EU-Ermittler gehen mit Operation Alba gegen Umsatzsteuerbetrug im Fahrzeughandel vor

EU-Ermittler gehen mit Operation Alba gegen Umsatzsteuerbetrug im Fahrzeughandel vor
Fahndung nach Autohändlern

Nach neuen Erkenntnissen in einem seit 2021 laufenden Ermittlungsverfahren gehen Behörden in mehreren EU-Staaten gegen ein mutmaßliches Betrugsnetzwerk im Fahrzeughandel vor. Im Zentrum stehen mehr als 70 Verdächtige und ein geschätzter Steuerschaden von rund 300 Millionen Euro zwischen 2017 und Juni 2023.

Höhepunkte

  • Am 9. Juli 2026 erfolgten zwei Festnahmen und Durchsuchungen in Deutschland, Polen und den Niederlanden im Rahmen der Operation Alba gegen Umsatzsteuerbetrug.
  • Der bislang ermittelte Schaden durch das Netzwerk beim Fahrzeughandel per Differenzbesteuerung übersteigt 3,2 Millionen Euro in diesem Teilkomplex.
  • Der Gesamtschaden des Systems beträgt von 2017 bis Juni 2023 rund 300 Millionen Euro, davon wurden bisher etwa 15 Millionen Euro gesichert und Vermögenswerte im Wert von über 2,5 Millionen Euro beschlagnahmt.

Razzien und Festnahmen in mehreren EU-Ländern

Wie der Zoll mitteilte, führen die Europäische Staatsanwaltschaft in Köln, das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen und weitere Partnerbehörden die sogenannte Operation Alba gegen ein internationales Netzwerk durch. Am 9. Juli 2026 kommt es dabei zu zwei Festnahmen, eine in Deutschland und eine in den Niederlanden, sowie zu Durchsuchungen und Sicherstellungen in Deutschland, Polen und den Niederlanden.

Das LBF NRW ermittelt mit seiner Abteilung V in Münsterland seit 2021 gegen die in Nordrhein-Westfalen ansässige Kernzelle des Netzwerks für die EUStA, beteiligt ist zudem das Zollfahndungsamt Essen. Die Beschuldigten sollen Fahrzeuge von bereits im Oktober 2024 verurteilten Haupttätern gekauft und anschließend an Autohändler innerhalb und außerhalb Deutschlands, vor allem in den Niederlanden und Portugal, weiterverkauft haben.

Den Ermittlern zufolge werden die Fahrzeuge dabei als Differenzbesteuerungsfahrzeuge weitergereicht. Dadurch zahlen Autohändler in Deutschland und den Niederlanden die Umsatzsteuer nur auf ihre Gewinnspanne statt auf den Nettowert des Fahrzeugs, was nach Darstellung der Behörden zur Hinterziehung von Umsatzsteuer im Land des jeweiligen Endverkäufers geführt haben soll. Allein in diesem Teilkomplex liegt der bisherige Schaden bei mehr als 3,2 Millionen Euro.

Schadenssumme, Urteile und Vermögenssicherungen

Ausgangspunkt der Untersuchung ist im Januar 2021 ein Hinweis einer italienischen Steuerbehörde an das Bundeszentralamt für Steuern zu fehlenden Angaben beim Ankauf und möglichen Weiterverkauf von aus Deutschland nach Italien importierten Fahrzeugen. Die Steuerfahndung in Münster leitet daraufhin Ermittlungen ein, die kurz darauf von der Europäischen Staatsanwaltschaft in Köln übernommen werden.

Seitdem sind neun Personen rechtskräftig verurteilt worden, mit Freiheitsstrafen zwischen zwei und sieben Jahren. Insgesamt stehen mehr als 70 Personen im Verdacht, an der organisierten Gruppierung beteiligt gewesen zu sein oder die Hauptbeschuldigten unterstützt zu haben.

Nach bisherigen Erkenntnissen verursacht das System zwischen 2017 und Juni 2023 einen Steuerschaden von rund 300 Millionen Euro, von denen bislang etwa 15 Millionen Euro gesichert werden konnten. Bei den jüngsten Maßnahmen stellen die Behörden neben digitalen Beweismitteln auch Waffen, Luxusfahrzeuge, Uhren, Bargeld und Schmuck sicher; zudem werden Fahrzeuge und Immobilien im Wert von mehr als 2,5 Millionen Euro beschlagnahmt.

Für alle Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

In unserem früheren Artikel zum geplanten Stellenabbau und zur Standortunsicherheit bei Volkswagen haben wir die internen Zielbilder bis 2030 zusammengefasst. Im Fokus standen die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm, für die nach dem Auslaufen aktueller Modelle keine festen Zusagen für neue Fertigungsaufträge erkennbar waren. Zudem haben wir die zunehmenden Proteste der Beschäftigten und die Forderungen nach verbindlichen Perspektiven für künftige Modelle und Investitionen beleuchtet.

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