EU bereitet neue Cloud-Regeln für Amazon, Microsoft und Google vor
Die Europäische Union bereitet eine Entscheidung vor, die die Position von Amazon, Microsoft und Google auf dem Markt für Cloud-Dienste, insbesondere bei öffentlichen Ausschreibungen und Projekten mit sensiblen Daten, schwächen könnte. Brüssel versucht, die technologische Souveränität zu stärken, ist aber nicht bereit, den Markt vollständig für US-Unternehmen zu schließen.
Höhepunkte
- Die EU wird voraussichtlich am 3. Juni Regeln für Cloud-Dienste und KI-Infrastruktur vorstellen.
- Amazon, Microsoft und Google könnten bei öffentlichen Ausschreibungen eingeschränkt werden.
- Ein vollständiges Verbot von US-Unternehmen in der EU ist nicht zu erwarten.
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Einschränken, aber nicht blockieren
Laut Reuters soll der Entwurf der EU-Gesetzgebung zu Cloud-Technologie und Entwicklung künstlicher Intelligenz am 3. Juni vorgestellt werden. Es wird erwartet, dass der Zugang großer US-Cloud-Anbieter zu bestimmten Ausschreibungen eingeschränkt wird, aber kein vollständiges Verbot ihrer Aktivitäten in Europa verhängt wird.
Im Fokus stehen Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud. Laut Statista hält Amazon etwa 28 % des weltweiten Cloud-Infrastrukturmarktes, gefolgt von Microsoft Azure mit 21 % und Google Cloud mit 14 %. Zusammen kontrollieren diese Unternehmen etwa 63 % des globalen Marktes und sind damit die wichtigsten Anbieter von Rechenleistung für Unternehmen, Behörden und KI-Firmen.
Die Europäische Kommission richtet bereits verstärkt den Fokus auf den Cloud-Sektor: Regulierungsbehörden haben zuvor erklärt, dass EU-Regeln zur Eindämmung des Einflusses von Big Tech auch für Cloud-Dienste und KI-Infrastruktur gelten werden. Die Kommission hat zudem geprüft, ob Amazon und Microsoft einen zusätzlichen Überwachungsstatus nach dem Digital Markets Act erhalten sollten.
Interne Debatte in Europa
Die Idee, die Rolle von US-Anbietern zu begrenzen, hängt mit der Sorge zusammen, dass sensible europäische Daten aufgrund der Abhängigkeit von externer Infrastruktur gefährdet sein könnten. Europäische Cloud-Unternehmen fordern seit Langem von Brüssel, einen Teil der öffentlichen Aufträge für lokale Anbieter zu reservieren und strengere Anforderungen an Datenkontrolle, Governance und rechtlichen Schutz einzuführen.
Allerdings herrscht innerhalb der EU keine Einigkeit. Einige Vertreter befürworten schnelle und harte Maßnahmen, um die Abhängigkeit von den USA und China zu verringern. Andere warnen, dass Europa amerikanische Cloud-Plattformen noch nicht vollständig ersetzen kann und eine Reaktion aus Washington riskiert. Die Investitionslücke zwischen der EU und den USA wird auf rund 1 Billion Euro geschätzt.
Ein ähnlicher Kompromiss wird in der Satellitenkommunikation diskutiert: Die EU könnte den Großteil des mobilen Satellitenspektrums für europäische Unternehmen reservieren, während sie dennoch Zugang für Elon Musks Starlink und Amazon Leo lässt.
Technologische Souveränität ohne Bruch mit den USA
Für die EU ist dies ein Versuch, Datensicherheit mit der praktischen Abhängigkeit von amerikanischer Infrastruktur in Einklang zu bringen. Cloud-Kapazitäten sind zur Grundlage für künstliche Intelligenz, öffentliche Dienste, Banken, Verteidigung und kritische Unternehmen geworden, sodass das Thema über den normalen Wettbewerb hinausgeht.
Fallen die neuen Regeln zu lasch aus, werden europäische Anbieter sie als symbolisch ansehen. Sind sie zu streng, könnte die EU mit Kapazitätsengpässen, höheren Kosten und Spannungen mit den USA konfrontiert werden. Deshalb wird die Entscheidung am 3. Juni ein Test dafür sein, wie weit Brüssel bei seinem Streben nach digitaler Autonomie gehen will.
Zuvor wurde berichtet, dass die EU nach Trumps Zollandrohungen ein Handelsabkommen mit den USA vorantreibt.
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