Deutsche Handelsverbände dringen auf vollständige Freigabe der Sonntagsöffnung
Nach dem Beschluss der Koalitionsspitzen, längere Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien zu ermöglichen, erhöht der Einzelhandel den Druck auf die Bundesregierung. Branchenverbände verlangen eine weitergehende Gesetzesänderung, weil sie das geltende Sonntagsöffnungsverbot als Nachteil für stationäre Händler und Innenstädte ansehen.
Höhepunkte
- Handelsverbände fordern vollständige Aufhebung des Sonntagsöffnungsverbots und delegieren die Öffnungsentscheidung an Einzelhändler und Kunden.
- Der Handelsverband Deutschland sieht Lockerungen als essentiell für die Attraktivität der Innenstädte und zur Unterstützung der Textilbranche in schwacher Konsumphase.
- Verbände kritisieren undurchsichtige Rechtslage und verweisen auf wirtschaftliche Schäden durch ver.di-Blockaden sowie Chancen bei Hitzewellen für zusätzliche Umsätze an Sonntagen.
Forderungen der Branche an die Politik
Wie BILD berichtet, drängen mehrere Handelsverbände darauf, das Öffnungsverbot am Sonntag grundsätzlich aufzuheben und die Entscheidung stärker Kaufleuten und Kunden zu überlassen. Auslöser der Debatte ist der Beschluss von Union und SPD beim Koalitionsgipfel, Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien auszuweiten.Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, kritisiert die aktuelle Rechtslage als nicht mehr zeitgemäß. Er verweist darauf, dass der stationäre Handel im digitalen Wettbewerb benachteiligt sei, wenn sonntags selbst der Verkauf einfacher Waren rechtlich untersagt bleibe.
Auch der Handelsverband Deutschland unterstützt eine Lockerung. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth argumentiert, Einkaufen sei auch ein Freizeiterlebnis und Sonntagsöffnungen könnten dazu beitragen, Innenstädte attraktiver und lebendiger zu halten.
Belastung für Textilhändler und Kommunen
Nach Darstellung der Verbände schafft das geltende Recht hohe Hürden, weil Sonntagsöffnungen bislang in der Regel einen besonderen Anlass voraussetzen. René Glaser, Chef des sächsischen Handelsverbandes, sagt, die Anforderungen seien teilweise undurchsichtig, während Kommunen rechtssichere Genehmigungen kaum erteilen könnten.Der HDE wirft der Gewerkschaft ver.di vor, mit ihrer ablehnenden Haltung wirtschaftlichen Schaden zu verursachen. Genth betont, dass zusätzliche Sonntagsöffnungen in der derzeit schwierigen Konsumlage vor allem für Textilhändler wichtig wären.
Busch-Petersen führt zudem sommerliche Hitzeperioden als weiteres Argument an. An sehr heißen Tagen suchten viele Menschen Einkaufszentren als kühle Aufenthaltsorte auf, ein Angebot, das der Handel nach seiner Auffassung häufiger auch sonntags machen will.
Die Bundesregierung rückt die deutsche Modewirtschaft stärker in den Fokus und hat dazu Vertreter der Branche im Bundeskanzleramt empfangen. Dabei wurden neue Förderimpulse wie das Nachwuchsprogramm „Fashion X Craft“ sowie das Showroom-Format „RAUM.BERLIN“ angekündigt, um Sichtbarkeit, Vernetzung und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Designer und Labels zu erhöhen. Der Schritt unterstreicht die wirtschaftspolitische Bedeutung der Branche – ein Kontext, der auch die aktuellen Forderungen nach zeitgemäßeren Regeln für den stationären Handel einordnet.
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