Problem mit Krypto-IPOs: Wie prominente Listings zur Falle für Investoren wurden

Problem mit Krypto-IPOs: Wie prominente Listings zur Falle für Investoren wurden
Das Problem, vor dem Krypto-Unternehmen nach dem IPO stehen

​Viele Kryptowährungsunternehmen streben an die Börse. Doch ein IPO ist nicht immer ein Garant für Erfolg oder Kursgewinne. Der Markt ist zunehmend weniger bereit, jeden Preis für lautstarke Geschichten über Blockchain, Tokenisierung und neue Finanzinfrastrukturen zu zahlen.

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Der öffentliche Status ist kein Qualitätsmerkmal mehr

Bis vor kurzem galt das Börsendebüt eines Krypto-Unternehmens als Zeichen für die Reife der Branche. Wenn ein Unternehmen ein Listing abschließt, Großinvestoren anzieht und ein Tickersymbol an der Börse erhält, bedeutet dies, dass der Kryptomarkt endlich Teil des breiteren Finanzsystems wird. Doch die jüngsten Börsengänge haben die Kehrseite dieser Medaille gezeigt.

Laut 10x Research haben acht börsennotierte Krypto-Unternehmen im Durchschnitt etwa 73 % gegenüber den nach dem Börsengang erreichten Höchstständen verloren. Die Liste umfasst Amber, Bullish, BitGo, Coinbase, Circle, Figure, Gemini und Securitize. Für frühe Käufer wurden diese Aktien nicht zu einer erfolgreichen Investition, sondern zu einer schmerzhaften Erinnerung daran, wie schnell ein Hype an der Marktrealität zerschellen kann.

Das Problem ist nicht die Schwäche dieser Unternehmen. Darunter befinden sich große Börsen, Infrastruktur-Player, Custodians, Stablecoin-Emittenten und Projekte im Bereich der Asset-Tokenisierung. Das Problem liegt woanders: Investoren kauften zu oft nicht das aktuelle Geschäft, sondern das Versprechen auf zukünftiges Wachstum. Doch der Markt ändert schnell seinen Ton, wenn Erwartungen auf die Realität treffen.

Der Jagd nach dem Traum

Bullish ist ein bezeichnendes Beispiel. Wie CNBC berichtete, sammelte die Kryptobörse im August 2025 bei ihrem IPO rund 1,1 Milliarden Dollar ein und trat mit einer starken Story für Investoren an den Markt. Das Unternehmen konzentrierte sich auf institutionelle Kunden, wurde vom ehemaligen Präsidenten der New York Stock Exchange, Tom Farley, geleitet und zählte Peter Thiel zu seinen namhaften Investoren.

Der Start sah fast triumphaler aus. Die Aktien wurden zu 37 $ bepreist, eröffneten am ersten Handelstag jedoch bei 90 $, stiegen kurzzeitig auf 118 $ und schlossen bei 68 $. Investoren kauften die Idee, dass endlich eine große institutionelle Welle in der Branche angekommen sei.

Doch die Geschichte verlor schnell ihren Glanz. Bullish-Aktien notieren jetzt bei etwa 25,7 $, was bedeutet, dass sie nicht nur unter den Höchstständen des ersten Tages, sondern auch unter dem IPO-Preis liegen. Dies verdeutlicht das Hauptproblem von Krypto-Aktien: Der öffentliche Markt lässt sich schnell von einem schönen Narrativ mitreißen, kehrt aber letztlich immer zur Frage nach dem eigentlichen Geschäft zurück.

Securitize und der Glaube an die Tokenisierung

Der Fall Securitize zeigt, dass das Problem nicht auf Kryptobörsen beschränkt ist. Das Unternehmen ging durch eine Fusion mit einer SPAC-Firma an die Börse und wirkte wie eine fast ideale Wette auf einen der heißesten Trends an der Wall Street: die Tokenisierung von Real-World Assets. Securitize hatte ein starkes Image, eine Verbindung zu BlackRock und eine klare Story darüber, traditionelle Finanzinstrumente auf die Blockchain zu bringen.

Doch das reichte nicht aus. In den ersten Tagen nach dem Börsengang fielen die Securitize-Aktien drastisch: Zeitweise betrug der Rückgang 25 % an einem einzigen Tag, und seit Abschluss des Deals haben die Aktien etwa 40 % verloren.

Bemerkenswert ist, dass der Rückgang auf kein offensichtliches negatives Ereignis folgte. Es ging vielmehr um einen Stimmungsumschwung der Anleger gegenüber der gesamten Klasse der Krypto-Aktien. Nach einer Reihe schwacher Listings begann der Markt, Risiken im Voraus einzupreisen: die Abhängigkeit vom Krypto-Zyklus, begrenzte Liquidität, überhöhte Erwartungen und Unsicherheit bezüglich künftiger Einnahmen.

Der Markt hat sich abgekühlt, doch die IPO-Warteschlange bleibt

Das Scheitern jüngster Listings bedeutet nicht, dass Krypto-Unternehmen aufhören werden, an die Börse zu gehen. Im Gegenteil, eine neue Schlange von Kandidaten hat sich bereits gebildet. Kraken, Consensys und Ledger haben IPOs als möglichen nächsten Schritt in Erwägung gezogen, während Blockchain.com bereits vertraulich einen US-Börsengang beantragt hat.

Für die Branche macht dies Sinn. Viele frühe Investoren sind in der Anfangsphase bei diesen Unternehmen eingestiegen und warten auf eine Chance, Gewinne zu realisieren. Zudem ist das regulatorische Umfeld in den USA für digitale Assets günstiger geworden, während die Wall Street weiterhin an Stablecoins, Tokenisierung und der Infrastruktur des Kryptomarktes interessiert ist.

Doch die Bedingungen haben sich geändert. Viele Krypto-Unternehmen haben begonnen, ihre Pläne angesichts eines schwachen Marktes und der schlechten Performance kürzlich gelisteter Firmen zu verschieben oder neu zu bewerten. Das Wort „Krypto“ allein reicht in einer Investment-Story nicht mehr aus. Öffentliche Investoren werden auf die Unternehmensgröße, die Umsatzstabilität, die Rentabilität und die Fähigkeit achten, einen Abschwung ohne drastische Verschlechterung der Kennzahlen zu überstehen.

Deshalb wird der nächste Zyklus von Krypto-IPOs ganz anders aussehen. Unternehmen werden weiterhin versuchen, dem Markt eine Geschichte über neue Finanzinfrastrukturen zu verkaufen. Aber die Investoren haben bereits gesehen, was passieren kann, wenn sie auf dem Höhepunkt der Erwartungen kaufen.

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