Deutsche Haushalte verzeichnen Rückgang des Geldvermögens im ersten Quartal
Negative Bewertungseffekte belasten das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im ersten Quartal 2026 trotz anhaltender Mittelzuflüsse in Finanzanlagen. Zum Quartalsende liegt das Vermögen bei 9.490 Milliarden Euro, während auch die Außenfinanzierung nichtfinanzieller Unternehmen gegenüber dem Vorquartal anzieht.
Höhepunkte
- Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland sinkt im ersten Quartal 2026 um 28 Milliarden Euro auf 9.490 Milliarden Euro infolge hoher Bewertungsverluste.
- Bewertungsverluste, insbesondere bei Aktien (61 Milliarden Euro), Investmentfonds (24 Milliarden Euro) und Schuldverschreibungen (3 Milliarden Euro), belasten die Kapitalanlagen privater Haushalte erheblich.
- Die Außenfinanzierung nichtfinanzieller Unternehmen steigt um 20 Milliarden Euro auf 56 Milliarden Euro, während deren Nettogeldvermögen sich um 152 Milliarden Euro verbessert.
Bewertungsverluste prägen Quartalsbilanz
Wie die Deutsche Bundesbank mitteilte, bauen private Haushalte im ersten Quartal 2026 per saldo finanzielle Forderungen von 94 Milliarden Euro auf, können damit die Bewertungsverluste von insgesamt 122 Milliarden Euro aber nicht ausgleichen. Das Geldvermögen sinkt dadurch gegenüber Ende 2025 um 28 Milliarden Euro auf 9.490 Milliarden Euro.Belastet wird das Finanzmarktumfeld durch höhere Unsicherheit infolge des Kriegs im Nahen Osten. Steigende Energiepreise, höhere kurzfristige Inflationserwartungen und wachsende Zinserwartungen drücken vor allem auf kapitalmarktnahe Anlagen.
Private Haushalte erhöhen ihre Bestände an Bargeld und Sichteinlagen um 6 Milliarden Euro, zugleich steigen auch Termineinlagen um 6 Milliarden Euro. Spareinlagen und Sparbriefe gehen dagegen per saldo um 1 Milliarde Euro zurück und setzen damit den seit dem zweiten Quartal 2024 laufenden Abwärtstrend fort.
Die Kapitalmarktorientierung bleibt dennoch bestehen. Schuldverschreibungen werden per saldo für 7 Milliarden Euro erworben, Aktien und sonstige Anteilsrechte für 9 Milliarden Euro sowie Investmentfondsanteile für 27 Milliarden Euro. Gleichzeitig entstehen Bewertungsverluste von 3 Milliarden Euro bei Schuldverschreibungen, 61 Milliarden Euro bei Aktien und sonstigen Anteilsrechten sowie 24 Milliarden Euro bei Investmentfondsanteilen.
Die reale Gesamtrendite des Geldvermögens bleibt nach der Aufgliederung entlang der Nettovermögensverteilung nur für die vermögendsten 10 Prozent der Haushalte positiv. Auch dort fällt sie wegen spürbarer Kursrückgänge an den Kapitalmärkten deutlich niedriger aus.
Die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte bleiben weitgehend unverändert und steigen leicht auf 2.180 Milliarden Euro. Wegen einer nur niedrigen und erneut rückläufigen Kreditaufnahme von 5 Milliarden Euro sinkt die Verschuldungsquote auf 48,4 Prozent; das Nettogeldvermögen geht um 32 Milliarden Euro auf 7.310 Milliarden Euro zurück.
Unternehmensfinanzierung zieht leicht an
Die Außenfinanzierung der nichtfinanziellen Unternehmen in Deutschland steigt im ersten Quartal 2026 um 20 Milliarden Euro auf 56 Milliarden Euro. Treiber ist vor allem eine höhere Kreditaufnahme, die sich auf 32 Milliarden Euro beläuft, wobei sowohl inländische Banken als auch ausländische Kreditgeber mehr Finanzierungen bereitstellen.Eine grundlegende Trendwende sieht die Bundesbank darin jedoch nicht. Auf Jahressicht bleibt die Außenfinanzierung, gemessen an gleitenden Vierquartalssummen, wenig dynamisch, und die Seitwärtsbewegung der vergangenen Quartale setzt sich weitgehend fort. Als Ursachen nennt sie die schwierige Wirtschaftslage und die weiterhin hohe wirtschaftspolitische Unsicherheit.
Neben Krediten greifen die Unternehmen auch auf den Kapitalmarkt zurück. Schuldverschreibungen werden per saldo im Umfang von 5 Milliarden Euro emittiert, nach 2 Milliarden Euro im Vorquartal, während die Emission von Aktien und sonstigen Anteilsrechten mit 17 Milliarden Euro leicht unter dem Vorquartalswert liegt.
Insgesamt steigt das Geldvermögen der nichtfinanziellen Unternehmen um 31 Milliarden Euro auf 9.069 Milliarden Euro. Wegen rückläufiger Verbindlichkeiten verbessert sich das Nettogeldvermögen gegenüber dem Vorquartal um 152 Milliarden Euro auf minus 2.964 Milliarden Euro.
In unserem früheren Artikel zum Ölschock durch die Eskalation im Nahen Osten haben wir erläutert, wie der Anstieg der Brent-Preise die Inflationsdebatte in Europa erneut anheizt und die EZB vor eine schwierigere Zinsentscheidung stellt. Im Fokus standen dabei die höhere Unsicherheit an den Märkten, steigende Renditen sowie das Risiko, dass teurere Energie Inflationserwartungen verstärkt, während das Wachstum zugleich schwach bleibt.
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