Deutschland steuert auf LNG-Lieferabkommen mit Kanada zu

Deutschland steuert auf LNG-Lieferabkommen mit Kanada zu
LNG-Deal mit Kanada?

Deutschland und Kanada stehen vor einem möglichen LNG-Abkommen, das die deutsche Gasversorgung breiter aufstellen soll. Im Raum steht nach Medienberichten eine jährliche Lieferung von 1 Million Tonnen über das geplante Exportterminal Ksi Lisims in British Columbia, eine offizielle Bestätigung gibt es bislang aber nicht.

Höhepunkte

  • Sefe soll am Mittwoch als Abnehmer ein LNG-Lieferabkommen mit Kanada über jährlich 1 Million Tonnen aus dem geplanten Ksi Lisims-Terminal abschließen.
  • Ksi Lisims in British Columbia wird mit einer Kapazität von 12 Millionen Tonnen LNG pro Jahr zu den größten kanadischen Exportanlagen zählen.
  • Das Abkommen mit Kanada soll Deutschlands Energieversorgung diversifizieren und könnte angesichts geopolitischer Unsicherheiten die Abhängigkeit von U.S.-Gas verringern.

Möglicher Liefervertrag über Ksi Lisims

Wie Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, will Kanadas Energieminister Tim Hodgson die Vereinbarung am Mittwoch in Vancouver bekanntgeben. Demnach soll das deutsche Staatsunternehmen Sefe als Abnehmer auftreten und LNG aus dem geplanten Exportterminal Ksi Lisims beziehen.

Das Projekt an der Küste von British Columbia ist auf eine Kapazität von 12 Millionen Tonnen LNG pro Jahr ausgelegt und würde damit zu den größten Exportanlagen des Landes zählen. Den Berichten zufolge könnten davon 1 Million Tonnen nach Deutschland gehen. Bereits zuvor haben auch Shell und TotalEnergies langfristige Abkommen über 20 Jahre mit Ksi Lisims geschlossen.

Sefe, kurz für Securing Energy for Europe, ist aus der deutschen Tochter des russischen Gazprom-Konzerns hervorgegangen und wurde 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verstaatlicht. Das Unternehmen soll die deutsche Energieversorgung diversifizieren, ein Lieferabkommen mit Kanada würde dieses Ziel stützen.

Logistik und strategische Bedeutung für Europa

Offen ist weiterhin, ab wann tatsächlich Gas nach Deutschland fließen könnte, denn mit dem Bau des Terminals wurde bislang noch nicht begonnen. Zudem liegt Ksi Lisims am Pazifik und ist damit geografisch näher an asiatischen Absatzmärkten als an Europa.

Zur Transportfrage sagt Hodgson laut Bloomberg, es gebe mehrere Optionen für Lieferungen nach Europa. Ein Teil der Schiffe könne den Panamakanal nutzen, andere könnten ihn umfahren; zudem seien Tauschgeschäfte mit Abnehmern denkbar, um LNG-Ladungen näher an Europa verfügbar zu machen.

Der Minister verweist demnach auch auf das Interesse europäischer Staaten, ihre Abhängigkeit von U.S.-Gas nicht zu groß werden zu lassen. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und der Suche nach stabileren Bezugsquellen könnte ein Abkommen mit Kanada für Deutschland und den europäischen Gasmarkt an strategischer Bedeutung gewinnen.

In unserem früheren Beitrag zur hohen Volatilität der Erdgaspreise haben wir erläutert, wie geopolitische Risiken und Störungen an LNG-Exportterminals die Sorge vor Lieferunterbrechungen verstärken – insbesondere mit Blick auf kritische Routen wie die Straße von Hormus. Zudem wurde aufgezeigt, dass das vergleichsweise langsame Tempo der europäischen Gasspeicherbefüllung und der Wettbewerb mit Asien um LNG-Ladungen den Markt besonders empfindlich für Versorgungsnachrichten machen. Gleichzeitig verwiesen wir auf die Aussicht, dass ab 2026 zusätzliche LNG-Mengen unter anderem aus Nordamerika das Angebot ausweiten und den Preisdruck mittelfristig dämpfen könnten.

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