Yen auf historischem Tief: US-Zinskluft setzt Japan weiter unter Druck
Der Yen fiel gegenüber dem Dollar auf den schwächsten Stand seit 1986, was die japanischen Behörden erneut unter Druck setzt, die Währung zu verteidigen. Der Fall unter die Marke von 162 pro Dollar hat die Sorge neu entfacht, dass Tokio erneut am Devisenmarkt intervenieren könnte, auch wenn Händler bezweifeln, ob eine Intervention den durch Zinsdifferenzen und Dollarnachfrage getriebenen Rückgang umkehren kann.
Höhepunkte
- Der Yen schwächte sich auf über 162 pro Dollar ab, den niedrigsten Stand seit 1986.
- Japan hat in diesem Jahr bereits rund 11,7 Billionen ¥ zur Stützung der Währung ausgegeben.
- Die Bank of Japan hob die Zinsen auf 1 % an, doch die Kluft zu den US-Zinsen bleibt groß.
- Eine weitere Yen-Schwäche könnte die Importkosten in die Höhe treiben und den Druck auf die Verbraucher erhöhen.
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Zinskluft setzt Yen unter Druck
Laut Reuters schwächte sich der Yen am Dienstag auf rund 162,4 pro Dollar ab, bevor er nahe 162,2 gehandelt wurde, womit sich eine Talfahrt fortsetzte, die die Währung auf Kurs für den vierten Quartalsrückgang in Folge hält. Die Bewegung spiegelt ein bekanntes Problem für Japan wider: Selbst nachdem die Bank of Japan ihren Leitzins auf 1 % angehoben hat – den höchsten Stand seit 1995 –, bleiben die US-Zinsen weitaus höher, und die Federal Reserve wird weiterhin als hawkish eingestuft.
Diese Kluft setzt den Yen unter Druck, da Anleger in Japan günstig Kredite aufnehmen und Geld in höher verzinsliche Anlagen im Ausland umschichten können. Spekulanten haben zudem Short-Positionen gegen den Yen wieder aufgebaut, was den Eindruck verstärkt, dass der Handel einseitig geworden ist.
Japan hat bereits hohe Summen ausgegeben, um den Verfall der Währung zu bremsen. Anfang des Jahres setzten die Behörden etwa 11,7 Billionen ¥ oder rund 72 Milliarden $ zur Stützung des Yen ein, doch die Entlastung erwies sich als vorübergehend. Der jüngste Durchbruch unter frühere Tiefststände hat die Märkte daher in Alarmbereitschaft für eine weitere Runde offizieller Käufe versetzt.
Tokio vor einer schwierigen Wahl
Japanische Beamte haben wiederholt erklärt, dass sie bereit sind, gegen übermäßige Währungsbewegungen vorzugehen, haben jedoch Formulierungen vermieden, die auf eine unmittelbar bevorstehende Intervention hindeuten würden. Diese Zurückhaltung ist von Bedeutung. Tokio strebt kein formelles Wechselkursniveau an, aber scharfe Bewegungen in der Nähe politisch sensibler Schwellenwerte ziehen oft stärkere Warnungen oder direktes Handeln nach sich.
Das Problem ist, dass Interventionen am besten funktionieren, wenn sie mit dem breiteren Markttrend gehen. Momentan begünstigt der Trend weiterhin den Dollar. Händler warten auf US-Arbeitsmarktdaten, die die Erwartungen für den nächsten Schritt der Fed prägen könnten. Sollten die Daten die Argumente für weitere US-Zinserhöhungen schwächen, hätte Japan eine bessere Chance, den Yen nach oben zu treiben. Bleiben die Daten stark, könnte jede Intervention den Rückgang lediglich verlangsamen.
Die Kosten einer schwachen Währung
Der Rückgang des Yen hilft japanischen Exporteuren, indem er Auslandseinnahmen in lokaler Währung wertvoller macht. Er hat auch Teile des Aktienmarktes gestützt, insbesondere Unternehmen mit hohen Auslandsumsätzen.
Für die Haushalte ist der Effekt schmerzhafter. Japan importiert den Großteil seiner Energie, und ein schwächerer Yen erhöht die Kosten für Öl, Gas, Lebensmittel und Strom. Dies verstärkt den Inflationsdruck und schafft ein politisches Problem für die Regierung. Je länger der Yen in der Nähe von Vier-Jahrzehnt-Tiefs bleibt, desto schwieriger wird es für Tokio, Marktstabilität, Verbraucherkosten und eine fragile wirtschaftliche Erholung in Einklang zu bringen.
Zuvor berichteten wir, dass Japan und China ihre Bestände an US-Staatsanleihen angesichts des Währungsdrucks reduziert haben.
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