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Regierungen suchen zunehmend nach Möglichkeiten, Einnahmen aus Kryptowährungen zu erzielen. In Europa werden neue Abgaben auf Krypto-Vermögenswerte derzeit als Teil des zukünftigen EU-Haushalts diskutiert, während in den USA Gesetzgeber vorschlagen, veraltete Steuervorschriften für digitale Vermögenswerte zu modernisieren. Vor diesem Hintergrund werden Krypto-Regulierung und Besteuerung immer stärker miteinander verflochten.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
In Europa werden Krypto-Steuern im Rahmen eines größeren Konzepts diskutiert: neue Einnahmequellen für den EU-Haushalt 2028-2034 zu finden. Laut Euronews schätzt die Europäische Kommission, dass neue Abgaben auf digitale Dienstleistungen, Online-Glücksspiel und Krypto-Vermögenswerte fast 11 Milliarden Euro pro Jahr einbringen könnten.
Für den Kryptomarkt werden zwei Optionen erwogen. Die erste ist eine Steuer auf das gesamte Volumen der Krypto-Transaktionen. Nach vorläufigen Schätzungen der Europäischen Kommission könnte eine Abgabe von 0,1 % auf den Transaktionswert jährlich 3 bis 4 Milliarden Euro einbringen. Wenn beispielsweise ein Nutzer oder Unternehmen eine Krypto-Transaktion im Wert von 10.000 € durchführt, würde diese Abgabe 10 € betragen.
Die zweite Option ist eine Kapitalertragsteuer auf Krypto-Vermögenswerte. In diesem Fall würde die Steuer nicht auf jede Transaktion, sondern auf den Gewinn erhoben. Wenn ein Investor beispielsweise Kryptowährung für 1.000 € kauft und für 1.500 € verkauft, beträgt die steuerpflichtige Basis 500 €. Die Europäische Kommission schätzt die potenziellen Einnahmen aus diesem Ansatz vorsichtiger – auf 1 bis 2,4 Milliarden Euro pro Jahr.
Bislang handelt es sich hierbei nicht um eine beschlossene Steuer, sondern um eine der Optionen, die im Rahmen der Verhandlungen über den zukünftigen EU-Haushalt diskutiert werden. Die Europäische Kommission selbst räumt ein, dass die Schätzungen unsicher bleiben. Gründe dafür sind die hohe Volatilität des Kryptomarktes und die Schwierigkeit, zu bestimmen, welchem Land ein bestimmter Nutzer oder eine Transaktion zuzuordnen ist.
In den USA wird ein anderer Ansatz für Krypto-Steuern diskutiert. Der amerikanische PARITY Act wirkt eher wie ein Versuch, Steuervorschriften zu aktualisieren, die mit der Marktentwicklung nicht Schritt halten.
Der Gesetzentwurf wurde bereits im US-Repräsentantenhaus eingebracht. Sein vollständiger Name lautet Digital Asset Protection, Accountability, Regulation, Innovation, Taxation and Yields Act. Die Initiatoren sind der Meinung, dass die aktuellen Regeln veraltet sind und Unsicherheit für Investoren, Unternehmen und Aufsichtsbehörden schaffen.
Der PARITY Act greift mehrere kontroverse Themen gleichzeitig auf. So schlägt er beispielsweise ein separates Regime für an den Dollar gekoppelte Stablecoins vor, damit solche „digitalen Dollars“ eher wie Bargeld genutzt werden können – ohne komplexe steuerliche Folgen für jede kleine Transaktion.
Ein weiterer Punkt betrifft Miner und Staker. Das Gesetz soll das Problem des sogenannten Phantom-Einkommens lösen, bei dem eine Steuerpflicht entstehen kann, bevor der Vermögenswert tatsächlich verkauft und Geld erhalten wurde. Das Dokument präzisiert zudem die Regeln für Krypto-Kredite, gemeinnützige Spenden in digitalen Vermögenswerten und professionelle Händler.
