Volkswagen senkt Auslieferungen im ersten Halbjahr nach China-Einbruch
Volkswagen verzeichnet im ersten Halbjahr einen spürbaren Rückgang der weltweiten Auslieferungen und gerät damit trotz stabilerer Geschäfte in Europa und Südamerika weiter unter Druck. Besonders der chinesische Markt belastet den Konzern, weil der dortige Absatzrückgang die Zuwächse in anderen Regionen weitgehend aufzehrt.
Höhepunkte
- Volkswagen liefert im ersten Halbjahr 2024 weltweit 4,13 Millionen Fahrzeuge aus, sechs Prozent weniger als im Vorjahr, getrieben durch einen 26-prozentigen Rückgang in China.
- In Europa und Südamerika steigen die Auslieferungen von Volkswagen teils deutlich; Südamerika plus acht Prozent und Westeuropa plus drei Prozent, während Nordamerika nach sechs Monaten drei Prozent im Minus liegt.
- Volkswagen plant im Rahmen des Konzernumbaus eine Reduktion von 55.000 bis 70.000 Stellen und eine operative Umsatzrendite von neun Prozent bis 2030, wobei das globale Modellportfolio außerhalb Chinas bis 2035 um 50 Prozent schrumpfen soll.
Absatzrückgang durch Schwäche in China
Wie berichtet von Bild unter Berufung auf eine Mitteilung von Volkswagen vom Freitag, liefert der Konzern im ersten Halbjahr weltweit 4,13 Millionen Fahrzeuge aus, das sind sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres sind es noch 4,41 Millionen Fahrzeuge.In mehreren Regionen entwickelt sich das Geschäft positiv. In Südamerika steigen die Auslieferungen um acht Prozent, in Westeuropa um drei Prozent und in Zentral- und Osteuropa um sieben Prozent. Dem steht jedoch ein Einbruch in China gegenüber, wo die Auslieferungen wegen der schwierigen Marktlage um 26 Prozent sinken.
Vertriebsmanager Marco Schubert sagt, die Lage in China bleibe herausfordernd, da sich Volkswagen einer deutlich rückläufigen Gesamtmarktentwicklung von rund 20 Prozent nicht entziehen könne. Erste positive Impulse kämen dort laut dem Unternehmen von neu eingeführten, lokal entwickelten Elektrofahrzeugen.
Auch in Nordamerika schwächt sich die Entwicklung ab. Nach einem Wachstum von acht Prozent im zweiten Quartal liegt die Region nach den ersten sechs Monaten insgesamt mit drei Prozent im Minus.
Bei der Tochter Audi zeigt sich ein ähnliches Bild. Das Unternehmen liefert im ersten Halbjahr weltweit 727.245 Fahrzeuge aus, rund sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In China brechen die Auslieferungen um 19 Prozent ein, in Nordamerika um knapp 17 Prozent. Zuwächse in Europa, darunter ein Plus von sechs Prozent außerhalb Deutschlands und vier Prozent im Heimatmarkt, federn den Rückgang teilweise ab. Besonders gefragt sind laut Audi vollelektrische Modelle.
Konzernumbau erhöht Druck auf Standorte
Die schwächeren Verkaufszahlen fallen in eine Phase tiefgreifender Umbaupläne bei Volkswagen. Laut dem Text arbeitet Vorstandschef Oliver Blume an einem neuen "Zielbild 2030", mit dem der Konzern seine Profitabilität und Kostenstruktur grundlegend neu ausrichten will.Nach den aktuellen Plänen kann Volkswagen für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm keine neuen Modelle mehr garantieren, wenn die derzeitigen Baureihen auslaufen. Als mögliche Endpunkte der Produktion werden 2031 für Emden und Zwickau, 2032 für Hannover und 2034 für Neckarsulm genannt. Der Konzern begründet dies mit Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen in Europa sowie höheren Kosten deutscher Standorte im Vergleich zu anderen Werken in Europa.
Hinzu kommen weitreichende Sparziele beim Personal und im Modellangebot. Nach im Text erwähnten internen Unterlagen plant der Konzern eine weitere Anpassung der Personalkapazitäten um rund 55.000 bis 70.000 Stellen, zusätzlich zu bereits vereinbarten 50.000 Jobs. Bis 2030 strebt Volkswagen demnach eine operative Umsatzrendite von neun Prozent, ein operatives Ergebnis von 30,6 Milliarden Euro sowie deutlich niedrigere Entwicklungskosten an.
Für Kunden würde der Umbau ein kleineres Angebot bedeuten. Das globale Modellportfolio außerhalb Chinas soll bis 2035 um rund 50 Prozent schrumpfen, während die Variantenvielfalt bei Motoren, Ausstattungen und technischen Versionen um bis zu 75 Prozent sinken soll.
In unserem früheren Artikel zum möglichen Stellenabbau und Sanierungsplan bei Volkswagen haben wir dargestellt, wie der Konzern seine Kostenbasis durch eine deutlich verschlankte Modellpalette und reduzierte Ausstattungsvarianten senken will. Dabei standen auch die Konsequenzen für deutsche Standorte im Fokus – inklusive des Risikos von Werksschließungen und eines umfangreichen Personalabbaus im Zuge des Konzernumbaus.
Neueste Volkswagen Nachrichten
- Forex
- Crypto