Für das Volkswagen-Werk in Osnabrück zeichnet sich vor dem Auslaufen der T-Roc-Cabrio-Produktion im kommenden Jahr eine mögliche Neuausrichtung ab. Im Raum steht eine Übernahme durch den israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Systems, was dem Standort nach Jahren der Unsicherheit eine industrielle Anschlusslösung geben könnte.
Höhepunkte
- Volkswagen verhandelt weit fortgeschritten mit Rafael über den Verkauf des Werks Osnabrück, laut Insidern wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet.
- Das Werk könnte künftig Fahrzeuge und Komponenten für Abfangraketen produzieren, nachdem die Fertigung von T-Roc-Cabrios 2025 im Rahmen des Sparprogramms endet.
- Von der potenziellen Übernahme durch Rafael sind rund 2.300 Beschäftigte betroffen, während die Produktion von Sprengkörpern ausdrücklich ausgeschlossen bleibt.
Möglicher Deal für den Standort
Wie Reuters unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, sind die Gespräche über einen Verkauf des Osnabrücker Werks bereits weit fortgeschritten. Zwei Insider sagen demnach, dass sogar schon eine Absichtserklärung unterzeichnet ist.Offiziell äußern sich die Beteiligten bislang nicht zu Einzelheiten. Ein Sprecher von Rafael in Deutschland lehnt eine Stellungnahme ab, während VW-Chef Oliver Blume lediglich von konstruktiven Gesprächen mit der Rüstungsindustrie spricht.
Auch das Verteidigungsministerium kommentiert den Vorgang nicht konkret. Aus dem Ministerium heißt es nur, gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium werde geprüft, wie die Rüstungsindustrie und zivile Unternehmen zusammenarbeiten können.
Umbau mit Folgen für Auto- und Rüstungsindustrie
Rafael gehört dem israelischen Staat und produziert unter anderem das Raketenabwehrsystem Iron Dome. In Osnabrück könnten künftig Fahrzeuge und Komponenten für Abfangraketen hergestellt werden, während die Produktion von Sprengkörpern aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen bleibt.Der Standort steht ohnehin vor einem tiefen Einschnitt. Derzeit laufen dort noch T-Roc-Cabrios vom Band, doch diese Fertigung endet im kommenden Jahr im Zuge des Sparprogramms von Volkswagen, betroffen sind rund 2.300 Beschäftigte.
Das Werk hat eine lange Industriegeschichte, die bis 1901 zurückreicht. Die frühere Wilhelm Karmann GmbH produzierte dort Cabriolets und Coupés, ging 2009 insolvent und wurde anschließend von Volkswagen übernommen; auch Rheinmetall hatte sich den Standort angesehen, zog sich aber im März wieder zurück.
In unserem früheren Bericht zur Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts im April ging es um die erneut ausbleibende saisonübliche Belebung und eine Arbeitslosenzahl, die den vierten Monat in Folge über 3 Millionen liegt. Zudem wurde beschrieben, dass sich die Lage saisonbereinigt weiter verschlechtert, während Unternehmen bei Neueinstellungen zurückhaltend bleiben und Beschäftigung sowie offene Stellen tendenziell nachgeben.
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