Evonik verschärft Stellenabbau in der Chemiekrise bis 2029

Evonik verschärft Stellenabbau in der Chemiekrise bis 2029
Evonik streicht 3.200 Jobs

Der Druck auf die deutsche Chemieindustrie nimmt weiter zu, und Evonik reagiert mit einem deutlich schärferen Sparkurs. Der Konzern will bis Ende 2029 rund 3.200 Arbeitsplätze streichen, davon 2.150 in Deutschland, und treibt zugleich den Ausstieg aus einem verlustreichen Geschäft voran.

Höhepunkte

  • Evonik kündigt bis Ende 2029 konzernweit den Abbau von rund 3.200 Stellen an und zieht sich 2027 aus dem verlustreichen Polyester-Geschäft zurück.
  • Das Polyester-Geschäft von Evonik, das rund 150 Millionen Euro Jahresumsatz erzielte, wird eingestellt, wodurch zusätzliche 350 Arbeitsplätze an den Standorten Witten, Marl und Shanghai entfallen.
  • Zusammen mit weiteren Sparprogrammen, Outsourcing der Tochter Syneqt und Branchenkrise stehen deutsche Chemiekonzerne wie Wacker Chemie, Lanxess und BASF ebenfalls unter massivem Stellenabbau-Druck.

Sparprogramm und Konzernumbau bis 2029

Wie BILD berichtet, teilte Evonik am Donnerstag mit, dass bis Ende 2029 konzernweit rund 3.200 Stellen wegfallen sollen. Konzernchef Christian Kullmann begründet den Schritt mit einer unsicheren weltpolitischen Lage, anhaltend schwachem wirtschaftlichem Wachstum und wachsendem Druck auf die Unternehmen.

Zudem verschärft sich nach Darstellung des Managements der internationale Wettbewerb. Evonik treibt deshalb auch seinen Konzernumbau weiter voran und steigt 2027 aus dem seit Jahren verlustreichen Polyester-Geschäft aus.

Durch diesen Rückzug fallen zusätzlich rund 350 Arbeitsplätze weg. Betroffen sind die Standorte Witten, Marl und Shanghai, während das Polyester-Geschäft zuletzt zwar rund 150 Millionen Euro Jahresumsatz erzielt, aber seit Jahren Verluste geschrieben hat.

Nach Angaben des Unternehmens soll der Abbau sozialverträglich erfolgen. Personalvorstand Thomas Wessel kündigt an, dass Evonik die konkrete Ausgestaltung nun mit Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften besprechen will.

Druck auf die Branche und Folgen für Deutschland

Der Stellenabbau kommt zu bereits laufenden Einschnitten hinzu. Schon jetzt setzt Evonik Sparprogramme um, durch die rund 2.800 Stellen wegfallen sollen, zudem gliederte der Konzern Geschäftsbereiche mit etwa 3.500 Beschäftigten an den Standorten Marl und Wesseling in die neue Tochtergesellschaft Syneqt aus, deren Verkauf als möglich gilt.

Ende März beschäftigt Evonik noch rund 30.600 Mitarbeiter, nach mehr als 31.000 ein Jahr zuvor. Die Entwicklung unterstreicht, wie stark die Krise inzwischen auch große deutsche Chemiekonzerne trifft.

Die gesamte Branche steht unter Druck durch hohe Energiekosten, schwache Nachfrage, Konkurrenz aus Asien und geopolitische Unsicherheiten. Auch andere Unternehmen bauen Stellen ab, darunter Wacker Chemie mit mehr als 1.500 Jobs bis Ende 2027, Lanxess mit 550 Stellen und BASF, wo die weltweite Beschäftigtenzahl zwischen Ende 2023 und Ende 2025 bereits um 4.800 gesunken ist.

Der Verband der Chemischen Industrie, VCI, warnt bereits vor einem möglichen Zusammenbruch der Branche. Für den Industriestandort Deutschland erhöht der verschärfte Sparkurs damit den Druck auf Beschäftigung, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit weiter.

In unserem früheren Beitrag zur BASF-SE-Aktie haben wir die gemischte technische Lage der Aktie beleuchtet, die trotz langfristiger Unterstützung weiterhin unter kurzfristigen und mittelfristigen gleitenden Durchschnitten stand. Dabei hoben wir zentrale Kursmarken wie den Widerstand um 49,30 € und die Unterstützung bei 47,99 € hervor und betonten, dass ohne klare Impulse das Abwärtsrisiko kurzfristig erhöht bleibt.

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