Deutschland steuert auf höhere Kraftstoffkosten zum Ferienstart zu
Mit Beginn der Sommerreisewelle steigen in Deutschland die Kraftstoffpreise wieder, nachdem der Tankrabatt ausgelaufen ist und sich die Spannungen im Nahen Osten sowie im Ukraine-Krieg auf die Energiemärkte auswirken. Besonders Diesel steht unter Druck, was für Millionen Reisende mit Auto, Wohnwagen oder Campingfahrzeug einen deutlich teureren Urlaub bedeuten kann.
Höhepunkte
- Russische Diesel-Exporte haben sich laut Vortexa im Juni im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert, wodurch europäische Märkte unter erhöhtem Versorgungdruck stehen.
- Der Diesel-Crack-Spread klettert wegen Lieferengpässen und gestiegener Nachfrage auf den höchsten Stand seit April und signalisiert weitere Preisanstiege zum Ferienbeginn.
- Die Nordsee-Ölsorte Brent steigt nach US-Angriffen im Iran zeitweise um 2,6 Prozent auf über 76 Dollar je Barrel, was zusätzliche Kostenbelastungen für Kraftstoffe erwarten lässt.
Belasteter Dieselmarkt zum Ferienbeginn
Wie BILD.de berichtet, rollt der Ferienverkehr seit Tagen über Deutschlands Autobahnen, während in mehreren Bundesländern die Sommerferien bereits begonnen haben und Berlin, Brandenburg sowie Hamburg an diesem Donnerstag nachziehen. Parallel dazu verschärft sich der Druck auf den europäischen Dieselmarkt, weil die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien die Ausfuhren eines der wichtigsten weltweiten Lieferanten stark einbrechen lassen.Hinzu kommen angespannte Lieferketten wegen der Unruhen im Nahen Osten. Der sogenannte Diesel-Crack-Spread, ein wichtiger Indikator für die Knappheit des Kraftstoffs, steigt damit auf den höchsten Stand seit April.
Eugene Lindell, Leiter des Bereichs Raffinerieprodukte bei FGE NexantECA, sagt, die Exporte aus Russland seien schockierend niedrig. Gleichzeitig fehle weiterhin ein großer Teil der Lieferungen aus dem Persischen Golf, während in Europa zusätzlich die Nachfrage nach Heizöl deutlich anziehe.
Auch Natalia Losada von Energy Aspects macht sinkende russische Dieselexporte nach Drohnenangriffen auf mehrere Raffinerien für den Preisanstieg verantwortlich. Selbst ein mögliches Exportverbot würde den Wettbewerb um Lieferungen von der U.S.-Golfküste und aus Gebieten östlich von Suez weiter verschärfen.
Steigende Ölpreise erhöhen den Kostendruck
Daten des Analyseunternehmens Vortexa zeigen, dass sich die russischen Diesel-Lieferungen im Juni im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert haben. Auch Anfang Juli gibt es bislang kaum Anzeichen für eine Erholung, während extreme Hitze in Europa die Produktion einzelner Raffinerien zusätzlich bremsen könnte.Nicht nur Diesel dürfte teurer bleiben. Nach den jüngsten Angriffen der U.S. auf Ziele im Iran steigen auch die Ölpreise wieder deutlich, die Nordsee-Sorte Brent verteuert sich zeitweise um 2,6 Prozent auf gut 76 Dollar je Barrel.
Bereits zuvor hatten Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus den Ölpreis nach oben getrieben. Höhere Rohölpreise schlagen in der Regel zeitversetzt auch auf die Preise an den Zapfsäulen durch, sowohl bei Benzin als auch bei Diesel.
In unserem früheren Beitrag zu den steigenden Ölpreisen nach den US-Angriffen gegen den Iran haben wir erläutert, wie die Eskalation rund um die Straße von Hormus die Märkte aufschreckte und Brent sowie WTI deutlich anzogen. Im Fokus standen dabei auch die Attacken auf Handelsschiffe, höhere Risiken für die Schifffahrt und die Gefahr, dass schon begrenzte Störungen in der Region schnell zu spürbaren Preisaufschlägen bei Energie führen können.
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