Deutschlands Bäcker verzeichnen mehr Insolvenzen durch Konsumwandel und Energiekosten

Deutschlands Bäcker verzeichnen mehr Insolvenzen durch Konsumwandel und Energiekosten
Bäcker in der Krise

Das traditionelle Bäckerhandwerk in Deutschland gerät im ersten Halbjahr 2026 stärker unter wirtschaftlichen Druck. Insgesamt melden 63 Betriebe Insolvenz an, 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Höhepunkte

  • Die Insolvenzen im deutschen Bäckerhandwerk nehmen zu, da Supermärkte, Backautomaten und Discounter Kunden abwerben und traditionelle Bäckereien Spontankäufe verlieren.
  • Steigende Energie-, Lohn- und Rohstoffpreise sowie Fachkräftemangel belasten insbesondere kleine Bäckereien, die höhere Kosten nur begrenzt weitergeben können.
  • Im Juni meldete der Thüringer Bäcker Stefan Lampe für 44 Filialen Insolvenz an, während bei Rackls Backstubn und Bäckerei Hansen Würwik zahlreiche Filialen und Backstuben geschlossen werden.

Insolvenzzahlen und Ursachen im Bäckerhandwerk

Wie BILD unter Berufung auf Creditreform berichtet, verliert das klassische Bäckerhandwerk zunehmend Kundschaft an Supermärkte, Backautomaten und Discounter. Nach Angaben von Creditreform-Sprecher Patrik-Ludwig Hantzsch verändert sich das Kaufverhalten deutlich, weil viele Verbraucher Backwaren zusammen mit dem Wocheneinkauf erwerben.

Damit brechen traditionellen Bäckereien wichtige Spontankäufe bei Brot und Brötchen weg. Zugleich treffen die gestiegenen Energiepreise die Betriebe besonders stark, weil Knetmaschinen, Rührmaschinen und Backöfen viel Strom verbrauchen.

Hinzu kommen hohe Lohnkosten, steigende Rohstoff- und Materialpreise sowie Fachkräftemangel. Bei den geringen Margen können viele Bäckereien diese Belastungen laut Hantzsch nur begrenzt an ihre Kunden weitergeben, wodurch vor allem kleinere Betriebe an ihre wirtschaftliche Grenze geraten.

Folgen für Filialnetze und Regionen

Wie stark der Kostendruck wirkt, zeigt der Fall des Thüringer Bäckers Stefan Lampe, der Mitte Juni für 44 Filialen mit 280 Mitarbeitern Insolvenz anmeldet. Lampe nennt die seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs stark gestiegenen Strom- und Energiepreise als Hauptgrund, betont aber, dass die Geschäfte derzeit geöffnet bleiben und alle Beschäftigten noch an Bord sind.

Nicht überall gelingt eine Fortführung. Bei Rackls Backstubn in Bayern schließen nach der Insolvenz und dem Verkauf an einen Wettbewerber zehn Filialen, zudem wird die zentrale Backstube stillgelegt, nachdem laut Insolvenzverwalter Tobias Sorg keine Fortführungslösung gefunden wird.

Auch die traditionsreiche Bäckerei Hansen Würwik in Schleswig-Holstein steht vor Einschnitten. Die Backstube in Wees bei Flensburg stellt Ende Juli die Produktion ein, während Konkurrent Andresen zum 1. August sechs von elf Filialen übernimmt und die übrigen Standorte geschlossen werden.

Die zuletzt gestiegene Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland zeigt, dass der wirtschaftliche Druck in vielen Branchen weiter zunimmt. Unsere frühere Analyse beleuchtete die Entwicklung im Frühjahr 2026 mit 2.276 beantragten Insolvenzen im April sowie besonders hohen Insolvenzraten in Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe und Bau. Außerdem wurde erläutert, warum die Gläubigerforderungen trotz mehr Fälle insgesamt zurückgingen.

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