Nach dem Rückzug eines Insolvenzplans verschärft sich die Lage bei der traditionsreichen Vivanco-Gruppe in Ahrensburg deutlich. Das Amtsgericht Reinbek hebt die Eigenverwaltung auf, womit seit dem 1. August ein Insolvenzverwalter die Führung des Unternehmens übernimmt.
Das Wichtigste
- Das Amtsgericht Reinbek hebt nach Rückzug des Insolvenzplans die Eigenverwaltung von Vivanco und der Vivanco-Gruppe im Insolvenzverfahren auf.
- Seit dem 1. August führt Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt das Verfahren, nachdem die Perspektive für eine eigenständige Sanierung gescheitert ist.
- Im März 2025 verkauft Vivanco das deutsche Unterhaltungselektronikgeschäft inklusive Markenrechten an SBS in Italien, womit ein wichtiger, jedoch verlustreicher Umsatzträger wegfällt.
Gerichtsentscheidung und Sanierungsverlauf
Wie BILD.de berichtet, hebt das Amtsgericht Reinbek die Eigenverwaltung der Vivanco GmbH und der Vivanco-Gruppe GmbH im Insolvenzverfahren auf, nachdem das Unternehmen zuvor einen Insolvenzplan zurückgezogen hat.Seit dem 1. August steuert Rechtsanwalt Peter-Alexander Borchardt als Insolvenzverwalter das Verfahren. Zu einer Stellungnahme äußert er sich auf Anfrage nicht. Die Gesellschaft hatte im Februar 2026 Insolvenz in Eigenverantwortung angemeldet, nun verschlechtert sich die Perspektive für eine eigenständige Neuaufstellung weiter.
Als Ursachen der Krise nennt das Unternehmen harten Preiswettbewerb, den Rückgang des stationären Handels und günstige Angebote im Internet. Das Restunternehmen wollte sich nach dem Umbau auf zukunftsfähige Bereiche wie Dienstleistungen für den Einzelhandel konzentrieren, doch diese Neuausrichtung gelingt bislang offenbar nicht.
Verkäufe, Markenrechte und Bedeutung für den Elektronikmarkt
Bereits im März 2025 stößt die Vivanco-Gruppe ihr inländisches Geschäft mit Unterhaltungselektronik an SBS in Italien ab, nachdem der Investor zuvor schon das Auslandsgeschäft übernommen hatte. Mit der Transaktion gehen auch die Rechte an der Marke Vivanco an den Käufer über.Mit dem Verkauf fällt ein wichtiger Umsatzträger weg, auch wenn dieser Bereich seit Jahren Verluste schreibt. Zu den bekanntesten Produkten des Unternehmens zählt das Babyfon, das 2008 startet, stark nachgefragt ist und weltweit exportiert wird.
Vivanco wird 1920 in Hamburg gegründet und verlegt seinen Sitz 1976 nach Ahrensburg. 1999 geht das Unternehmen an die Börse, bevor die Aktiengesellschaft im Herbst 2025 in eine GmbH umgewandelt wird. Die Entwicklung unterstreicht den anhaltenden Druck im deutschen Markt für Elektronikzubehör, in dem Preiswettbewerb und der Wandel im Vertrieb etablierte Anbieter weiter belasten.
Zur Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland haben wir zuvor berichtet, dass die Fallzahlen 2026 zur Jahresmitte auf rund 12.900 steigen und damit den höchsten Stand seit 2013 erreichen. Laut einer Einschätzung von Creditreform könnte die Insolvenzwelle bei unveränderten Rahmenbedingungen bis Mitte 2027 anhalten, wobei auch größere, gewachsene Unternehmen betroffen sind. Als Treiber werden unter anderem schwache Nachfrage, geopolitische Belastungen sowie hohe Energiepreise, Steuern und Bürokratie genannt, was den Druck auf viele Geschäftsmodelle weiter erhöht.
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