderem die Spritsteuer gesenkt und Preise gedeckelt worden sind. Nach Darstellung des Branchenverbands liegt der Netto-Dieselpreis dort aktuell um 29 Cent je Liter unter dem deutschen Niveau. Für eine Flotte mit 50 Fahrzeugen kann sich daraus demnach ein jährlicher Kostenvorteil von 522.000 Euro ergeben.
Der Verband sieht darin einen deutlichen Wettbewerbsnachteil für deutsche Anbieter. Hinzu kommt, dass ausländische Lastwagen mit einer Reichweite von rund 3.000 Kilometern Deutschland durchqueren können, ohne hier tanken zu müssen. Während heimische Unternehmen die höheren inländischen Preise tragen, können ausländische Wettbewerber günstiger im Heimatmarkt oder in Drittstaaten tanken.
Folgen für Lieferketten und Industrie
Die Branche warnt, dass ein breiter Stellenabbau nicht nur den Transportsektor selbst treffen würde. Weniger verfügbare Fahrer und wirtschaftlich geschwächte Speditionen könnten aus Sicht des Verbands die Versorgung des Handels und der Industrie beeinträchtigen. Genannt werden Risiken für Supermarktbelieferung, Produktionsabläufe in Fabriken und die allgemeine Wirtschaftsentwicklung in Deutschland.
Damit rückt die Kostenentwicklung im Straßengüterverkehr zu einem breiteren Standortthema auf. Steigende Betriebsausgaben, verschärfter Preiswettbewerb und unterschiedliche staatliche Eingriffe in Europa verändern nach Einschätzung des Verbands die Marktbedingungen zulasten deutscher Unternehmen. Ohne Gegenmaßnahmen könnte sich der Druck auf Beschäftigung und Margen im Logistiksektor weiter erhöhen.
Wir berichteten bereits über die weiter steigenden Spritpreise an deutschen Tankstellen trotz neuer Maßnahmen der Bundesregierung. Im Fokus standen dabei die Preissprünge rund um die 12-Uhr-Umstellung, neue Rekorddurchschnittswerte bei Benzin und Diesel sowie der zusätzliche Kostendruck durch einen sprunghaften Ölpreisanstieg.
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