Von Blöcken zu Bytes: Warum Bitcoin-Schürfer ihre Farmen in KI-Zentren verwandeln

Von Blöcken zu Bytes: Warum Bitcoin-Schürfer ihre Farmen in KI-Zentren verwandeln
Die Entwicklung des Bitcoin-Minings

Noch vor ein paar Jahren galten Halbierungsereignisse als die größte Bedrohung für die Rentabilität der Miner. Alle vier Jahre werden die Bitcoin-Blockprämien um die Hälfte reduziert - und damit auch die Einnahmen. Doch mit dem Aufkommen von ChatGPT und anderen KI-Systemen ist diese Sorge verflogen. Bergbauunternehmen begannen, einen Teil ihrer Kapazitäten für Berechnungen in neuronalen Netzwerken zu vermieten - und entdeckten ein hochprofitables neues Geschäft.

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Ein aussagekräftiges Beispiel ist MARA, das im dritten Quartal 2025 Rekordergebnisse erzielte: 252,4 Millionen Dollar Umsatz und 123 Millionen Dollar Nettogewinn, verglichen mit einem Verlust im Vorjahr. Ein Anstieg von 92 % gegenüber dem Vorjahr überraschte den Markt - MARA bewies, dass Energie nicht nur durch Bitcoin monetarisiert werden kann.

CEO Fred Thiel erklärte, dass MARA sich von einem traditionellen Bitcoin-Miner zu einem neuartigen digitalen Infrastrukturunternehmen entwickelt. Seinen Worten zufolge beruht das Unternehmen nun auf einer einfachen Idee: "Elektronen sind das neue Öl." Energie sei zum wichtigsten Vermögenswert der digitalen Wirtschaft geworden und treibe sowohl Blockchains als auch Systeme der künstlichen Intelligenz an.

Das Unternehmen hat bereits seine ersten KI-Server an einem Standort in Texas in Betrieb genommen und baut ein Netzwerk von Partnern auf, das Energie, Bergbau und Hochleistungscomputer miteinander verbindet. Dazu gehören MPLX LP, eine Tochtergesellschaft von Marathon Petroleum, die Erdgas liefern wird, und Exaion, die französische Einheit des Energieriesen EDF.

KI-Fieber erreicht die Bergbauindustrie

Die meisten großen Mining-Unternehmen sind zu demselben Schluss gekommen: Diversifizierung ist unerlässlich. Nach jahrelanger Abhängigkeit von den Preiszyklen von Bitcoin und den Energiekosten hat die Branche endlich einen Weg gefunden, ihre Infrastruktur flexibler zu nutzen.

Einer der bemerkenswertesten Fälle ist IREN, das einen mehrjährigen Vertrag über 9,7 Milliarden Dollar mit Microsoft unterzeichnet hat. Im Rahmen dieser Vereinbarung wird das Unternehmen Microsoft Zugang zu seinen Rechenkapazitäten gewähren, die für die Cloud-basierten KI-Dienste des Unternehmens genutzt werden. Gleichzeitig baut IREN einen 750-MW-Campus in Texas mit Flüssigkühlsystemen und einer IT-Last von 200 MW.

Eine ähnliche Richtung schlug Cipher Mining ein, das einen 10-Jahres-Vertrag über 3 Milliarden Dollar mit Fluidstack unterzeichnete, der von Google als Bürge unterstützt wird. Cipher wird 168 MW Kapazität für HPC-Projekte (High Performance Computing) zur Verfügung stellen, während Google - durch den Erhalt von Optionsscheinen für Aktien - effektiv zu einem strategischen Investor wird.

Auch Riot Platforms geht diesen Weg. Trotz eines Rekordgewinns von 104,5 Millionen Dollar im dritten Quartal kündigte das Unternehmen eine Verlagerung eines Teils seiner Kapazitäten in Richtung KI an. Riot hat den Ausbau des Bitcoin-Minings an seinem 1-GW-Standort in Corsicana gestoppt und hat bereits 126 MW für Rechenzentren umgewidmet, die neuronale Netzwerke bedienen. "Wir sehen das Mining nicht mehr als Selbstzweck, sondern als eine Möglichkeit, den Wert unserer Megawatt zu maximieren", sagte das Unternehmen.

Der globale KI-Wettlauf und die Rolle der Miner

Allgemein betrachtet befindet sich die Welt inmitten eines echten Wettlaufs um die KI-Führerschaft - und die Rolle der Bergbauunternehmen dabei kann kaum überschätzt werden. China hat derzeit die Führung inne, aber das Kräfteverhältnis könnte sich jederzeit ändern.

Nvidia-CEO Jensen Huang erklärte gegenüber der Financial Times, dass China den USA bei der KI-Entwicklung dank billiger Elektrizität und flexibler Regulierung voraus sei. Er wies darauf hin, dass die chinesische Regierung den Strom für Rechenzentren subventioniert, was die einheimischen Chips von Huawei und Cambricon sehr kostengünstig macht. "In China ist Energie praktisch umsonst", sagte Huang und fügte hinzu, dass das Land dadurch in der Lage sei, KI-Cluster in nie dagewesener Geschwindigkeit zu skalieren.

Gleichzeitig wird der technologische Fortschritt im Westen durch Bürokratie und übermäßige Vorsicht gebremst, die laut Huang "die Innovation ersticken". Die Situation wird durch das anhaltende Verbot der Trump-Administration, Nvidias neueste Blackwell-Prozessoren nach China zu verkaufen, weiter erschwert. Trotz Verhandlungen zwischen Washington und Peking weigert sich das Weiße Haus, die Beschränkungen aufzuheben, und beruft sich dabei auf nationale Sicherheitsbedenken.

Eine neue Bedeutung von Energie

Vor diesem Hintergrund befinden sich die Bergbauunternehmen heute an der Schnittstelle zwischen Energie, Politik und Technologie. Sie verfügen über das, was selbst den KI-Giganten fehlt - billige Elektrizität, groß angelegte Infrastrukturen und umfassendes Know-how in der Verwaltung verteilter Datenverarbeitung.

Einst von den Preisschwankungen und Halbierungszyklen von Bitcoin abhängig, sind die Miner zu einer tragenden Säule der digitalen Wirtschaft geworden. Ihre Infrastruktur bildet nun eine Brücke zwischen Energie und Intelligenz - den beiden entscheidenden Vermögenswerten des 21. Jahrhunderts. Jahrhunderts. Einst schürften sie digitales Gold, heute erzeugen sie den rechnerischen Treibstoff für die nächste technologische Ära.

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