Bundestag fordert mehr Förderung für Bauinnovationen und nachhaltige Materialien
Im Bauwesen wächst der Druck, Klimaziele, Ressourcenknappheit und steigende Kosten zugleich zu bewältigen. Sachverständige machen in einem Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen deutlich, dass dafür mehr Fördermittel und schnellere Marktanreize nötig sind.
Höhepunkte
- Experten im Bundestag fordern stärkere Förderung für Bauinnovationen und nachhaltige Materialien angesichts Klimawandel, Ressourcenknappheit und geringem Forschungsbudget.
- Professor Mechtcherine stellt mit dem Projekt CARE mineralbasierte, CO2-neutrale Alternativen zu Beton und materialeffiziente Konstruktionsmethoden als Zukunftsperspektiven vor.
- Branchenvertreter kritisieren langsame baurechtliche Zulassungsverfahren und mangelnde Anreize für Recycling-Baustoffe, loben aber KfW-Fördermittel und fordern gezielte Unterstützung sowie weniger Bürokratie.
Fachgespräch rückt Förderbedarf und neue Baustoffe in den Fokus
Wie der Deutsche Bundestag (hib) berichtet, fordern die zu einem öffentlichen Fachgespräch zum Thema nachhaltiges Bauen geladenen Sachverständigen eine stärkere Unterstützung für Innovationen in der Bauwirtschaft.Professor Viktor Mechtcherine, Direktor des Instituts für Baustoffe an der TU Dresden, sagt, die Herausforderungen des Klimawandels und der Ressourcenknappheit ließen sich nur mit einem tiefgreifenden technologischen und organisatorischen Wandel bewältigen. Im Bauwesen dominiere weiterhin Beton mit einem Anteil von 80 Prozent am gesamten Bauvolumen. Wegen des großen Materialeinsatzes sei die Branche zugleich ein wesentlicher Verursacher von Treibhausgasemissionen und hohem Ressourcenverbrauch, während Forschungsinvestitionen vergleichsweise niedrig blieben.
Mechtcherine beschreibt mit dem Projekt CARE einen Ansatz für kohlenstoffneutrale, mineralbasierte Alternativen zu Beton, die mithilfe von Mikrochemie aus Kohlendioxid und Abfallstoffen unter Nutzung erneuerbarer Energie hergestellt werden sollen. Neben neuen Materialien seien auch grundlegend neue Konstruktions- und Bemessungsmethoden nötig, um massive und ressourcenintensive Strukturen durch materialeffiziente Designs zu ersetzen. Als Beispiele für den Wissenstransfer in die Praxis nennt er Vollwand-3D-Druck mit Beton und Carbonbeton-Bauwerke, die durch Langlebigkeit und geringeren Wartungsaufwand Vorteile gegenüber Stahlbeton hätten.
Branche drängt auf weniger Bürokratie und verlässliche Anreize
Dagmar Fritz-Kramer, Mitglied der Geschäftsführung der Bau-Fritz GmbH & Co. KG, verweist auf eine nach ihren Worten sehr starke und innovative Baustoffindustrie in Deutschland. Für deren Produkte brauche es neben Forschung auch Wege zu einer schnelleren Markteinführung, damit nachhaltiges Bauen breiter im Markt ankomme.Sie bewertet die seit 2023 verfügbaren KfW-Fördermittel mit zinsvergünstigten Darlehen für nachhaltige Gebäude als wichtigen Schritt und spricht sich dafür aus, das QNG-Siegel beizubehalten. Auch die degressive Abschreibung im nachhaltigen Mietwohnungsbau solle aus ihrer Sicht fortgeführt werden. Zugleich nennt sie Bürokratie als zentrales Innovationshemmnis, weil baurechtliche Zulassungen für Baumaterialien zu lange dauerten.
Nach Einschätzung von Fritz-Kramer fehlt außerdem eine gezielte Förderung für recycelte und nachwachsende Baustoffe. Wenn Recycling-Beton deutlich teurer sei als Primärrohstoffe, lasse er sich nur schwer im Markt durchsetzen. Sie plädiert deshalb zusätzlich für Unterstützung bei der Bestandsanalyse sowie für die Kombinierbarkeit von Sanierungs- und Neubauförderung.
In unserem früheren Beitrag zur Novelle des Baugesetzbuchs haben wir dargestellt, wie die Bundesregierung im Bundestagsausschuss schnellere und digitalisierte Planungs- und Beteiligungsverfahren im Wohnungsbau vorantreiben will. Dabei ging es auch um strittige Punkte wie mögliche Abstriche bei Umweltprüfungen sowie die Debatte um kommunale Instrumente wie das Vorkaufsrecht und Maßnahmen gegen Schrottimmobilien.
Neueste Lynex Nachrichten
- Forex
- Crypto