EU-Tourismussektor startet Akademie gegen Fachkräftemangel
Der europäische Tourismussektor steht trotz hoher Nachfrage und milliardenschwerer Umsätze unter wachsendem Anpassungsdruck. Vor allem der Mangel von rund einer Million Fachkräften soll mit einer neuen europäischen Tourismusakademie und stärkerer Aus- und Weiterbildung aufgefangen werden.
Höhepunkte
- EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas kündigt die Gründung einer europaweiten Tourismusakademie an, um dem Fachkräftemangel von rund einer Million Beschäftigten mit Umschulungen und KI-basierten Weiterbildungen zu begegnen.
- Im Herbst 2024 will die EU-Kommission eine Tourismusstrategie mit Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit, Klimawandel, krisenresilienter Infrastruktur und Bekämpfung von Übertourismus vorlegen.
- Die EU bleibt mit 582 Millionen internationalen Gästen und einem Branchenumsatz von etwa 807 Milliarden Euro führendes Reiseziel, plant aber zur Stärkung Bahnreisen durch eine Verdopplung des Hochgeschwindigkeitsnetzes bis spätestens 2040.
Akademie und Strategie für Europas Tourismus
Wie der Deutsche Bundestag berichtet, kündigte EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas in einer gemeinsamen Sitzung des Tourismusausschusses und des Verkehrsausschusses am Donnerstagmorgen die Gründung einer europäischen Tourismusakademie an. Damit will die EU die Branche europaweit stärken und gezielt auf den Fachkräftemangel reagieren.Nach Angaben des EU-Kommissars fehlen dem Tourismussektor in Europa rund eine Million Fachkräfte. Bei der Gewinnung von Personal setzt Tzitzikostas vor allem auf Umschulungen; in Aus- und Weiterbildung sollen zudem neue Technologien wie Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen.
Im Herbst will der Kommissar außerdem eine EU-Tourismusstrategie vorlegen, die die Wettbewerbsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt. Sie soll auch Antworten auf den Umgang mit dem Klimawandel, auf den Bedarf an krisenresilienter Infrastruktur und auf Probleme wie Übertourismus geben.
Wettbewerbsdruck, Krisen und neue Mobilität
Europa bleibt nach den Angaben des Kommissars das weltweit wichtigste Reiseziel. Im vergangenen Jahr besuchten 582 Millionen internationale Gäste die EU-Länder, dort wurden drei Milliarden Übernachtungen gezählt und die Branche erzielte demnach einen Umsatz von etwa 807 Milliarden Euro.Für Deutschland hob Tzitzikostas die starke Bedeutung des Inlandstourismus hervor. Mit einem Anteil von 81 Prozent an Binnenreisen liege Deutschland innerhalb der EU an der Spitze.
Gleichzeitig verweist der Kommissar auf die Verwundbarkeit der Branche durch externe Schocks. Als Beispiel nannte er den Anfang März ausgebrochenen Iran-Krieg, der erhebliche Auswirkungen auf die weltweite Reisetätigkeit habe und aus seiner Sicht die Bedeutung von Resilienz erneut unterstreiche.
Zudem sieht die EU-Kommission Bahnreisen als wichtigen Hebel für den Tourismus in Europa. Tzitzikostas verwies auf den bereits vorgelegten Masterplan für Hochgeschwindigkeitszüge, mit dem sich die Reisezeiten zwischen europäischen Metropolen bis spätestens 2040 deutlich verkürzen sollen; das bestehende Hochgeschwindigkeitsnetz soll dafür verdoppelt werden. Für die Verbindung Berlin-Kopenhagen nennt er als Ziel eine Fahrzeit von vier Stunden statt derzeit sieben Stunden oder mehr.
In unserem früheren Beitrag zur Nationalen Tourismusstrategie der Bundesregierung haben wir erläutert, wie flexiblere Arbeitszeitmodelle die stark saisonabhängige Branche entlasten sollen. Geplant ist ab 2027 eine stärkere Ausrichtung auf Wochenarbeitszeiten statt des klassischen Acht-Stunden-Tags, flankiert von Maßnahmen wie Bürokratieabbau, besserer Anbindung, mehr Mobilität sowie Digitalisierung und Elektrifizierung.
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