Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, das in seinem Monatsbericht Daten bis zum 10. April 2026 auswertet, verliert die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal spürbar an Schwung. Als Belastungsfaktoren nennt der Bericht vor allem den Krieg im Nahen Osten, höhere Energie- und Rohstoffpreise, Lieferengpässe sowie eine eingetrübte Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern. Für das zweite Quartal deuten die Frühindikatoren laut Ministerium auf weitere Dämpfer in Industrie, Konsum und Arbeitsmarkt hin.
Höhepunkte
- Die Produktion im Produzierenden Gewerbe sinkt im Februar um 0,3 Prozent, das Baugewerbe verliert 1,2 Prozent und Einzelhandelsumsätze ohne Kfz fallen um 0,5 Prozent.
- Die Inflationsrate steigt im März auf 2,7 Prozent, wobei Energiepreise um 7,2 Prozent zulegen und die Arbeitslosigkeit im März stagniert.
- Für März werden 1.716 Unternehmensinsolvenzen gemeldet, 17 Prozent mehr als im Vormonat, der Ausblick bleibt durch hohe Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten fragil.
Konjunkturschwäche erfasst Industrie, Bau und Konsum
Die Industriekonjunktur entwickelt sich über die Wintermonate schwach. Zwar steigen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Februar um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat, die Produktion im Produzierenden Gewerbe sinkt jedoch um 0,3 Prozent. Besonders im Baugewerbe zeigen sich mit einem Minus von 1,2 Prozent witterungsbedingte Einbußen, während die Industrieproduktion nahezu stagniert.
Auch in den binnenorientierten Bereichen bleibt eine Belebung aus. Die preisbereinigten Einzelhandelsumsätze ohne Kfz gehen im Februar um 0,5 Prozent zurück, und das Gastgewerbe verzeichnet im Januar real einen Rückgang von 3,9 Prozent. Bei den privaten Pkw-Neuzulassungen gibt es im März zwar ein Monatsplus, in der Dreimonatsbetrachtung bleibt jedoch ein deutlicher Rückgang bestehen.
Im Außenhandel zeigt sich dagegen zuletzt ein etwas robusteres Bild. Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen steigen im Februar um 2,2 Prozent zum Vormonat, getragen vor allem vom Handel mit EU-Staaten. Das Ministerium warnt jedoch, dass die gestiegenen Energiepreise und die geopolitische Unsicherheit die Auslandsnachfrage in den kommenden Monaten erneut bremsen dürften.
Inflation und Arbeitsmarkt bleiben unter Druck
Die Inflationsrate steigt im März auf 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ausschlaggebend sind vor allem die Energiepreise, die erstmals seit Dezember 2023 wieder deutlich zulegen und im Jahresvergleich um 7,2 Prozent steigen. Nahrungsmittelpreise wirken dagegen mit einer Teuerung von 0,9 Prozent vergleichsweise entlastend.
Am Arbeitsmarkt bleibt eine Erholung aus. Die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit stagniert im März, während die Zahl der Erwerbstätigen im Februar erneut leicht sinkt und auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Januar zurückgeht. Nach Einschätzung des Ministeriums lassen die Frühindikatoren derzeit keine Belebung des Arbeitsmarktes in der ersten Jahreshälfte erkennen.
Zusätzlich bleibt der Unternehmenssektor belastet. Der IWH-Insolvenztrend weist für März 1.716 Insolvenzen bei Personen- und Kapitalgesellschaften aus, 17 Prozent mehr als im Vormonat. Der Anstieg geht vor allem auf kleinere Unternehmen zurück, während die Zahl der betroffenen Beschäftigten in den größten Insolvenzfällen sinkt.
Nahostkonflikt prägt Ausblick für 2026
Für den weiteren Jahresverlauf sieht das Ministerium die wirtschaftliche Entwicklung wesentlich von der Lage im Nahen Osten abhängig. Ein angekündigter Waffenstillstand gilt als wichtige Voraussetzung für eine Normalisierung von Handel und Produktion, doch die Folgen der Zerstörungen und der Rückstau bei Lieferketten dürften noch längere Zeit anhalten. Damit bleiben Energie- und Rohstoffpreise voraussichtlich auf erhöhtem Niveau.
Die Folgen reichen über Deutschland hinaus. Zwar erweist sich die Weltwirtschaft mit steigender Industrieproduktion und robustem Güterhandel zu Jahresbeginn noch als widerstandsfähig, doch Stimmungsindikatoren wie der globale Einkaufsmanagerindex und Sentix trüben sich bereits ein. Forschungsinstitute und internationale Organisationen revidieren ihre Erwartungen für den Welthandel deshalb zuletzt nach unten.
Für Deutschland bedeutet dies einen fragilen Ausblick. Das Exportgeschäft stabilisiert sich vor Beginn des Iran-Kriegs zwar etwas, doch die jüngsten Umfragen deuten bereits auf einen erneuten Dämpfer im zweiten Quartal hin. Ohne eine Entspannung bei Energiepreisen, Lieferketten und geopolitischen Risiken dürfte die Konjunktur im weiteren Jahresverlauf nur verhalten vorankommen.
Wir berichteten zuvor über den kräftigen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland, der im ersten Quartal 2026 den höchsten Stand seit 2005 erreicht hat. Im Fokus standen die 1.716 Fälle im März sowie die Belastungen vor allem durch zahlreiche kleinere Firmenpleiten, während die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bislang vergleichsweise begrenzt blieben. Zudem verwiesen wir auf die IWH-Frühindikatoren, die auch für die kommenden Monate weiterhin außergewöhnlich hohe Insolvenzzahlen erwarten lassen.
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