Bundeskartellamt legt Fokus auf Kraftstoffpreise, Digitalaufsicht und Fusionen im Handel

Bundeskartellamt legt Fokus auf Kraftstoffpreise, Digitalaufsicht und Fusionen im Handel
Kartellamt prüft Preise & Fusionen

Das Bundeskartellamt stellt seinen Jahresbericht 2025/26 in einer Phase erhöhter Preis- und Wettbewerbsrisiken in mehreren Schlüsselbranchen vor. Im Mittelpunkt stehen laufende Ermittlungen zu Kraftstoffpreisen, Verfahren gegen große Digitalkonzerne und eine verschärfte Fusionskontrolle im Lebensmitteleinzelhandel.

Höhepunkte

  • Andreas Mundt präsentiert den Jahresbericht 2025/26 und kündigt Ermittlungen gegen alle deutschen Raffinerie-Eigentümer wegen erheblicher Kraftstoffpreissteigerungen nach der Iran-Krise an.
  • Das Bundeskartellamt untersagt Amazon die Preisbeeinflussung auf dem deutschen Marketplace, verhängt erstmals eine Abschöpfung von rund 59 Mio. Euro und sieht eine Beschwerde beim Bundesgerichtshof anhängig.
  • Im Fusionskontrolljahr 2025 prüft das Bundeskartellamt 876 Zusammenschlüsse, gibt 36 tegut-Übernahmen durch Tante Enso frei, während größere Deals wie EDEKA und REWE weiter untersucht werden.

Schwerpunkte der Aufsicht 2025/26

Wie das Bundeskartellamt mitteilte, hat Behördenpräsident Andreas Mundt den Jahresbericht 2025/26 vorgestellt und dabei die Sicherung funktionierender Märkte als zentrale Aufgabe der Wettbewerbsaufsicht hervorgehoben.

Nach Beginn der Iran-Krise kommt es auf den Kraftstoffmärkten zu erheblichen Preissteigerungen. Auf Grundlage des neuen Kraftstoffmaßnahmenpakets nimmt die Behörde unmittelbar Ermittlungen auf und eröffnet Verfahren gegen die Eigentümer aller deutschen Raffinerien. Nach Angaben des Bundeskartellamts müssen die Unternehmen nun ihre Kostenstrukturen offenlegen und darlegen, dass ihre Preise gerechtfertigt sind.

Seit Inkrafttreten der 12-Uhr-Regel überwacht die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe automatisch, ob Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Mögliche Verstöße erfasst das Bundeskartellamt und leitet die Daten an die zuständigen Landesbehörden weiter, die für Sanktionen zuständig sind.

In der Digitalwirtschaft zählt der Abschluss des Verfahrens gegen Amazon zu den zentralen Punkten des Berichts. Die Behörde untersagt dem Konzern, die Preise von Händlern auf dem deutschen Amazon Marketplace in der bisherigen Form zu beeinflussen, und setzt erstmals eine Abschöpfung wirtschaftlicher Vorteile von bislang rund 59 Mio. Euro fest. Amazon legt Beschwerde ein, das Verfahren ist beim Bundesgerichtshof anhängig.

Weitere Verfahren gegen große Digitalkonzerne laufen weiter, darunter das Verfahren zu Apples App Tracking Transparency Framework, das das Bundeskartellamt gemeinsam mit mehreren europäischen Wettbewerbsbehörden koordiniert. Auch die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Marktmacht und Datennutzung spielen nach Angaben der Behörde in mehreren Verfahren bereits eine Rolle.

Die Kartellverfolgung bleibt ein Kerngeschäft der Behörde. Im Jahr 2025 vereinnahmt das Bundeskartellamt rund 18 Mio. Euro an Bußgeldern, erhält 815 Hinweise auf mögliche Kartellrechtsverstöße und führt vier eigene Durchsuchungsaktionen sowie sechs weitere im Rahmen der Amtshilfe durch.

Folgen für Handel, Energie und Vergabe

Ein aktueller Schwerpunkt der Fusionskontrolle liegt im Lebensmitteleinzelhandel. Das Bundeskartellamt gibt den Erwerb von 36 tegut-Standorten durch Tante Enso frei, während weitere Filialpakete von Unternehmen des EDEKA-Verbunds und der REWE-Gruppe in laufenden Hauptprüfverfahren untersucht werden. Dabei prüft die Behörde die Auswirkungen sowohl auf die Absatzmärkte als auch auf die Beschaffungsmärkte.

Im Jahr 2025 prüft das Bundeskartellamt insgesamt 876 Zusammenschlussvorhaben. Zwei Vorhaben werden vertieft untersucht, zudem wird die Übernahme mehrerer Schlachthöfe von Vion durch die Tönnies-Gruppe wegen erheblicher Wettbewerbsbedenken untersagt.

Neben der Fusionskontrolle laufen Missbrauchsverfahren gegen Coca-Cola und die EDEKA-Gruppe wegen möglicher wettbewerbswidriger Rabatt- und Konditionenpraktiken. Weitere Verfahren betreffen Temu sowie Vodafone und dessen Tochter Vantage Towers.

Im Pressevertrieb billigt die Behörde die Reformpläne der Arbeitsgruppe "Fit-For-Future" zum Presse-Grosso nach wesentlichen Anpassungen. Entscheidend sind dabei ein diskriminierungsfreier Zugang für alle Verlage sowie die flächendeckende Versorgung mit Presseerzeugnissen.

Abgeschlossen sind inzwischen die Verfahren im Zusammenhang mit den Energiepreisbremsen. Insgesamt werden rund 218 Mio. Euro an Ausgleichszahlungen an den Bundeshaushalt zurückgeführt, zugleich zeigt sich laut Behörde, dass sich die überwiegende Zahl der geprüften Unternehmen regelkonform verhält.

Bei den Vergabekammern des Bundes werden im Jahr 2025 insgesamt 132 Nachprüfungsanträge gestellt. Im Wettbewerbsregister sind rund 24.500 Unternehmen eingetragen, darunter etwa 7.850 Neueintragungen, während rund 7.600 Auftraggeber registriert sind und die Zahl der Abfragen bei etwa 1.100 pro Tag liegt.

In unserem früheren Artikel zum Auslaufen des Tankrabatts haben wir beschrieben, wie es bereits kurz vor Fristende zu spürbaren Preissprüngen an deutschen Tankstellen kam und viele Autofahrer wegen erwarteter Aufschläge noch einmal vorab tankten. Außerdem haben wir die politische Debatte über stärkere Eingriffe in die Spritpreisbildung eingeordnet – inklusive der Diskussion um eine strengere Kontrolle und die 12-Uhr-Regel.

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