Volkswagen prüft verschärften Sparkurs, Widerstand gegen mögliche Werksschließungen wächst
Bei Volkswagen spitzt sich der Konflikt um den künftigen Konzernumbau am Donnerstag mit einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg zu. Im Zentrum stehen ein verschärfter Sparkurs, mögliche Einschnitte bei Standorten und Stellen sowie wachsender Widerstand von Gewerkschaft, Betriebsrat und dem Land Niedersachsen.
Höhepunkte
- Volkswagen erwägt laut Bericht einen drastischeren Sparkurs mit bis zu 100.000 Stellenstreichungen weltweit und möglicher Schließung vier deutscher Werke bis 2034.
- Im Aufsichtsrat und durch IG Metall, Audi, Porsche sowie das Land Niedersachsen (20 Prozent Anteil) formiert sich erheblicher Widerstand gegen Werksschließungen und Entlassungen.
- Bereits vereinbarter Stellenabbau von 50.000 Jobs in Deutschland bis 2030 gilt laut Management angesichts verschärfter Zoll-, Wettbewerbs- und geopolitischer Risiken inzwischen als unzureichend.
Sparkurs und Umbauplan bis 2030
Wie BILD.de berichtet, berät der Aufsichtsrat am Donnerstag in Wolfsburg über einen schärferen Kostenkurs bei Volkswagen, während vor der Konzernzentrale und an weiteren deutschen Standorten Protestaktionen anlaufen. Konzernchef Oliver Blume arbeitet an einem neuen „Zielbild 2030“, nachdem er bereits im Frühjahr angekündigt hatte, den Sparkurs deutlich zu verschärfen.Im Raum steht ein tiefgreifender Umbau des Autobauers. Dem Bericht zufolge könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen, zudem droht vier deutschen Werken in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm das Aus, wobei die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen könnte.
Volkswagen bestätigt bislang nur, dass der Vorstand intensiv an einem Zukunftsplan zur Neuaufstellung des Unternehmens arbeitet. Der Konzern spricht von einer umfassenden Transformation, nennt aber bisher keine Einzelheiten zu möglichen Standort- oder Personalentscheidungen.
Widerstand im Aufsichtsrat und Folgen für den Konzern
Gegen mögliche Werksschließungen formiert sich breiter Widerstand. IG Metall ruft Beschäftigte bundesweit zu einem Aktionstag auf, in Wolfsburg ist unmittelbar vor Beginn der Aufsichtsratssitzung eine Kundgebung vor dem Vorstandshochhaus geplant, weitere Proteste sind auch an Standorten von Audi, Porsche und MAN vorgesehen.Auch im Aufsichtsrat dürfte der Kurs des Vorstands auf Widerstand stoßen. Neben den Arbeitnehmervertretern lehnt auch das Land Niedersachsen, das 20 Prozent der VW-Anteile hält, Werksschließungen ab. Vize-Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg bezeichnet solche Schritte als keine Zukunftsstrategie.
Zusammen mit den zehn Arbeitnehmervertretern verfügt Niedersachsen derzeit über eine Mehrheit im Kontrollgremium, weil ein Sitz der Kapitaleigner unbesetzt ist. Deshalb gilt es als nahezu ausgeschlossen, dass mögliche Vorstandspläne unverändert beschlossen werden, zumal Konflikte bei Volkswagen traditionell über Verhandlungen gelöst werden.
Der Stellenabbau bleibt für den Konzern ein Dauerthema. Ende 2024 erschüttert bereits ein harter Tarifkonflikt das Unternehmen, bevor sich Konzern und Gewerkschaft kurz vor Weihnachten auf Einschnitte ohne betriebsbedingte Kündigungen einigen. Bis 2030 sollen schon 50.000 Stellen in Deutschland entfallen, davon 35.000 bei der Kernmarke Volkswagen, mehr als 37.000 Beschäftigte haben entsprechende Vereinbarungen bereits unterzeichnet.
Nach Einschätzung des Managements reichen die Ende 2024 vereinbarten Maßnahmen inzwischen nicht mehr aus. Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und der schärfere Wettbewerb erhöhen den Druck auf Volkswagen, während das bisherige Modell, in Europa zu entwickeln und zu produzieren und weltweit zu verkaufen, aus Sicht des Konzerns nicht mehr ausreichend funktioniert.
In unserem früheren Artikel zur bevorstehenden Aufsichtsratssitzung bei Volkswagen haben wir die wachsende Unsicherheit rund um eine mögliche Großrestrukturierung beleuchtet – inklusive umfangreicher Stellenstreichungen und potenzieller Werksschließungen. Zudem haben wir eingeordnet, wie die Nervosität am Markt die VOW3-Aktie belastete und welche Faktoren wie Dividendenperspektiven und laufende Desinvestitionen als Teil der Neuausrichtung diskutiert wurden.
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