JPMorgan-CEO sieht Risiken beim Kauf von US-Aktien und -Anleihen

JPMorgan-CEO sieht Risiken beim Kauf von US-Aktien und -Anleihen
Jamie Dimon ist vorsichtig beim Kauf von Aktien

JPMorgan Chase CEO Jamie Dimon ist der Ansicht, dass Anleger die Risiken für die Weltwirtschaft unterschätzen. Zu den aktuellen Preisen würde er weder den breiten Aktienmarkt noch langlaufende US-Staatsanleihen kaufen.

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In einem Interview mit CNBC erklärte er, dass die Märkte die wachsende Zahl geopolitischer und fiskalischer Bedrohungen nicht vollständig berücksichtigen. Dazu gehören die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, die Spannungen zwischen den USA und China, steigende Militärausgaben und sich ausweitende Haushaltsdefizite.

Laut dem Chef von JPMorgan ist es schwierig zu bestimmen, welche Risiken bereits in den Vermögenspreisen eingepreist sind. Die Märkte können jedoch die realen Folgen eines potenziellen schweren Schocks nicht vollständig im Voraus einpreisen.

Vorsicht trotz Marktrallye

Dimons Kommentare stehen im Gegensatz zur Anlegerstimmung, da die Märkte zuletzt über Kriege, Handelsbeschränkungen und andere Bedrohungen hinweggesehen haben. Der S&P 500 hat seit Jahresbeginn fast 10 % zugelegt, gestützt durch robuste Konsumausgaben, eine nachlassende Inflation und das starke Interesse an Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz.

Die jüngsten starken Quartalsergebnisse von JPMorgan und anderen Großbanken haben zudem die Ansicht bestärkt, dass die US-Wirtschaft die geopolitische Instabilität besser bewältigt als erwartet. Steigende Einnahmen im Handel und Investmentbanking halfen den Finanzunternehmen, starke Ergebnisse zu erzielen.

Dimon räumte ein, dass die Weltwirtschaft widerstandsfähiger geworden ist, da sie weniger von Energie abhängig ist als in früheren Jahrzehnten. Dies schließe jedoch einen plötzlichen Wendepunkt nicht aus. Er sagte, eine Krise erfordere möglicherweise eine größere Anzahl negativer Faktoren, aber deren kombinierte Auswirkung könnte letztendlich zu schwerwiegenden Folgen führen.

Defizite könnten Zinsen in die Höhe treiben

Dimon ist besonders besorgt über die anhaltenden US-Haushaltsdefizite. Er erwartet, dass diese langfristig zu einem Problem werden und potenziell die Zinssätze nach oben treiben könnten.

Seiner Ansicht nach werden Anleiheinvestoren höhere Renditen als Gegenleistung für die Finanzierung von Staatsschulden verlangen. Aus diesem Grund sieht Dimon wenig Attraktivität in langlaufenden Staatsanleihen.

Selbst wenn die Inflation zum 2%-Ziel der Federal Reserve zurückkehrt, sollte die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe seiner Meinung nach im Bereich von 4 % bis 4,5 % liegen. Dies würde nur begrenzten Spielraum für steigende Anleihekurse lassen.

Aktien wirken ebenfalls teuer

Dimon äußert sich auch gegenüber dem Aktienmarkt vorsichtig. Er sagte, er würde eventuell Anteile an einem einzelnen Unternehmen kaufen, wenn er diese für eine wirklich attraktive Investition hielte. Er ist jedoch nicht bereit, den breiteren Markt zu den aktuellen Bewertungen zu kaufen.

Der JPMorgan-Chef schlug zudem gemäßigte Töne in Bezug auf künstliche Intelligenz an und verglich den heutigen Investitionsboom mit den frühen Tagen des Internets.

Er sagte, dass sich die enormen Summen, die in KI investiert werden, insgesamt wahrscheinlich auszahlen werden, so wie es auch bei den Internet-Investitionen schließlich der Fall war. Die Unternehmen, die davon profitieren, sind jedoch möglicherweise nicht diejenigen, auf die die Anleger heute setzen.

Dimon merkte an, dass frühe Internet-Pioniere wie Yahoo und Netscape schließlich an Boden verloren, während spätere Gewinner wie Google und Facebook erst danach auftauchten. KI könnte daher langfristig die Erwartungen erfüllen, aber nicht unbedingt in der Form oder innerhalb des Zeitrahmens, den Investoren derzeit erwarten.

Sollten Anleger auf Dimon hören?

Jamie Dimons Kommentare verdienen ernsthafte Aufmerksamkeit, nicht zuletzt deshalb, weil er mehr tut, als nur JPMorgan Chase, eines der weltweit größten Finanzinstitute, zu leiten. In Jahrzehnten in der Bankenbranche hat er sich einen Ruf als einer der einflussreichsten Experten für die Weltwirtschaft, Kreditmärkte und Finanzrisiken erarbeitet. Seine Einschätzungen stützen sich auf Daten, die die Bank von Millionen von Kunden, Großunternehmen, Investoren und Regierungsinstitutionen weltweit erhält.

Dimon spricht regelmäßig auf bedeutenden internationalen Foren, darunter das Weltwirtschaftsforum in Davos, wo er mit Politikern, Zentralbankvertretern und globalen Unternehmensführern über die Lage der Wirtschaft diskutiert. Seine Äußerungen sollten jedoch nicht als präzise Prognose oder direkte Empfehlung zum Verkauf von Vermögenswerten verstanden werden. Dimon ist für seine vorsichtigen Einschätzungen bekannt und warnt oft weit im Voraus vor Risiken, sodass seine Aussagen eher als Signal zu verstehen sind, Bewertungen, Anlagehorizonte und die Widerstandsfähigkeit von Portfolios genauer zu prüfen.

JPMorgan war zudem ein aktiver Kritiker der vorgeschlagenen Reformen der US-Bankenkapitalvorschriften.

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