Der Gesetzentwurf befasst sich auch gesondert mit kleinen Krypto-Transaktionen. Das US-Finanzministerium und der IRS werden gebeten, die Möglichkeit einer De-minimis-Ausnahme zu prüfen – also einer potenziellen Steuerbefreiung für kleine Transaktionen. Die Behörden müssten die Belastung für Steuerzahler bewerten und gesondert untersuchen, wie viele Transaktionen bis zu 200 US-Dollar derzeit unter die Meldepflicht des IRS fallen.
Die neuen Initiativen sind nicht aus dem Nichts entstanden. In den USA werden Kryptowährungen bereits besteuert: Der IRS behandelt digitale Vermögenswerte als Eigentum, nicht als Währung. Daher kann der Verkauf, Tausch oder die Nutzung von Kryptowährungen ein steuerpflichtiges Ereignis darstellen, wenn ein Gewinn erzielt wird.
Wenn beispielsweise ein Investor Bitcoin für 10.000 US-Dollar kauft und für 15.000 US-Dollar verkauft, wird die Differenz von 5.000 US-Dollar in der Regel als Kapitalgewinn behandelt. Wenn jemand Kryptowährung durch Mining, Staking oder als Bezahlung für Arbeit erhält, kann dieses Einkommen als gewöhnliches Einkommen besteuert werden. Dadurch können selbst kleine Transaktionen komplexe Meldepflichten für Nutzer auslösen.
In Europa gibt es derzeit keine einheitliche Krypto-Steuer. MiCA legt gemeinsame Regeln für Krypto-Unternehmen, Stablecoins und Dienstleister fest, führt aber kein einheitliches Steuersystem für alle EU-Länder ein. Daher bleibt die Besteuerung von Krypto-Vermögenswerten Sache der einzelnen Staaten.
In der Praxis bedeutet das, dass die Regeln erheblich variieren können. In einem Land wird der Gewinn aus dem Verkauf von Kryptowährungen als Kapitalertrag besteuert, in einem anderen als Investitions- oder Geschäftseinkommen. Sätze, Ausnahmen, Haltefristen und der Umgang mit Einkommen aus Staking oder Mining können ebenfalls unterschiedlich sein.
Die Ansätze von Europa und den USA unterscheiden sich nicht nur in den Details, sondern auch in ihrer Grundlogik. In der EU werden Krypto-Steuern als mögliche Einnahmequelle für den gemeinsamen Haushalt diskutiert. In den USA liegt der Fokus anders: Der PARITY Act führt nicht so sehr eine neue Steuer ein, sondern versucht, bestehende Regeln für Nutzer, Investoren und Unternehmen klarer zu machen.
Gleichzeitig existieren Steuern in beiden Fällen nicht losgelöst von einer umfassenderen Krypto-Regulierung. In Europa könnten neue Abgaben auf dem bereits aktiven MiCA-Rahmenwerk aufbauen. Es führt keine einheitliche Krypto-Steuer für die gesamte EU ein, schafft aber eine klarere Marktinfrastruktur, auf der spätere Steuerentscheidungen aufsetzen können.
In den USA könnten andere derzeit diskutierte Gesetze neben dem PARITY Act eine ähnliche Rolle spielen. So soll der CLARITY Act die Zuständigkeiten von SEC und CFTC klarer abgrenzen und festlegen, welche digitalen Vermögenswerte eher Wertpapieren und welche eher Rohstoffen ähneln. Werden solche Regeln eingeführt, lassen sich Steuervorschriften in der Praxis leichter anwenden: Sowohl Regierung als auch Marktteilnehmer wissen dann besser, was genau reguliert wird, wer verantwortlich ist und welche Transaktionen meldepflichtig sind.
Der Unterschied zwischen der EU und den USA lässt sich daher so zusammenfassen: Europa baut zunächst einen gemeinsamen Markt für Krypto-Dienstleistungen auf und diskutiert dann neue Einnahmequellen für den Haushalt, während die USA versuchen, mehrere Lücken gleichzeitig zu schließen – bei Regulierung, Vermögensklassifizierung und Steuerberichterstattung. In beiden Fällen bewegt sich die Krypto-Branche schrittweise aus der Grauzone: zuerst durch Regulierung, dann durch klarere steuerliche Mechanismen.