PCK Schwedt droht Ausfall kasachischer Öllieferungen über Russland ab Mai

PCK Schwedt droht Ausfall kasachischer Öllieferungen über Russland ab Mai
Schwedt droht Ölausfall

Für die Kraftstoff- und Heizölversorgung in Berlin, Brandenburg und weiteren Teilen Nordostdeutschlands wächst der Druck, weil die PCK-Raffinerie in Schwedt ab Mai kein kasachisches Öl mehr über Russland erhalten soll. Der angekündigte Lieferstopp trifft einen wichtigen Teil der Rohölversorgung der Anlage und verschärft die Sorge um einen wirtschaftlichen Betrieb sowie die regionale Versorgungssicherheit.

Höhepunkte

  • Russland informiert die Bundesregierung, dass ab 1. Mai kein kasachisches Öl mehr zur PCK-Raffinerie Schwedt geliefert wird, wodurch ein Drittel des Rohöls wegfällt.
  • Ohne kasachisches Öl sinkt die Auslastung der PCK-Raffinerie auf nur 60 Prozent, was laut Landesregierung für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht ausreicht.
  • Das Versorgungsrisiko für Nordostdeutschland steigt, da die Rostock-Pipeline keine zusätzlichen Mengen aufnehmen kann und alternative Lieferungen primär auf polnische Häfen angewiesen sind.

Lieferstopp belastet Raffinerie und Krisenmanagement

Wie BILD.de berichtet, informiert Russland die Bundesregierung am Montagabend darüber, dass ab 1. Mai kein Öl aus Kasachstan mehr durch die betreffende Pipeline zur PCK-Raffinerie in Schwedt fließen soll. Direkt betroffen ist damit eine Anlage, die Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Westpolen mit Kraftstoff versorgt und seit dem Stopp russischer Rohölbezüge auf Lieferungen aus Kasachstan angewiesen ist.

Brandenburgs Wirtschafts- und Energieministerin Martina Klement sagt, 20 bis 25 Prozent des PCK-Rohöls kämen aus Kasachstan. Der übrige Teil werde über Leitungen aus Rostock und aus dem polnischen Danzig nach Schwedt geliefert. Ohne das kasachische Öl läge die Auslastung der Raffinerie jedoch nur noch bei 60 Prozent, was nach Darstellung der Landesregierung für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht ausreicht.

Klement erklärt, der Betreiber prüfe derzeit alternative Versorgungswege. Sie stehe dazu im laufenden Austausch mit PCK und der Bundesnetzagentur, um die Folgen für die nächsten Tage und Wochen sowie für die Versorgungssicherheit zu klären.

Versorgungsrisiken für Nordostdeutschland nehmen zu

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke will noch am Dienstag mit dem Bundeswirtschaftsministerium über den angekündigten Lieferstopp sprechen. Er fordert eine Ministerpräsidentenkonferenz zur Energiekrise und verlangt ein gemeinsames Signal von Bund und Ländern zur Energiesicherheit.

Nach Angaben aus Brandenburg besteht zugleich die Hoffnung, dass die Unterbrechung nur vorübergehend ist. Woidke sagt, Russland habe sich bei der Durchleitung kasachischen Öls bislang als verlässlicher Partner erwiesen, und er gehe davon aus, dass technische Probleme oder Reparaturarbeiten hinter der Ankündigung stehen könnten.

Sollte der Stopp jedoch dauerhaft gelten, verschärft sich die Lage für den Standort deutlich. Die ältere Pipeline vom Hafen Rostock kann nach Darstellung des Berichts keine zusätzlichen Mengen aufnehmen, während eine Modernisierung der Leitung bislang an Vorbehalten der EU-Kommission scheitert, weil Rosneft Haupteigentümer der Raffinerie ist. Als verbleibende Option rückt damit ein höherer Bezug über polnische Häfen in den Vordergrund, wobei Klement betont, dass die Pipeline von Danzig nach Deutschland nicht vom russischen Durchleitungsstopp betroffen ist.

Zur verschärften Beobachtung der Kraftstoffversorgung in Deutschland hatten wir bereits über die Einrichtung eines neuen Benzin-Krisenstabs unter Leitung des Wirtschafts- und Energieministeriums berichtet. Damals hieß es, es gebe trotz angespannter internationaler Märkte keine akute Versorgungskrise – gestützt durch Reserven, Lieferverträge und eine hohe Raffineriedichte –, zugleich aber die Notwendigkeit engmaschiger Kontrolle und zusätzlicher Maßnahmen gegen Risiken im Ölsektor.

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