Chinas Autoexporte erhöhen den Druck auf deutsche Hersteller
Chinas Fahrzeugausfuhren erreichen zur Jahresmitte eine neue Größenordnung und verschärfen den Wettbewerbsdruck für die deutsche Autoindustrie. Mehr als eine Million exportierte Fahrzeuge in einem Monat und über 5,3 Millionen im ersten Halbjahr zeigen, wie stark sich chinesische Hersteller über Auslandsmärkte absichern.
Höhepunkte
- China exportierte im ersten Halbjahr über 5,3 Millionen Fahrzeuge, ein Plus von 53 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, getrieben durch schwächelnde Inlandsnachfrage.
- Chinesische Hersteller gleichen Absatzverluste durch verstärkten Export aus, während auch andere elektrische und mechanische Produkte wie Halbleiter und Computer vermehrt nach Europa fließen.
- Volkswagen kann den gestiegenen Marktdruck besser abfedern als Mercedes und BMW, indem es lokale Fahrzeugentwicklung und potenzielle Gemeinschaftsproduktionen mit chinesischen Herstellern ausbaut.
Rekordexporte und schwächere Inlandsnachfrage
Wie Bild unter Berufung auf das Handelsblatt und Zolldaten berichtet, exportiert China erstmals mehr als eine Million Fahrzeuge in einem Monat. Das entspricht fast 73 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, im ersten Halbjahr summieren sich die Ausfuhren auf mehr als 5,3 Millionen Autos, ein Plus von 53 Prozent.Der Exportschub hängt auch mit Problemen auf dem Heimatmarkt zusammen. Nach Kürzungen der staatlichen E-Auto-Prämie und gestiegenen Kraftstoffpreisen im Zuge des Iran-Kriegs sinkt die Nachfrage in China sowohl nach Elektroautos als auch nach Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, sodass Hersteller ihre Verluste verstärkt über den Export ausgleichen.
Der Trend beschränkt sich nicht auf Autos. Auch elektrische und mechanische Produkte wie Halbleiter, Computer und Smartphones werden vermehrt nach Deutschland und Europa geliefert, während Chinas Exportüberschuss gegenüber Deutschland im Juni weiter wächst.
Folgen für Volkswagen, Mercedes und BMW
Für deutsche Autobauer verschärft sich damit die Lage in einem ihrer wichtigsten Märkte. Volkswagen, Mercedes und BMW verlieren nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer an Ansehen bei chinesischen Kunden, weil sie zu lange auf nur leicht angepasste Modelle gesetzt haben, während China bei automobilen Hochtechnologien deutlich aufgeholt hat.Nach Dudenhöffers Einschätzung kann ausgerechnet Volkswagen einen Teil des Drucks besser abfedern als andere Hersteller. Der Konzern entwickelt und baut Fahrzeuge für den chinesischen Markt zunehmend direkt in China und senkt damit Kosten; zudem wird geprüft, ob in nicht ausgelasteten VW-Werken bestimmte Modelle gemeinsam mit chinesischen Herstellern produziert werden könnten.
In unserem früheren Artikel über Volkswagens Umstrukturierungsprogramm haben wir erläutert, dass der Konzern trotz bestätigter Jahresprognose unter erheblichem Druck steht und weitere Stellenstreichungen zur Kostensenkung erwägt. Im Fokus stand zudem der anstehende Gewinnbericht, der als wichtiger Test für den Ausblick gilt und maßgeblich darüber entscheiden könnte, wie sich die VOW3-Aktie kurzfristig entwickelt.
- Forex
- Crypto