Binance und iranische Verbindungen: Warum die Börse erneut Vorwürfen ausgesetzt ist

Binance und iranische Verbindungen: Warum die Börse erneut Vorwürfen ausgesetzt ist
Binances schwieriges Verhältnis zum Iran

​Binance steht erneut wegen Iran unter Druck: Medienberichten zufolge könnten Hunderte Millionen Dollar, die mit iranischen Strukturen in Verbindung stehen, über Konten geflossen sein, die mit der Börse verbunden sind. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück und betont, keine sanktionierten Personen bedient zu haben. Das Problem ist jedoch, dass die neuen Anschuldigungen genau die Schwachstelle treffen, die bereits zuvor dazu führte, dass die Börse eine Rekordstrafe zahlen musste und ihr Gründer, Changpeng Zhao, eine Gefängnisstrafe erhielt.

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Neue Vorwürfe und Binances Reaktion

Ausgelöst wurde der neue Skandal durch eine Recherche des Wall Street Journal. Laut dem Bericht könnten Gelder, die mit dem iranischen Finanzier Babak Zanjani, dem Krypto-Unternehmen Zedcex und Strukturen in der Nähe der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) in Verbindung stehen, über Konten bei Binance geflossen sein.

Das WSJ behauptet, dass Zanjanis Netzwerk innerhalb von zwei Jahren rund 850 Millionen US-Dollar über Binance bewegt habe. Schätzungen zufolge, auf die sich der Bericht beruft, könnten etwa 425 Millionen davon zur Finanzierung iranischer Militärstrukturen verwendet worden sein. Im Artikel heißt es außerdem, dass Konten aus Zanjanis Umfeld angeblich dieselben Geräte nutzten, während Binances interne Systeme Zugriffe aus Teheran erkannten und wiederholt Warnungen wegen möglicher Sanktionsumgehung ausgaben.

Binance wies die Vorwürfe zurück. Der CEO der Börse, Richard Teng, bezeichnete den WSJ-Artikel als „grundlegend unzutreffend“ und erklärte, das Unternehmen habe keine sanktionierten Personen bedient. Laut ihm bezogen sich etwaige verdächtige Aktivitäten auf einen Zeitraum, bevor die betreffenden Personen auf die US-Sanktionslisten gesetzt wurden. Das Unternehmen betonte zudem, dass Binance keine direkten Transaktionen mit sanktionierten Organisationen durchgeführt und einige der genannten Vorfälle bereits untersucht habe.

Binance besteht darauf, dass das aktuelle Kontrollsystem in der Lage ist, solche Risiken zu erkennen. Laut Teng hat das Unternehmen seit 2024 seine Compliance-Prozesse deutlich verstärkt, die Transaktionsüberwachung ausgebaut, Kundenprüfungen verbessert und Mechanismen zur Erkennung von Sanktionsrisiken optimiert. Die Börse argumentiert, dass diese Instrumente es ermöglichen, verdächtige Aktivitäten zu verfolgen, problematische Konten einzuschränken und Informationen mit Strafverfolgungsbehörden zu teilen.

Warum Iran wieder im Fokus steht

Die aufsehenerregende Recherche kam nicht aus dem Nichts. Bereits Anfang des Jahres musste Binance auf ähnliche Vorwürfe im Zusammenhang mit Iran reagieren. Damals berichteten Medien, dass Transaktionen im Wert von rund 1,7 Milliarden US-Dollar, die mit iranischen Gegenparteien und unter Sanktionsdruck stehenden Einheiten verbunden sind, über die Infrastruktur der Börse abgewickelt worden sein könnten.

In diesen Berichten wurden das in Hongkong ansässige Zahlungsunternehmen Blessed Trust und Hexa Whale Trading genannt. Medienberichten zufolge könnte Blessed Trust etwa 1 Milliarde US-Dollar für Konten mit Verbindungen zu iranischen Einheiten abgewickelt haben, während Hexa Whale große Mengen an Stablecoins in verbundene Netzwerke transferierte.

Auch US-Behörden wurden auf die Situation aufmerksam. US-Senatoren stellten Anfragen zu möglichen Verbindungen von Binance zu iranischen Organisationen, und das WSJ berichtete später, dass das US-Justizministerium die Nutzung der Börse zur Umgehung von Sanktionen prüfe. Binance selbst bestritt, wissentlich iranische Strukturen bedient zu haben, und reichte eine Klage gegen das WSJ ein, in der die Behauptungen der Zeitung als falsch und verleumderisch bezeichnet wurden.

Die alten Probleme der Börse und der Fall Changpeng Zhao

Für Binance war das Iran-Thema schon lange vor den WSJ-Recherchen ein Problem. Bereits 2023 sperrte die Börse Tausende Konten von Kunden aus Iran aufgrund von US-Sanktionen. Gleichzeitig hatte Binance laut Medienberichten zuvor jahrelang Händler und Unternehmen aus dem Land bedient, obwohl solche Aktivitäten verboten waren.

Später wurden sanktionsbezogene Vorwürfe Teil eines viel größeren Verfahrens gegen die Börse in den USA. 2023 räumte Binance Verstöße gegen Geldwäschevorschriften und Sanktionskontrollen ein, stimmte einer Rekordstrafe von 4,3 Milliarden US-Dollar zu und akzeptierte eine verstärkte Aufsicht. Für das Unternehmen war dies einer der schwersten juristischen Rückschläge seiner Geschichte.

Das Hauptsymbol dieser Krise war Changpeng Zhao. Der Gründer von Binance trat als CEO zurück und bekannte sich in einem Strafpunkt im Zusammenhang mit Verstößen gegen Geldwäschevorschriften schuldig. Zhao stimmte zudem einer persönlichen Geldstrafe von 50 Millionen US-Dollar zu. 2024 wurde er zu vier Monaten Haft verurteilt, verbüßte seine Strafe und wurde anschließend entlassen.

Wie Binance versucht, seine Wandlung zu beweisen

Nach der Einigung mit den US-Behörden versucht Binance, sich als regelkonformes Unternehmen zu präsentieren. Im Mittelpunkt dieser Verteidigung steht die Behauptung, dass die Börse ihren Ansatz bei Compliance, Sanktionskontrollen und Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden grundlegend geändert habe.

Binance betont zudem gesondert den technischen Charakter von Blockchain-Transaktionen. Die Argumentation der Börse: Öffentliche Blockchains sind transparent, jeder Nutzer kann Vermögenswerte an eine Einzahlungsadresse der Börse senden. Daher beweise allein die Tatsache, dass Gelder auf Binance-Adressen eingegangen sind, laut Unternehmen nicht, dass die Plattform wissentlich sanktionierte Strukturen bedient oder ihnen geholfen habe, Beschränkungen zu umgehen.

Genau hier liegt jedoch das Hauptproblem von Binance. Die Börse versucht zu beweisen, dass sie nach der Strafe, dem Rücktritt von CZ und der Umstrukturierung der internen Abläufe ein anderes Unternehmen geworden ist. Doch die neuen Vorwürfe rund um Iran führen immer wieder zur alten Frage zurück: Ist es Binance wirklich gelungen, sich von den Altlasten seines früheren Wachstumsmodells zu befreien, oder holen alte Sanktions- und Geldwäscherisiken das Unternehmen nur in neuer Form wieder ein?

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